Susanne Hennig-Wellsow trägt Fred Perry Linke mit verdächtigem Logo

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Die Thüringer Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow bewirbt sich um den Bundesvorsitz ihrer Partei. Und sie ist eine prominente Linke mit einem Faible für Markenkleidung, die in den 90ern gern von Neonazis getragen wurde. Wie passt das zusammen?

Susanne Hennig-Wellsow, Landesvorsitzende von Die Linke Thüringen, hält auf dem Landesparteitag der Linken Thüringen eine Rede. Das Hemd trägt das Logo der Marke Fred Perry. Foto: dpa/Frank May
Susanne Hennig-Wellsow, Landesvorsitzende von Die Linke Thüringen, hält auf dem Landesparteitag der Linken Thüringen eine Rede. Das Hemd trägt das Logo der Marke Fred Perry. Foto: dpa/Frank May

Stuttgart - Dass sich die Zeiten ändern, ist auch am gewandelten Image einer Marke festzustellen. Fred Perry zum Beispiel. Der Engländer war ein begnadeter Tennisspieler, der mehrere Male in den 30er Jahren das Turnier in Wimbledon gewann. Er wurde zum Champion, obwohl er ein Arbeiterkind war, was damals in dieser aristokratisch angehauchten Sportart eine Sensation war. Später entwarf Fred Perry Polohemden und begründete eine Kleidermarke, die bis heute mit dem Image des Underdogs spielt. In den 60ern trugen englische Mods die Jacken mit dem Lorbeerkranz-Logo. Und schließlich, in den 90ern, deutsche Neonazis, nicht selten aus den neuen Bundesländern.

Hipster und Hardcore

Die Firma Fred Perry hat sich stets gegen diese Vereinnahmung durch Rechtsradikale gewehrt. Mit Erfolg. Fred Perry tragen nun auch Berliner Hipster und tendenziell links gestimmte Freunde von Hardcore, Ska und Punk. Die Thüringer Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow ist ebenfalls und unübersehbar ein Fan dieser Marke, die 42-Jährige ist gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern, war Leistungssportlerin und bewirbt sich gerade um den Bundesvorsitz ihrer Partei.

Der verweigerte Handschlag

Bundesweite Bekanntheit erlangte Hennig-Wellsow nach der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten. Dabei hatte sie als Vorsitzende der größten Landtagsfraktion das Recht, als Erste zu gratulieren. Sie verweigerte Kemmerich nicht nur den üblichen Handschlag, sie warf ihm auch, mit einer knappen Verbeugung, den für den unterlegenen Gegenkandidaten der Linken, Bodo Ramelow, vorgesehenen Blumenstrauß vor die Füße. Warum? Kemmerichs Wahl zum Ministerpräsidenten mit Stimmen von AfD, CDU und FDP löste die Regierungskrise in Thüringen 2020 aus. Der Vorgang wurde in der Öffentlichkeit häufig als „Tabubruch“ und als erste Kooperation bürgerlicher Parteien mit Rechtsextremen seit der Weimarer Republik eingeschätzt.

Herkunft und Historie

Susanne Hennig-Wellsow hat sich klar positioniert, zeigt Geschmack und Stilbewusstsein. Und dennoch: Eine prominente Linke aus dem Osten, die Markenware mit ambivalenter Historie bevorzugt! Überhaupt: Mode! Marken! Alles igitt. Die Kritik von westdeutschen Tugendwächtern ließ nicht lange auf sich warten. Dass Fred Perry schon immer auch die Lieblingsklamotten jener Arbeiterkinder waren, die ihre Herkunft nicht verleugnen, wird dabei gern übersehen. Und dass Fred Perry Jude war.




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