Superreiche Proteste gegen Bezos-Hochzeit in Venedig
Amazon-Gründer und US-Tech-Milliardär Jeff Bezos will Ende Juni in der Lagunenstadt seine Partnerin Lauren Sánchez ehelichen. Die dreitätige Traumhochzeit führt zu Protesten.
Amazon-Gründer und US-Tech-Milliardär Jeff Bezos will Ende Juni in der Lagunenstadt seine Partnerin Lauren Sánchez ehelichen. Die dreitätige Traumhochzeit führt zu Protesten.
Der drittreichste Mann der Welt will sich nicht lumpen lassen. Für seine voraussichtlich etwa 250 zumeist illustren Gäste hat Jeff Bezos zwischen dem 24. und 26. Juni nicht nur die fünf exklusivsten Hotels der Lagunenstadt Venedig vollständig buchen lassen, sondern sich auch einen Teil der Flotte der privaten Wassertaxis reservieren lassen.
In Venedig munkeln einige, dass für die Hochzeitsgesellschaft zeitweise sogar der weltberühmte Markusplatz für Einheimische und andere Normalsterbliche vorübergehend abgeriegelt werden soll. Die geladenen Stargäste könnten in diesem Fall, ohne störende Touristen, grandiose Selfies schießen.
Erwartet werden zur Hochzeit unter anderem Microsoft-Gründer Bill Gates, Schauspieler Leonardo DiCaprio, die jordanische Königin Rania, die Reality-Sippe von Kim Kardashian, Trump-Tochter Ivanka, der alternde Rockstar Mick Jagger und Pop-Sängerin Katy Perry. Mit letzterer hatte sich Bezos' Braut Lauren Sánchez, eine ehemalige Nachrichtensprecherin und Hubschrauberpilotin, im vergangenen April zusammen mit drei weiteren Promi-Frauen in einer Rakete von Bezos’ Raumfahrtfirma Blue Origin in den Orbit schießen lassen. US-Sängerin Lady Gaga soll bei der venezianischen Party dem Paar ein Hochzeitsständchen darbieten, heißt es ferner.
Die geplante megalomane Hochzeit der Super-Reichen aus den USA gibt in Venedig schon länger zu reden. Ein nicht geringer Teil der einheimischen Bevölkerung stört sich am „Ausverkauf“ ihrer Stadt, und ein Bürgerkomitee mit dem Namen „No Space for Bezos“ (zu Deutsch in etwa „Kein Raum für Bezos“) hat dem Event den Kampf angesagt.
In den vergangenen Tagen wurde die Lagunenstadt mit Anti-Bezos-Flugblättern regelrecht tapeziert: „Venedig steht nicht zum Verkauf“, stand darauf zu lesen. Letzte Woche haben außerdem einige Aktivisten ein Transparent mit einem roten Kreuz über dem Namen des Milliardärs am Glockenturm der Kirche San Giorgio auf der gleichnamigen Insel gegenüber der Altstadt entrollt.
Der Vorwurf der Hochzeitsgegner lautet, dass es nicht angehen könne, dass den Reichen und Berühmten in Venedig der rote Teppich ausgerollt werde, während die einheimische Bevölkerung seit Jahren unter den Folgen des Overtourism, also Massentourismus zu leiden hätte. Insbesondere Wohnungsmieten und Häuserpreise sollen sich extrem verteuert haben.
Außerdem, betont ein Sprecher des Anti-Hochzeit-Komitees, handle es sich bei Jeff Bezos um „ein Symbol des Digital-Kapitalismus, der Ausbeutung und der Steueroptimierung“. Auf Instagram schrieb die Gruppe, man habe nicht vor, „die Krümel zusammenzuklauben, die vom Tisch eines Milliardärs fallen“.
Die Vertreter von „No Space for Bezos“ versichern zwar, dass ihre Proteste am Tag der Hochzeit gewaltfrei ausfallen werden. Allerdings haben sich dem Komitee auch zahlreiche militante Gruppen angeschlossen, die jahrelange Erfahrungen mit passivem Widerstand gesammelt haben: Etwa die Bewegung „No Grandi Navi“ („Keine großen Schiffe“), die sich gegen die Kreuzfahrtschiffe in der Lagune wehrt, oder Vertreter der früheren „No-Mose“-Bewegung, also der Gegner des Hochwasserschutz-Systems Mose.
„Wir werden dem Hochzeitspaar den Zugang zur Kirche versperren – auf dem Wasser mit unseren Booten und auf dem Land mit unseren Körpern. Und wir werden auch jede Sperrzone durchbrechen, falls solche eingerichtet werden sollten“, betonte Alice Bazzoli vom Anti-Bezos-Komitee gegenüber dem „Corriere della Sera“.
Das klingt ziemlich entschlossen und wenig kompromissbereit – und tatsächlich sah sich Venedigs Stadtpräsident Luigi Brugnaro bereits zu einigen Richtigstellungen genötigt: Es handle sich um eine „private Hochzeitsfeier“, die für die übrigen Besucher Venedigs und für die Bewohner keine Einschränkungen zur Folge hätte, betont Brugnaro. Der parteilose Bürgermeister, der einer Mitte-Rechts-Koalition vorsteht, freut sich seit Langem über die Millionen-Einnahmen und die Publicity für die Stadt wegen der Hochzeit.
Auch der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia von der rechtspopulistischen Lega, findet die Proteste gegen Bezos „inakzeptabel und eine einzige Schande“: Er wolle, dass der Milliardär und seine künftige Frau in Venedig „mit offenen Armen empfangen werden“, erklärte Zaia.