Von 20. November an organisieren Ehrenamtliche im Osten wieder eine Suppenküche für Bedürftige. Für die Bedürftigen bietet die Suppenküche nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch etwas zum Anziehen.

Gaisburg - Im Saal der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde in der Schurwaldstraße sitzen 28 Männer und Frauen, die anderen Menschen im Stuttgarter Osten tatkräftig helfen möchten – mit Suppen und Eintöpfen. Sie werden ab dem Buß- und Bettag am 20. November einmal wöchentlich Bedürftige verpflegen. Die Diakonin Sylvia Grosser der evangelischen Petrusgemeinde beschreibt den Helfern ihre künftige Klientel so: „Es sind Menschen, die im Leben meist zu kurz kommen.“ Das seien Rentner, aber auch solche, die von Hartz IV oder der Grundsicherung leben müssten.

 

Wöchentlich bis zu 90 Bedürftige

Vor rund 20 Jahren hat die erste Suppenküche der Petrusgemeinde stattgefunden – erst in der Kirche, dann im Gemeindehaus. Doch weil das aus Brandschutzgründen geschlossen ist, weicht das Team der Suppenküche in diesem Jahr erstmals auf den Saal der katholischen Herz-Jesu-Kirche aus. Das hat auch den Vorteil, dass sie mehr Menschen verpflegen kann. „Hier passen etwa 150 Menschen rein“, sagt Diakonin Grosser. In den vergangenen Jahren kamen wöchentlich bis zu 90 Bedürftige, um eine warme Mahlzeit zu bekommen. „Am beliebtesten ist die Gulaschsuppe wegen des hohen Fleischanteils“, erzählt Grosser. Ansonsten kochen die Helfer des Küchenteams beispielsweise Maultaschen-, Linsen und Erbsensuppe im Wechsel in großen Töpfen. Grosser schätzt, dass sie jede Woche 80 Liter Suppe zubereiten und ausschenken. „Das Tolle an der Suppenküche ist natürlich, wenn die Suppe auf dem Tisch steht“, sagt die Diakonin.

Den Helfern ist der Kontakt wichtig

Doch genauso viel Mühe gebe sich das Team, den Gästen bei Klaviermusik eine schöne Atmosphäre zu bieten. „Die Helfer servieren die Suppe von vorne nach hinten und den Nachtisch in umgekehrter Richtung.“ Gerade bei so etwas sei ihre Klientel empfindlich. „Auch durch den Richtungswechsel zeigen wir Ihnen: ‚Du bist mir wichtig.’“ Seit einigen Jahren begrüßen die Ehrenamtlichen jeden Gast an der Tür. „Früher hetzten alle rein. Seit wir ihnen die Hand geben, gehen sie langsamer und es ist entspannter.“ Toll sei auch, dass die Helfer sich für die Bedürftigen interessierten. „Ich finde es schön, dass Ihr Euch zu ihnen setzt und mit Ihnen sprecht“, sagt Grosser.

Bevor es Suppe gibt, öffnet die Kleiderkammer

Jutta Belser kennt die Suppenküche bisher nur aus Erzählungen. Nun möchte sie auch mithelfen und hat sich zum Servieren und Tellerspülen eingetragen. „Ich möchte gerne den Bedürftigen etwas geben“, sagt die Krankenschwester. Sie ist schon gespannt darauf, wer kommt. Sie hat sich auch deshalb als Serviererin eingetragen, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Wolfgang Ziegler bleibt eher im Hintergrund. Denn er und zwei bis drei andere Helfer kochen die Suppe, die Belser und die anderen ausschenken. Wenn das Essen beendet ist, lugen einige der Gäste durch die Küchentür. „Sie bedanken sich dann.“ Wenn noch etwas übrig ist, geben er und die anderen Ehrenamtlichen den Bedürftigen Suppe für den nächsten Tag mit. „Ich engagiere mich hier, weil es mir gut geht und ich so anderen etwas geben kann.“ Er ist schon seit 20 Jahren dabei und hat erfahren, dass viele der Gäste nicht selbst verschuldet in Not geraten sind.

Mehr als nur Suppe im Angebot

Für die Bedürftigen bietet die Suppenküche nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch etwas zum Anziehen. Denn eine halbe Stunde bevor es Suppe gibt, öffnet die Kleiderkammer. „Wir sammeln in der Gemeinde Kleider und geben sie hier aus“, sagt Marina Tietke, die Meßnerin der Petrusgemeinde. Wer möchte, kann etwas anprobieren. Wer Seife und Shampoo braucht, bekommt es von Tietke. Die Kleiderausgabe nähmen viele ältere Menschen in Anspruch. „Es macht mir eine große Freude, hier Bedürftigen zu helfen.“ Durch die Bestätigung bekämen sie und andere auch etwas zurück. Dass es den Gästen gefallen hat, merken Diakonin Grosser und die Ehrenamtlichen auch daran, dass manche danach noch etwas bleiben – zum Singen. „Wir haben nämlich einige sehr sangesfreudige Gäste“, sagt Diakonin Grosser.