Südwesten auf der Hannover Messe Die Unternehmer sind optimistisch

Von  

Eine Umfrage der Stuttgarter Zeitung unter baden-württembergischen Unternehmen bestätigt den positiven Konjunkturtrend: Die Aussteller erwarten auf der diesjährigen Industriemesse gute Geschäfte – auch der Krim-Krise zum Trotz.

Für baden-württembergische Unternehmen greifen die Rädchen der Konjunktur gut ineinander. Foto: AFP
Für baden-württembergische Unternehmen greifen die Rädchen der Konjunktur gut ineinander. Foto: AFP

Hannover - In diesem Jahr sind die schwäbischen Mittelständler wieder einmal mit großen Erwartungen zur Hannover Messe gekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel fand bei ihrem Messeauftritt am Sonntagabend eine Stimmung vor, die noch deutlich besser ist als in den vergangenen Jahren. Selbst aus krisengeplagten Euroländern kommen inzwischen wieder etwas positivere Signale – und mögliche Probleme mit Lieferungen nach Russland sind noch nicht so konkret, dass sie schon Schatten auf die Konjunktur werfen.

„Wir sind sehr positiv gestimmt“, sagt Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter der J. Schmalz GmbH in Glatten bei Freudenstadt. Der Umsatz des Herstellers von Anlagen zum Heben und Transportieren von Gegenständen mit Hilfe der Vakuumtechnik hat in den ersten drei Monaten den des Vorjahres bereits übertroffen. Nun erwartet Schmalz von der Messe Signale für die Kaufbereitschaft seiner Kunden.

Hannover als Tor zur Welt

Ein positives Urteil über die ersten Monate fällt aber nicht nur das Unternehmen aus dem Schwarzwald mit seinen 800 Mitarbeitern und einem Umsatz von 100 Millionen Euro. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) glaubt inzwischen an ein stärkeres Wachstum und hat seine Prognose von 1,7 auf zwei Prozent heraufgesetzt. Der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg SE ist ebenfalls mit Frühlingsgefühlen auf die weltweit wichtigste Industriemesse gereist. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz des Künzelsauer Unternehmens bei 794 Millionen Euro. Dieses Jahr soll er „im hohen einstelligen Bereich“ zulegen. Von der Messe erhofft sich das Unternehmen einen weiteren Impuls, auch weil die Hohenloher einen Elektroantrieb für Stadtbusse präsentieren – ein relativ neues Geschäftsfeld, von dem sich der ­Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl hohe Wachstumsraten verspricht. Nicht weit von Künzelsau entfernt produziert die Bürkert GmbH in Ingelfingen Systeme und Komponenten für die Steuerungs- und Regeltechnik bei Flüssigkeiten und Gasen.

„Wir freuen uns auf die Messe“, sagt ­Geschäftsführer Heribert Rohrbeck. Dies auch deshalb, weil Hannover mit seinem hohen Anteil an internationalen Besuchern für Bürkert, dessen Firma bei einem Umsatz von 410 Millionen Euro auf einen Exportanteil von 80 Prozent kommt, so etwas wie ein Tor zur Welt ist. Spricht man Aussteller auf die Folgen eines möglichen Boykotts gegen Russland an, so zieren sie sich häufig. „Das ist ein politisches Thema“, heißt es dann. Rohrbeck aber sagt eines eindeutig: „Für uns ist das Russlandgeschäft nicht von überragender Bedeutung.“

Die Krise mit Russland kann den Optimismus nicht verderben

Auch der Marketingchef Horst-Dieter Krauss von der Pilz AG in Ostfildern lässt sich den Optimismus nicht verderben. „Wir fahren mit einer sehr positiven Grundstimmung nach Hannover, weil wir neue Lösungen für die Automatisierungstechnik, aber auch etwa für die Bahntechnik anbieten können“, sagt er für sein Unternehmen, das 2012 mit 1800 Beschäftigten einen Umsatz von 227 Millionen Euro erzielte.

Automatisierung ist auch in diesem Jahr wieder einer der Schwerpunkte auf der Messe. Die neue Welt der sogenannten Industrie 4.0 fehlt ebenfalls in fast keiner Ankündigung. Die AMF Andreas Maier GmbH aus Fellbach zieht es nicht zuletzt wegen ihrer Angebote bei der Automatisierungstechnik nach Hannover. „Unser hoher Automationsgrad hat dabei geholfen, dass wir relativ gut über die letzte Krise hinweggekommen sind“, sagt Prokurist Jürgen Förster zur Bedeutung der Automatisierung in Deutschland. „Und dieser Trend wird sich fortsetzen.“ In Hannover will das Unternehmen unter anderem zeigen, wie etwa mit einer an eine Maschine angekoppelten Automatisierungsanlage das Geld für einen Roboter gespart werden kann. „Wir hoffen, dass die bis jetzt allgemein ­gute Stimmung auf der Messe nochmals unterstrichen wird“, sagt Förster.

Hermann Löbich, geschäftsführender Gesellschafter des Spezialdichtungsherstellers GFD Dichtungstechnik aus Brackenheim, ist guten Mutes nach Hannover gekommen: Für das Unternehmen mit seinem Umsatz von etwa 14 Millionen Euro sind internationale Kontakte wichtig : „Die Asiaten wollen sehen, dass hinter einem Angebot aus dem Internet auch wirkliche Menschen und eine echte Firma stecken.“