Mitte Mai war es soweit: Die Schwabenbräu-Passage in Bad Cannstatt, die früher mal ein Kino und ein Hotel war und in der schon Heinz Rühmann und Pelé übernachtet haben, wurde feierlich wiedereröffnet. Bis zu ihrem Abriss soll sie als Raum für Subkultur genutzt werden. Zugegeben, die Passage, die seit 2020 der Stadt gehört, erinnert nur noch wenig an die glamourösen Zeiten, in denen hier Filmstars ein- und ausgingen. Für die subkulturelle Zwischennutzung scheint der verwinkelte, etwas heruntergekommene Bau mit den Terrassen und der Sicht auf den Cannstatter Bahnhof aber wie gemacht.
Seit Mai sind ein paar Wochen vergangen. Im Erdgeschoss der Passagen werden bei der DRK-Kleiderkiste fleißig gebrauchte Mode abgegeben und erworben. Nebenan hat erst vor wenigen Tagen die Siebdruckwerkstatt Druckeria eröffnet. Weiter oben im Gebäude setzt sich das Legal Café für Themen wie Migration und Rassismus ein und in der Palermo-Galerie fanden bereits mehrere Ausstellungen statt.
Unterrepräsentierte Musikstile finden hier einen Platz
Der erste Raum, an dem man im ersten Obergeschoss vorbeikommt, steht dem gemeinnützigen Verein Sunny High zur Verfügung. Der Verein will hier einen Club und einen Ort für Kunst, Kultur, Gleichberechtigung und Engagement schaffen. In den letzten Monaten kümmerten sich die Vereinsmitglieder des Sunny High vor allem um ihr Sound- und Lichtkonzept. „Wir gestalten aktuell die Decke im Raum um, sodass der Klang und die Lüftung besser werden und wir die Lichter anbringen können“, erklärt das Vorstandsmitglied Daniel Pranjic. Bis zur offiziellen Club-Eröffnung am 9. September soll noch eine ausgetüftelte Musik-Anlage ergänzt werden.
Ein erstes Konzert fand bereits in den Räumlichkeiten statt. Am 29. Juli folgt eine alternative Aftershow-Party zum Stuttgarter CSD und am 9. September ist dann die offizielle Eröffnung des Sunny High. Von da an soll wöchentlich eine Party stattfinden – meistens samstags oder an einem Vorfeiertag.
Das Programm soll bunt gemischt sein. „Die meisten Veranstaltungen, die bis jetzt geplant sind, sind mit externen Veranstalter:innen oder Kollektiven organisiert. Zum Beispiel haben wir am 23. September die Queerfem Aftershow-Party bei uns“, erzählt Daniel, der genauso wie alle anderen ehrenamtlich tätig ist. Dabei möchte das Sunny High Musikrichtungen eine Bühne bieten, die in Stuttgart eher selten eine Bühne bekommen. „Techno und Hip-Hop werden ja sehr viel gespielt“, merkt Daniel an. Reggae, Drumm and Bass, Post Punk und Neue Musik seien nur ein paar der möglichen Stilrichtungen. Dadurch dass der Verein – vorerst bis zum Jahresende – von der Stadt Stuttgart gefördert wird, kann er den Künstler:innen finanziell tragbare Konditionen anbieten. So seien auch gewagtere Konzepte möglich.
Für die Zukunft würden sich die Mitglieder des Sunny High Teams über einige feste Stellen freuen, denn die Planung und Organisation der Veranstaltungen ist sehr zeitaufwendig: Webseite bauen, Getränkelieferungen organisieren, Schichtpläne erstellen etc. . . Es gibt immer etwas zu tun!
Außerdem gibt es im Team die Idee, eine Gehörlosen-Tanzfläche zu errichten, ähnlich wie es sie im Kulturbetrieb Zappa in Schwäbisch Gmünd gibt. Diese koste allerdings mindestens 5000 Euro, ein Förderantrag liege noch bei der Stadt.
Daniel freut sich, dass der Club nun endlich regelmäßig an den Start geht: „Damit haben wir uns einen Traum erfüllt.“
Sunny High Club, Bahnhofstr. 14-18, Stuttgart-Bad Cannstatt