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Südafrika Auf den Wegen der Freiheit

Diese Kunst-Installation in Port Elizabeth bezieht sich auf die ersten freien Wahlen in Südafrika. Am Ende steht Mandela mit gereckter Faust. Foto: schreiber
Diese Kunst-Installation in Port Elizabeth bezieht sich auf die ersten freien Wahlen in Südafrika. Am Ende steht Mandela mit gereckter Faust. Foto: schreiber

Ob Robben Island, Groutville oder Johannesburg - viele Orte in Südafrika geben eindrucksvoll Auskunft über das Leben von Nelson Mandela.

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Johannesburg - Prema Naidoo hat sich vor diesem Tag gefürchtet. „Wenn Nelson Mandela geht, ertrinkt unser Land in Tränen.“ Es ist kurz vor dem Tod des südafrikanischen Führers, als Prema an einem schicksalsträchtigen Ort über seinen Weggefährten und Leidensgenossen spricht. Im Old-Fort-Gefängnis in Johannesburg, das schon längst eine Pilgerstätte für Touristen ist, die auf Mandelas Spuren wandeln, waren beide als politische Häftlinge eingesperrt. Sie saßen nicht zur selben Zeit, aber sie mussten ähnliche Schikanen über sich ergehen lassen. Prema zittert, als er die kleine Tür zum „Empfangsraum“ des Gefängnisses öffnet.

Hier begann sein Martyrium. Die Wärter befahlen ihm damals, sich auszuziehen, traktierten ihn eine Stunde mit einem starken Wasserstrahl und steckten ihn anschließend in gebrauchte Häftlingskleidung voller Schmutz und Läuse. Prema berichtet von willkürlichen Schlägen - wenn sie nicht von den Wärtern kamen, dann von den Gang-Mitgliedern, denen man sich unterzuordnen hatte. Und selbst im Gefängnis gab es eine strikte Rassentrennung. Schwarze Häftlinge erhielten Suppe, Brot und die schlechteste Reisqualität, weiße bekamen Eintopf, Bohnen und an Weihnachten sogar einen Kuchen.

„Hier hat mein Schicksal begonnen“

„Die anderen waren besser dran, obwohl sie wirklich Verbrechen begangen hatten. Wir waren doch unschuldig.“ Im Südafrika der 1960er Jahre sitzt jeder achte schwarze Einwohner hinter Gittern - nur weil er schwarz ist. Mandela kommt 1964 ins Old-Fort-Gefängnis und erhält die Häftlingsnummer 466/64, die noch immer in seiner damaligen Zelle prangt. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er eingesperrt wird. Als er 50 Jahre später an diesen Ort zurückkehrt, soll er gesagt haben: „Hier hat mein Schicksal begonnen.“ Noch mehr erfährt man über Mandelas Leidensgeschichte und das brutale Regime, das Südafrika Jahrzehnte im Griff hatte, im Apartheid-Museum. Dem schwarzen Führer ist derzeit eine Sonderausstellung gewidmet, bei der man die Stationen seines Lebens verfolgen kann.

Einer der prägendsten Momente in jungen Jahren war der erste Schultag, als ihm seine Lehrerin den Namen „Nelson“ verpasste. Niemand durfte ihn mehr Rolihlahla rufen, schwarze Namen waren verpönt. Fortan sieht man auf den Bildern einen kämpferischen, jungen Mann, der sich der Freiheitsbewegung ANC anschließt und als Staatsfeind Nummer eins zu lebenslanger Haft verurteilt wird. 26 Jahre verbringt er in verschiedenen Gefängnissen und führt von dort seinen Kampf gegen die Rassentrennung weiter, ehe er 1990 vom damaligen Präsidenten de Klerk freigelassen wird und vier Jahre später dessen Amt übernimmt. Das Museum schildert in aller Brutalität den Aufstand der Schwarzen gegen das Apartheid-Regime.

