Supercross in Stuttgart Tobi Merz – der Herr der Lüfte fliegt durch die Schleyerhalle

Tobi Merz fliegt mit meinem Motorrad spektakulär durch die Luft – am Freitag und Samstag in der Stuttgarter Schleyerhalle. Foto: SYO VAN VLIET/SYO VAN VLIET

Tobi Merz aus Wien ist einer der Freestyle-Stars an diesem Freitag und Samstag in der Stuttgarter Schleyerhalle. Sein Weg in die Weltspitze ist ein ungewöhnlicher.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Im Prinzip wäre es ja ein Leichtes für Tobi Merz, mit recht überschaubarem Risiko durch die Luft zu fliegen. Denn: Der 28-jährige Wiener ist ausgebildeter Berufspilot, darf jegliche Art von Flugzeug fliegen und müsste dafür nicht allzu waghalsig sein. Wer an diesem Freitag und Samstag in der Stuttgarter Schleyerhalle beim ADAC Supercross zu Gast ist, wird jedoch sehen: Tobi Merz mag die Fliegerei dann doch gerne auch mit ein wenig mehr Adrenalin.

 

„Es fühlt sich an“, schwärmt der Österreicher, „als wäre man schwerelos. Man kann in der Luft alles machen, was man möchte.“ Mit einer Einschränkung: „Man muss rechtzeitig wieder mit den Füßen auf den Pedalen sein.“ Denn Tobi Merz ist ja kein Astronaut – sondern einer der besten Freestyle-Motocrosser in Europa. Und einer mit einem besonderen Weg in die Spitze dieser Sportart.

Als Heranwachsender hatte er den Weg in den BMX-Sport gefunden. Und wurde „relativ schnell sehr gut“ – wie er selbst sagt. Bereits mit 14 Jahren nahm er in Wien am „Masters of Dirt“ teil, der größten Freestyle-Show in Europa. Tobi Welz fuhr mit seinem BMX-Rad die Rampen hoch und katapultierte sich in die Luft, wo er seine Tricks zeigte, ehe er wieder landete. Das war spektakulär – aber er sah etwas noch Spektakuläreres.

Vom BMX-Rad auf das Cross-Motorrad

Er stand an den Rampen der Motocross-Freestyler, blickte nach oben – und dachte: „Das gibt’s doch nicht, wie weit die springen. Das ist unbegreiflich und ja noch viel krasser als auf dem Rad.“ Die Faszination war groß, der Respekt aber auch: „Für mich war es unglaublich, dass die Jungs sich das getraut haben.“ Zudem war für Tobi Merz klar: „Das werde ich im Leben nicht machen.“ Doch die Verlockung wurde größer und größer.

Das Ganze gipfelte darin, dass sich Tobi Merz Ende der 2010er Jahre einen Deal ausdachte. Als Gage für einen weiteren Auftritt bei „Masters of Dirt“ wollte er kein Geld – sondern eine Cross-Maschine. „Und gut eineinhalb Jahre danach bin ich die Show dann bereits auf dem Motorrad mitgefahren.“ Das klingt wie ein locker leichter Umstieg. Doch so einfach war es dann auch wieder nicht. Klar, das Körpergefühl in der Luft, die Fähigkeit, Distanzen einzuschätzen – das verbindet die Sportarten. Aber eben diese Distanzen sind auch sehr unterschiedlich.

Vielleicht zehn Meter weit fliegt ein Freestyler mit dem BMX-Rad. Mit dem Motorrad ist es mehr als das Doppelte, teils sogar das Dreifache. Tobi Merz beschreibt einen weiteren Unterschied: „Im BMX-Freestyle nimmst du als Fahrer das Rad mit auf den Flug. Im Motocross bist du selbst der Passagier auf dem Motorrad.“ Durch das Gewicht des motorisierten Zweirads seien in der Luft ganz andere Tricks möglich. Sein Lieblingsmanöver: der „Backflip Switchblade“. Bedeutet: Fahrer und Motorrad machen einen Rückwärtssalto, wobei der Pilot nur noch den Lenker in den Händen hält. Die Beine zeigen bei verdrehter Körperachse gen Boden.

Tobi Welz mit seiner roten Motocrossmaschine. /SYO VAN VLIET

Das Manöver ist spektakulär – und waghalsig. Weshalb beim Umstieg vom Rad aufs Motorrad ein vorsichtiges Herantasten nötig war. Und: viel Fleiß. „Ich habe viel trainiert“, sagt Tobi Merz, „ich wollte mich immer neu definieren und pushen, aber eben auch nichts erzwingen.“ Denn das kann dann auch mal schnell schief gehen.

Übermotivation sei jedenfalls ein schlechter Ratgeber in seinem Sport, betont der Österreicher. Wobei es gar nicht so einfach sei, seine Emotionen immer im Zaum zu halten. Am Freitag und Samstag wird er sich selbst mal wieder auf diese Probe stellen.

Großes Lob für das Stuttgarter Publikum

Im vergangenen Jahr flog der 28-Jährige erstmals beim ADAC Supercross durch die Schleyerhalle – und weiß seitdem: „Das Stuttgarter Publikum ist besonders laut, die Atmosphäre geil, einfach Wahnsinn.“ Und wie vor rund zwölf Monaten wird sich der Freestyler bei der 40. Ausgabe der Veranstaltung auch die Supercross-Rennen genau anschauen. Weil sie ihn faszinieren. Aber auch aus Eigennutz. Neben der eigenen Freestyle-Karriere und dem Dasein als Pilot baut Tobi Merz nämlich auch Motocrossstrecken und Bikeparks. „Ich könnte das Freestyle-Motocross auch als Profi betreiben“, sagt er, „aber das wäre mir dann doch ein bisschen zu langweilig.“ Trotz des ganzen Adrenalins.

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