Supermans Leinwand-Comeback Der Glattgebürstete

Mit „Man of Steel“ kehrt Superman jetzt zurück in die Kinos. Als dienstältester Superheld war es lange still um ihn geworden. Vielleicht auch, weil das Konzept eines makellosen Helden nicht mehr zeitgemäß ist.

Die rote Unterhose ist weg: Henry Cavill als Superman in „Man of Steel“ Foto: Warner Bros 11 Bilder
Die rote Unterhose ist weg: Henry Cavill als Superman in „Man of Steel“ Foto: Warner Bros

Stuttgart - Er war der erste Superheld des Comic-Universums überhaupt, der Prototyp für alle Weltretter, die nach ihm kamen: Superman, oder Kal-El, wie sein echter Name auf seinem Heimatplaneten Krypton lautet. Hitzeblick, Frostatem, Schallgeschwindigkeit – es gibt nichts, was der Mann aus Stahl nicht kann. Ziemlich coole Eigenschaften eigentlich. Gleichzeitig ist dieser Mann Sinnbild für Perfektion und damit schnell langweilig. Kein Wunder also, dass es im Vergleich zu seinen Kollegen aus der Superhelden-Liga lange still um ihn geworden war.

In den vergangenen Jahren haben sich viele Comic-Superhelden auf der Leinwand getummelt: Batman, Iron Man, die X-Men oder Spider-Man sogar gleich in zwei Neuauflagen. Superman hatte da bereits seine besten Zeiten hinter sich: Die Filme der späten siebziger und achtziger Jahre mit Christopher Reeve in der Hauptrolle wurden von mal zu mal schlechter, bis der vierte Teil „Die Welt am Abgrund“ künstlerisch wie kommerziell so dermaßen floppte, dass er das Ende für die Superman-Reihe bedeutete. Der Wiederbelebungsversuch durch den Regisseur Bryan Singer 2006 („Superman Returns“) scheiterte: die Story zu dünn, der Superman-Stoff schon lange ausgereizt, hieß es in vielen Kritiken.

Die Figur Superman ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten

Während Superman also nach einem großspurig angekündigten Comeback gleich wieder abstürzte, setzte bei seinem dunklen Kollegen Batman ein neuer Höhenflug ein. Mit seiner „Dark Knight“-Trilogie brillierte der Regisseur Christopher Nolan sowohl in den Feuilletons als auch an den Kassen. Er befreite den Fledermausmann aus dem bunt-flippigen Comic-Universum und setzte auf düstere Atmosphäre und emotionale Tiefe.

Daran versucht sich jetzt auch Zack Snyder, scheitert aber im Ansatz. Was wohl auch an der Figur des Superman selbst liegen mag. Er ist nahezu perfekt, ein gottähnliches Wesen, vom Himmel gefallen, um der Erde Frieden zu bringen. Bei ihm gibt es kein Trauma wie beim Millionär Bruce Wayne, bei dem der frühe, gewaltsame Tod der Eltern dafür sorgt, dass er zum dunklen Rächer Batman wird, keine Probleme im Umgang mit seinen neu erworbenen Superkräften wie der von einer radioaktiven Spinne gebissene Peter Parker aka Spider-Man, ja auch keine schnoddrige Überheblichkeit angesichts seiner Fähigkeiten wie beim Iron Man Tony Stark. Die Figur Superman, der Mann aus Stahl, ist glattgebürstet und damit ein Relikt aus einer Zeit, als das Denken in Kategorien wie Schwarz und Weiß, Gut und Böse noch möglich war – sowohl in der Politik als auch in der Unterhaltungsbranche. In Zack Snyders Film soll jetzt auch Superman tiefenpsychologisch durchleuchtet werden. Das gelingt aber nicht so gut wie in Nolans Batman-Adaption, weil die Figur nicht so viel hergibt wie der dunkle Ritter.

Im Zweiten Weltkrieg bewarf er Hitler mit Torten

Ohnehin ist der 1938 erstmals vorgestellte Superman, was seine Popularität im Helden-Universum angeht, längst über seinen Zenit hinaus. Den erreichte er im Zweiten Weltkrieg, als Patriotismus und nationaler Konsens besonders stark waren. Damals durfte er die realen Bösewichte Hitler und Mussolini gefangen nehmen und mit Torten bewerfen. Später geriet das althergebrachte Bild von einem makellosen Helden in die Krise.

Da half es auch nichts, dass die Macher mit dem Kryptonit eine Schwachstelle Supermans erfanden. In der Nähe des grünen Kristalls schwinden seine Kräfte, er wird sterblich. Auf subtile Weise verstärkt das Kryptonit also den Ruf der Unverwundbarkeit Supermans. Der Comicverlag Marvel schlug in den Sechzigern mit Spider-Man in diese Bresche: Hier ist der Held eine Durchschnittsfigur, ein Streber, der sich erst durch seine Superkräfte zu Höherem aufschwingen kann und dennoch nicht vor ganz alltäglichen Problemen gefeit ist.

Ursprünglich war er als Super-Bösewicht konzipiert

Anders bei Superman: er kommt bereits mit Superkräften auf die Welt. Er könnte zum Übermenschen im Sinne von Nietzsche werden, der sich über die Moral der Schwachen hinwegsetzt und sich einfach nimmt, was er will. Da passt es ins Bild, dass seine Schöpfer Jerry Siegel und Joe Schuster den Stählernen ursprünglich als Superbösewicht konzipiert hatten. Tatsächlich ist „Superman“ die gängige englische Übersetzung von Nietzsches „Übermensch“. Aber Superman wird zum Helden, indem er sich einschränkt, bescheidet. Und als wäre das nicht genug, gibt sich der Unzerstörbare eine schwächliche Fassade: Er schlüpft in die Rolle von Clark Kent, einem schusseligen, braven Reporter, ein Sinnbild für die schutzbedürftige Menschheit und Kontrastfolie zur Unbesiegbarkeit Supermans.

Ob der glatt rasierte Super-Moralist mit Umhang und sein Alter Ego, das bebrillte Reporter-Landei aus Smallville, auf ein ähnliches Comeback wie seine Kollegen hoffen kann, hängt davon ab, wie der „Man of Steel“ sich an den Kassen bewährt. Es sieht aber gut aus: In den USA hat er mit 125 Millionen Dollar am ersten Wochenende einen neuen Juni-Rekord eingefahren. Ein Ergebnis passend zum Helden: super eben.




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