Filmaufnahmen zeigen, wie Kinder geschlagen und erschossen werden. Nur selten bleibt es bei Andeutungen, das Konzept setzt auf absolute Konfrontation. Für manche Besucher ist es eine Spur zu heftig. Überall in Südafrika findet man Spuren Mandelas. Schon lange vor seinem Tod gab es spezielle Touren für Touristen, unter anderem auf Robben Island, jener Gefängnisinsel, auf der der spätere südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger 18 Jahre inhaftiert war. Welche Orte soll man also rauspicken, um sich diesem einmaligen Menschen zu nähern? Johannesburg ist sicher der ideale Ausgangspunkt. Im Anschluss bietet sich der Osten des Landes an, weil die Region rund um Durban die Wiege des Widerstands ist. Dort fand Mandela in jungen Jahren die Vorbilder für seinen Freiheitskampf. Dorthin kehrte er immer wieder zurück - aus persönlichen und aus symbolischen Gründen.

Das Haus ist heute eine Gedenkstätte

Groutville war einer der wichtigsten Orte für Mandela. Wer in die kleine Township will, verlässt Durban in nordöstlicher Richtung. Man passiert die berühmte Delfin-Küste, taucht ein in fruchtbar grünes Land, in dem früher indische Sklaven auf Baumwollplantagen schufteten. Heute tragen die Frauen Körbe mit bunten Klamotten auf dem Kopf, um sie im Fluss zu waschen. Ziel ist das ehemalige Haus von Albert Luthuli. Mandela war regelmäßig zu Gast bei dem lange Zeit wichtigsten politischen Führer der Apartheid-Gegner, der 1960 als erster Südafrikaner den Friedensnobelpreis erhielt. Allerdings fanden die Begegnungen im Untergrund statt, weil das Regime Luthuli verboten hatte, politisch zu arbeiten. Das Haus ist heute eine Gedenkstätte.

Man muss den Mitarbeitern ein wenig zureden, dann führen sie einen durch die Township, zeigen Hinterhöfe, die für die Geheimtreffen reserviert waren. Um den Beobachtern zu entkommen, sind Luthuli und Mandela manchmal sogar in den nahen Wald gelaufen. Luthulie war es gewohnt, auf Mandela wirkte das Versteckspiel immer befremdlich. Er war stets ein Mann der Gesten, der sich zeigen wollte - der Sache wegen. Das blieb auch nach seiner Freilassung so. Für seinen vermutlich wichtigsten politischen Auftritt wählte Mandela ebenfalls Durban aus.

Bei den ersten gleichberechtigten Wahlen 1994 fuhr er in die Township Inanda, um seine Stimme abzugeben. Er wählte einen Ort, den es in der südafrikanischen Apartheid-Geschichte eigentlich gar nicht hätte geben dürfen: die Ohlange-High-School, im Jahr 1901 die erste von einem Schwarzen geführte Bildungseinrichtung. Der Gründer war Dr. John Dube, der einige Jahre später zum Führer des ANC und zur Symbolfigur des Widerstands avancierte. Als Mandela in der gepanzerten Mercedes-Limousine, die ihm die deutsche Bundesregierung geschenkt hatte, vorfuhr, stand Mandla Nxamulo als Aufseher direkt neben der Urne. „Wir mussten die Wahl ins Freie verlegen, weil Hunderte Kamerateams, Fotografen und Reporter da waren.“ Mandela sei ausgestiegen und zuerst zum Dube-Denkmal gegangen. Mandla weiß noch genau, was er dort sagte: „Mister Präsident, ich bin hier, um Ihnen zu berichten, dass Südafrika nun ein freies Land ist.“

Die Schüler, die heute auf dem Campus sind, kennen die Geschichte mit Mandela natürlich. In den Pausen kommen Acht- oder Neuntklässler, um die Urne zu besichtigen und die gerahmten Fotos, auf denen ihr schwarzer Führer seinen Stimmbrief einwirft. Unter ihnen ist der 15-jährige Sifiso, der sich im Internet schon Karten für die Kinopremiere „Mandela - Der lange Weg zur Freiheit“ bestellt hat, der Ende Januar auch in Europa anläuft. „Nelson Mandela ist mein Vorbild, nächstes Jahr feiern wir 20 Jahre Demokratie.“

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