David Leichtle hat sich in der aktuellen Staffel der Survival-Show „7 vs. Wild“ 14 Tage durch den Dschungel geschlagen. Der Schwabe verrät, worauf es bei diesen Abenteuern ankommt.
Wenn David Leichtle brennende Birkenrinde in der Hand hält, kommt er ins Schwärmen, dann ist der Schwabe in seinem Survival-Element. „Birkenrinde ist durch das Harz, die ätherischen Öle und ihre Oberfläche sehr gut zum Feuer machen“, sagt der 34-Jährige, nachdem er mit seinem Taschenmesser an einem Feuerstahl Funken erzeugt und damit auf einem Stück Birkenrinde ein kleines Feuer entfacht hat. Hier in seinem Waldstück, das er von der Stadt Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) gepachtet hat, bietet er am Fuße der Schwäbischen Alb seit Jahren Survival-Kurse an.
Deshalb gehörte Leichtle in der aktuellen Staffel der Survival-Show „7 vs. Wild“ neben dem Karlsruher Joe Vogel zu den beiden Experten, die in der Gruppe aus insgesamt sieben Teilnehmern die Führungsrolle übernommen hatten. Zwei Wochen wurden die Sieben, darunter auch Influencer, im Amazonas ausgesetzt. Alle haben die Zeit überstanden ohne den Notknopf zum vorzeitigen Ausstieg zu drücken. „Es war schon hart und anstrengend, aber es gab nie Streit, wir hatten ein gutes Gruppengefühl“, erzählt Leichtle.
Vier Survival-Grundbedürfnisse: „Feuer, Wasser, Nahrung, Schutz“
Viele Zuschauende hätten oft ein falsches Bild davon, wie der Tag in der Wildnis abläuft, sagt er. „70 Prozent der Zeit verbringt man mit rumsitzen und rumliegen, um Energie zu sparen“, sagt Leichtle. Man habe im Überlebensmodus einfach nicht die Kraft, viele Dinge zu unternehmen. Diese Erfahrung hatte der Schwabe zuvor auch in einem anderen Survival-Format gemacht: Vor zwei Jahren hatte Leichtle bei „Alone“ mitgemacht – mehr als 60 Tage ausgesetzt auf der kanadischen Insel Vancouver Island. Ohne Mitstreiter, ganz auf sich allein gestellt.
„In den ersten 30 Tagen war es noch Abenteuer mit Jagen und Fischen, die restliche Zeit aber ging es um Selbstfindung“, sagt Leichtle, „das Schwierigste war die Langeweile.“ Der Knackpunkt sei am Ende die Psyche, erklärt er: „Wie stabil bist du, wie gehst du mit Problemen um?“ Das sei auch für die Zeit im Amazonas bei „7 vs. Wild“ entscheidend gewesen. „Feuer, Wasser, Nahrung, Schutz“ – das seien die vier Grundbedürfnisse, auf die es ankommt: „Und positiv bleiben, dann klappt es.“
Für die Bundeswehr zur Friedenssicherung in Mali stationiert
In den Survival-Bereich sei er im Laufe seines Lebens „reingerutscht“, sagt der ausgebildete Land-und Baumaschinenmechaniker. „Im Herzen bin ich Abenteurer“, so Leichtle. Bereits in der Kindheit gab es erste Anzeichen für seinen weiteren Weg: „Wir haben immer Lager im Wald gebaut – und als meine Kumpels angefangen haben zu zocken, bin ich weiter im Wald rumgerannt“, erzählt der 34-Jährige. Als er mal einen Pfeil und Bogen mit eingebautem Speer präsentierte, soll seine Mutter sinngemäß gemeint haben: „David, ich glaube, du bist in der falschen Zeit geboren.“
David Leichtle in seinem gepachteten Waldstück in Schelklingen im Alb-Donau-Kreis. Foto: STZN/Dürr
Mit der Volljährigkeit unternahm er die ersten großen Motorradtouren durch Europa, mit 21 ging es zur Bundeswehr: „Ich wollte was erleben.“ Neun Jahre diente er als Gebirgsjäger, ein Jahr davon war er für UN-Einsätze zur Friedenssicherung in Mali stationiert. „Bei der Bundeswehr lernst du, die Arschbacken zusammenzukneifen“, sagt er. Die neun Jahre seien sowohl für das Mentale als auch für seine Fitness „goldwert“ gewesen.
„Wertschätzung für den vollen Kühlschrank und das warme Bett“
Im Nebenjob hat er als Survival-Trainer gearbeitet. Eines Tages sind auch die Produzenten von „7 vs. Wild“ auf den Schwaben aufmerksam geworden – trotz seiner im Vergleich zu den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer geringen Reichweite in den sozialen Medien. Geld für die reine Teilnahme gab es keins, nur die gedrehten Werbeblöcke wurden bezahlt, sagt Leichtle. Profitiert habe er vor allem von der Werbung für seine Person, die er gut gebrauchen kann. Denn seit seinem Ausscheiden bei der Bundeswehr ist Leichtle als Selbstständiger im Survival-Bereich tätig, nebenher arbeitet er noch als Landschaftsgärtner.
In seine Kurse in Schelklingen kommen Handwerker, Ärzte, Immobilienmakler, Mütter mit ihren Kindern – von Berlin bis nach Wien hat er sich inzwischen einen Namen gemacht. Sein Ziel für die Teilnehmer: „Auch wenn ihr nie wieder rausgeht, nehmt bitte die Wertschätzung für den vollen Kühlschrank und das warme Bett mit.“
Aus der weiten Welt immer wieder gerne zurück in die Heimat
Die Aufzeichnung von „7 vs. Wild“ im Amazonas war bereits im Frühjahr abgedreht – mit der GoPro als ständiger Begleiter, ob beim Angeln, beim Feuermachen oder Einreiben mit Ameisen für den Insektenschutz. Etwa ab Tag sieben sei es auch bei ihm langsam „an die Substanz“ gegangen. „Wir waren nur zwei vom Fach und mussten vor allem am Anfang für die anderen mitarbeiten“, sagt Leichtle. Da wäre bei dem ein oder anderen Teilnehmer mehr Vorbereitung nützlich gewesen. Seit kurzem sind alle Folgen der aktuellen Staffel veröffentlicht (siehe Infokasten).
Leichtle zieht es immer wieder für Abenteuer in die weite Welt – und er kehrt stets mit Freude zurück ins Ländle. „Das hier ist mein Heimathafen“, sagt er und freut sich nach Auslandsaufenthalten „immer am allermeisten auf einen Leberkäs-Wecken.“
Wo „7 vs. Wild“ zu sehen ist
Folgen Die fünfte Staffel von „7 vs. Wild“ kann sowohl bei Amazon Prime Video als auch bei Youtube gestreamt werden. Alle 16 Folgen sind bereits bei Amazon veröffentlicht, bei Youtube erst 13 Folgen.