Südwest-Firmen Fachkräftemangel ist das größte Problem

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Die Wirtschaft in Baden-Württemberg wächst dieses Jahr wohl um gut ein Prozent. Die Unternehmen in der Region sehen derzeit kein Anzeichen für eine Krise. Doch es gibt Ausnahmen.

Fehlende Fachkräfte sind nicht nur im Maschinenbau ein  Hemmnis für die weitere Entwicklung. Foto: dpa
Fehlende Fachkräfte sind nicht nur im Maschinenbau ein Hemmnis für die weitere Entwicklung. Foto: dpa

Stuttgart - Die Geschäfte der Wirtschaft in Baden-Württemberg laufen nach wie vor sehr gut, die Aussichten aber sind etwas schlechter geworden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie-und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart werde 2019 voraussichtlich um etwas mehr als ein Prozent wachsen, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kammer, Bernd Engelhardt. Das Wachstum dürfte nach seiner Ansicht im Südwesten wieder etwas höher ausfallen als bundesweit. Die Bundesregierung hatte kürzlich ihre Prognose für Deutschland auf ein Plus von nur noch einem Prozent reduziert.

„Die Geschäfte in der regionalen ­Wirtschaft laufen weiter ausgezeichnet“, sagte IHK-Präsidentin Marjoke Breuning. Nur der Ausblick habe sich etwas ein­getrübt. Noch immer berichten 59 Prozent der Unternehmen in der Region über gute ­Geschäfte. Dies ist der zweitbeste jemals in Umfragen der IHK gemeldete Wert und übertrifft die Beurteilung vom Herbst 2018.

Gesunken ist allerdings der Anteil der Unternehmen, die steigende Auftragseingänge melden – er ging seit dem Herbst 2018 von 31 auf 29 Prozent zurück. Sinkende Auftragseingänge verzeichnen inzwischen 17 Prozent der befragten Unternehmen. Im Herbst waren es noch 15 Prozent gewesen. Auch die Aussichten für die kommenden zwölf Monate haben sich eingetrübt: Die meisten Unternehmen rechnen mit gleichbleibenden Geschäften. Bemerkenswerterweise erwarten mehr Unternehmen als im Herbst bessere Geschäfte. Doch doch noch stärker stieg die Zahl der Befragten, die schlechtere Aussichten sehen. Diese erhöhte sich von zehn auf 14 Prozent.

90 Prozent der Unternehmen möchten die Zahl der Mitarbeiter erhöhen oder konstant halten

Als weitaus größtes Hemmnis für die weitere Entwicklung betrachten zwei Drittel der Unternehmen trotz der etwas gedämpften Konjunkturaussichten den Mangel an Fachkräften. Rund 90 Prozent aller Betriebe möchten die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen oder konstant halten, nur zwölf Prozent planen einen Abbau von Arbeitsplätzen. Dies ist sogar noch etwas weniger als im Herbst.

Großes Kopfzerbrechen bereiten der stark vom Export abhängigen Wirtschaft im Südwesten die Ausfuhren. Für das laufende Jahr rechnen inzwischen 14 Prozent der Firmen mit sinkenden Ausfuhren. Im Herbst waren dies erst zehn Prozent gewesen. Zusätzliche Bestellungen erwarten die Unternehmen vor allem aus der Eurozone. Impulse, die aber schwächer geworden seien, kämen auch aus China und den USA, sagte der stellvertretende IHK-Präsident Heinrich Baumann.

„Trump bleibt ein Unsicherheitsfaktor“, meinte Baumann. Die Strafzölle auf Stahl hätten sich bisher im Südwesten kaum ausgewirkt, da in Baden-Württemberg nur wenig Stahl produzierte werde. Falls der US-Präsident aber die angedrohten Strafzölle auf Autos erheben würde, könne ein Drittel der gesamten Exporte aus dem Südwesten davon betroffen sein.

Die Exporte nach Großbritannien gehen abermals zurück

Im Vorfeld des Brexits gingen die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich bereits zum zweiten Mal in Folge zurück. Von Januar bis November 2018 sanken sie um 1,4 Prozent auf knapp 9,2 Milliarden Euro. Das Vereinigte Königreich liegt an sechster Stelle bei den Exportländern Baden-Württembergs. Wegen der bei einem Brexit zu erwartenden Zollformalitäten drohe an den Grenzen ein Chaos, so Baumann.

Zu den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für einen besseren Schutz der deutschen Wirtschaft gegen Übernahmen erklärte Baumann, es sei „wichtig, richtig und gut, wenn ein Bundeswirtschaftsminister sich Gedanken über Industriepolitik macht“. Infrastruktureinrichtungen wie etwa das Schienennetz oder Kommunikationsnetze müssten geschützt werden. „Bei der Vorstellung, Unternehmen zeitweise zu verstaatlichen, um sie gegen Übernahmen zu schützen, graust es mir aber etwas“, sagte der stellvertretende IHK-Präsident.

Über den Umgang mit China müsse man sich aber tatsächlich Gedanken machen, so Baumann. China wird vorgeworfen, in anderen Ländern Unternehmen aufzukaufen, selbst aber ausländischen Investoren immer mehr Hemmnisse in den Weg zu legen. Baumann warnte aber davor, „einen Protektionismus aufzubauen, den wir an anderen kritisieren“.