Denn: Eine Zeit lang war der 19-Jährige auch auf dem Kleinfeld unter dem Hallendach am Ball – und zwar durchaus erfolgreich. „Ich wollte erstmal beides probieren“, blickt er auf die Anfänge zurück. Zu Beginn des Jahres entschied er, sich auf Fußball zu fokussieren und Futsal hinten anzustellen. Doch warum?
Eray Cilhüseyin kommt in der Jugend zur SV Böblingen
Eray Cilhüseyin wuchs in Stuttgart auf, wo er immer noch wohnt. Er spielte als Kind zunächst in seinem Stadtbezirk beim TSV Weilimdorf – im Futsal ein Spitzenverein –, bestritt dort natürlich auch schon Hallenturniere. In der C-Jugend wechselte er zur SG Sonnenhof Großaspach, dann von dort aus in die U15 der SV Böblingen. 2022, zum Ende seiner U17-Zeit, habe ihn Coach Daniel Fredel angefragt, ob er am Futsal-Stützpunkt in Stuttgart mittrainieren möchte. Und er wollte.
Eigentlich sei das nur als Extraeinheit nebenher gedacht gewesen, erinnert sich Eray Cilhüseyin, der sagt: „Zum Futsal bin ich aus Spaß und aus Trainingsgründen gekommen.“ Dann nahm er mit der Auswahl aber am jährlichen Sichtungsturnier in Duisburg teil, und der DFB lud ihn daraufhin zu Lehrgängen nach Frankfurt ein. Bei einem Turnier mit der U19-Nationalmannschaft in Kroatien bestritt er unter Co-Trainer Daniel Fredel, selbst ehemaliger Nationalspieler, Länderspiele gegen Polen, Finnland und Tschechien. So schaffte er es schon früh sehr weit. Was folgte, war eine Anfrage des TSV Weilimdorf. Der Champions-League-Teilnehmer ist inzwischen vierfacher deutscher Futsal-Meister.
Eray Cilhüseyin nahm die Chance wahr. Er schloss sich erstmals einem Futsalteam an und stand 2024/25 im TSV-Aufgebot. Ihm stellte sich die Frage: Wie mache ich das jetzt mit Fußball und Futsal? Hinzu kam das Maschinenbau-Studium. Doch eine Verletzung stoppte ihn ohnehin schon, bevor es so richtig losging: Der Stuttgarter zog sich einen Syndesmoseriss zu, musste einige Monate aussetzen und erstmal wieder fit werden. Danach sei ihm der Wiedereinstieg etwas schwergefallen. „Ich konnte meinen Fokus nicht auf zwei sportliche Richtungen gleichzeitig legen“, sagt er. Der Kicker musste abwägen: Was ist ihm wichtiger?
Primär die Verletzung und zudem der zeitliche Aufwand bewogen ihn dazu, mit dem Futsal aufzuhören. „Mir hat es doch mehr gefallen, auf dem Großfeld zu spielen“, gibt der Außenspieler zudem preis, der von klein auf einen Draht zum Fußball hatte. Futsal sah er eher als einen Zusatz an.
Dass er nicht für den TSV Weilimdorf antreten konnte, fand er „auf jeden Fall schade. Ich hätte mich gefreut, die Erfahrung mitzunehmen, mal Champions League zu spielen“, sagt Eray Cilhüseyin, der seit diesem Semester nun Mathematik und Sport auf Lehramt studiert. Futsal bezeichnet er als „ein ganz anderes Spiel als Fußball. Da brauchst du ganz andere Qualitäten.“ Der Hallensport sei sehr taktisch geprägt, äußerst schnell, dazu gebe es wenige Ruhepausen. Rückblickend meint der SVB-Akteur: „Ich finde, dass ich von beiden Sportarten viel in die andere mitnehmen konnte.“ Er bezieht sich etwa auf das Antizipieren beim Futsal – sprich: schon in diesem Moment wissen, welchen Schritt der Gegner als nächstes unternimmt.
Eine Qualität, die er bei der SV Böblingen auf den Flügelpositionen einbringen will. Dort fühlt er sich zu Hause. In der Vorsaison, in der er auch noch A-Jugendlicher war, kam er bereits bei den Aktiven zum Einsatz. In dieser Runde kommt er bislang auf acht Partien in der Landesliga. Beim 7:0-Kantersieg gegen die TSVgg Plattenhardt netzte er traumhaft aus rund 17 Metern ein. Es war zugleich sein erstes Saisontor in einem Punktspiel, nachdem er bereits im WFV-Pokal getroffen hatte.
Seine Ziele – mit der SV Böblingen und persönlich
Mit dem Team und dem Coach zeigt sich Eray Cilhüseyin sehr zufrieden. Er weiß um sein bisheriges Verletzungspech: „Das hält mich leider ein bisschen auf.“ Doch zurzeit ist er fit. Er wolle seine „beste Leistung abrufen und der Mannschaft helfen, die Ziele zu erreichen, die wir uns vor der Saison gesetzt haben“. Auch er selbst wolle sich stetig weiterentwickeln und künftig so hoch spielen, wie es eben möglich ist.
Die Option Futsal besteht zumindest perspektivisch weiterhin. „Man hält sich ja irgendwie immer alle Türen offen“, sagt der Student. Doch klar ist: Sein Hauptfokus heißt Fußball. Auch wenn die SV Böblingen nicht in der Champions League antritt.