SV Fellbach: Waldbaden Der Sprung ins „Badebecken“ voller Bäume

Kleine Kräftigungsübungen mit Blick ins beruhigende Grün der Bäume. Foto: Susanne Degel

Waldbaden kommt ursprünglich aus Japan, findet aber auch hierzulande immer mehr Anhänger. Auch der SV Fellbach bietet Kurse an.

„Waldbaden? Gibt es denn hier oben auf dem Kappelberg einen See?“ Die freudige Aussicht auf ein Bad im kalten Nass an ungeahnter Stelle schien dem jungen Mann zu gefallen. Doch dann klärte ihn Susan Bense, die Leiterin des Sportzentrums Loop des SV Fellbach, auf: Nein, Waldbaden habe nichts mit Schwimmen in einem See oder Bad zu tun. Auch wenn es durchaus ähnlich positive Effekte auf den Körper habe. Er könne sich ja zu einem der nächsten Workshops im Herbst anmelden und dann Genaueres erfahren. Der junge Mann, nicht mehr ganz so begeistert, versprach aber immerhin, es sich zu überlegen.

 

Drei Stunden vergehen wie im Flug

Nicht nur überlegt, sondern gleich angemeldet und teilgenommen haben beim Waldbaden, dem Sprung ins Badebecken voller Bäume, am vergangenen Mittwoch auf dem Kappelberg sechs Frauen. Und die waren nach fast drei Stunden, die wie im Flug vergingen, ganz begeistert von der neuen Erfahrung. „Eine absolute Bereicherung“, befand Simone, „total schön und entschleunigend“, sagte Nataly. Und Silvia hat der Wald einfach „richtig zur Ruhe gebracht“.

Zweimal in der Woche Waldbaden

Waldbaden, das ist mehr als nur ein Spaziergang oder eine lange Wanderung. Es gibt kein Ziel, keine Distanz, keine Leistung. Wichtiger ist es, den Wald zwei oder mehr Stunden lang bewusst wahrzunehmen. „Am besten natürlich regelmäßig zweimal in der Woche“, sagt Susan Bense, die nicht nur Yogalehrerin beim SV Fellbach ist, sondern nun eben auch ausgewiesene „Waldbademeisterin“.

Shinrin Yoku, wörtlich übersetzt Waldbaden, stammt aus Japan und ist dort längst eine anerkannte Therapieform. Der Wald als Ruheort und Gegenpol zur Alltagshektik verspricht viele positive und auch wissenschaftlich belegte Effekte. „Der Aufenthalt im Wald reduziert unter anderem Stress, verbessert die Stimmung, senkt den Blutdruck, verbessert die Schlafqualität, stärkt das Immunsystem und aktiviert sogar mehr Killerzellen, die gegen Krebs oder Viren kämpfen“, sagt Susan Bense. Wissenschaftliche Studien belegen dies. Deshalb bekommt man Waldbaden in Japan (Baden wird dort oft mit Heilen gleichgesetzt), wo es bereits 70 solcher Heilwälder gibt, sogar verschrieben. Hierzulande entdecken auch immer mehr Menschen das Waldbaden für sich. Auch als Form der Regeneration nach sportlichen Leistungen oder für die mentale Gesundheit.

Es gibt nicht den richtigen oder falschen Weg

Beim Waldbaden gibt es übrigens keinen richtigen oder falschen Weg. Der Kopf hat Sendepause, die Instinkte übernehmen. Der Naturphilosoph John Muir (1838-1914) hat es seinerzeit schon treffend beschrieben. „In den Wald gehe ich, um meinen Verstand zu verlieren und meine Seele zu finden.“

Nicht jedem fällt es freilich leicht, einfach mal nur zu sein. „Gerade deshalb lohnt sich Waldbaden“, sagt Susan Bense, die für die Teilnehmerinnen während des „Rundgangs“ viele kleine Aufgaben parat hatte: Atemübungen, eine kleine Kräftigungseinheit oder das bewusste Langsamgehen auf einem bestimmten Streckenabschnitt.

Ob der eingangs erwähnte junge Mann im Herbst bei einem Workshop dabei sein wird, ist offen. Die sechs Teilnehmerinnen am Mittwoch werden auf alle Fälle wieder mitmachen. „Ich habe zwar gebraucht, um runter- und reinzukommen. Aber dann war es eine tolle Erfahrung“, sagt Diana.

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