Südbahn unter Strom Fahrplan ohne Ehrgeiz

Elektrische Züge fahren nicht unbedingt schneller. Foto: dpa/Felix Kästle

Die Bahn ist der große Gewinner der millionenschwere Elektrifizierung der Südbahn. Ihre Kunden haben herzlich wenig davon, kommentiert unser Redakteur Eberhard Wein.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Stuttgart - Noch bis Samstagabend ist das an gute alte Bahnzeiten erinnernde Schauspiel im Ulmer Hauptbahnhof jede Stunde zu bewundern: An den Zug von Stuttgart zum Bodensee wird eine E-Lok ab- und eine Diesellok angehängt. Künftig wird das nicht mehr nötig sein. Das ist gut fürs Klima, weil nun auf der ganzen Strecke mit Ökostrom statt mit Diesel gefahren werden kann. Das ist aber auch gut für die Bahn, weil sie in Ulm künftig keine Mitarbeiter mehr für den zeitraubenden Lokwechsel abstellen muss.

 

Die nicht ganz abwegige Erwartung, dass auch die Fahrgäste von der 370 Millionen Euro teuren Elektrifizierung auf der Südbahn profitieren, wird hingegen enttäuscht. Auch ohne Lokwechsel wird der Zug im Ulmer Bahnhof abgestellt. Weiter geht’s erst nach einer Viertelstunde. Hinzu kommen Fahrzeitverlängerungen auf anderen Strecken, die direkt aus der Umstellung der Südbahn folgen.

Zuverlässigkeit ist wichtiger als eine kurze Fahrzeit, rechtfertigt das Verkehrsministerium die neue Linie. Natürlich ist es sinnlos, im Fahrplan Dinge zu versprechen, die auf der real existierenden Schiene nicht eingelöst werden können. Doch vom ambitionierten Verkehrsminister, der seit zehn Jahren durchaus erfolgreich daran arbeitet, den Nachteil der Bahn gegenüber der Straße wettzumachen, hätte man einen solch ehrgeizlosen Fahrplan nicht erwartet. Die „entspannteren“ Fahrzeiten helfen weniger den Fahrgästen als der Bahn. Sie kann so ihre Strafzahlungen für Verspätungen reduzieren.

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