SV Leonberg/Eltingen Geschäftsführer Carsten Nestele räumt seinen Stuhl
Die Uhr tickt: Am 30. September ist der letzte Arbeitstag für Carsten Nestele beim SV Leonberg/Eltingen. Sein Abschied ist eine Familienentscheidung.
Die Uhr tickt: Am 30. September ist der letzte Arbeitstag für Carsten Nestele beim SV Leonberg/Eltingen. Sein Abschied ist eine Familienentscheidung.
Als Carsten Nestele am 1. September 2023 das Amt des Geschäftsführers antrat, stampfte der große Vereinsdampfer des SV Leonberg/Eltingen noch durch reichlich raues Gewässer. Die Corona-Zeit musste aufgearbeitet und ein Entschuldungsplan aufgestellt werden, dabei stand auch die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages an – also allesamt knifflige Aufgaben, die ein Vereinsmanager lieber nur aus Fachbüchern denn aus der gelebten Realität kennt.
Der heute 42-Jährige hat auf der Kommandobrücke all die Untiefen und Klippen umschifft, mittlerweile befindet sich der Verein mit seinen mehr als 5000 Mitgliedern auf sicherem Kurs – auch das länger kränkelnde, vereinseigene Fitnessstudio Sportwelt liefert zufriedenstellende Zahlen. Und nun hat Carsten Nestele seine Kündigung zum 30. September abgegeben.
„Eigentlich ist es schade, jetzt zu gehen“, sagt der Vereinsmanager, „und damit nicht die Früchte meiner Arbeit zu ernten. Mittlerweile ist es ein ganz anderes Arbeiten als während meiner Anfangszeit vor drei Jahren.“ Damit liegt nahe: Carsten Nestele scheidet nicht im Bösen aus seinem Büro in Eltingen, er selbst bedauert, dass es aufgrund seiner Lebensumstände keine Zukunft für ihn auf dem Stuhl des Geschäftsführers mehr gab. „Es war keine leichte Entscheidung“, betont er.
Es war eine Abwägung zwischen verschiedenen Aufgaben. Denen als Vereinsmanager, denen als Mitglied der Tischtennis-Abteilung der SV Böblingen und denen als Familienvater mit drei Kindern. „Der Job in Leonberg brachte es mit sich, viele Abendtermine besuchen zu müssen“, erzählt Nestele, zwei- bis dreimal sei er im Schnitt abends beim SV gebunden gewesen – auch als Tischtennis-Spieler war er stets abends in seiner Freizeit in Böblingen gefordert. „Dabei kam die Familie aus meiner Sicht zu kurz“, sagt der scheidende Geschäftsführer, „ich möchte am Abend mehr Zeit für meine Kinder haben.“ 18 Jahre verbrachte Nestele als Clubmanager, vor dem Job beim SV Leonberg/Eltingen war er stellvertretender Geschäftsführer der SV Böblingen.
Entweder Geschäftsführer oder Spieler und Funktionär im Tischtennis – so lautete die Fragestellung, die erörtert wurde. Dabei war Nestele die Rolle als aktiver Sportler an der Platte in Böblingen herzensnäher als die des Schreibtischtäters in Eltingen. Denn als Aktiver gehört der Mann mit seinen 42 Jahren noch nicht aufs Altenteil – im November sammelte er zwei Titel bei den Bezirksmeisterschaften ein. Nestele triumphierte sowohl im Einzel als auch im Doppel des B-Wettbewerbs. „Über den Einzel-Titel habe ich mich sehr gefreut“, erzählte der doppelte Meister damals, „der hat mir noch gefehlt.“ Im Doppel sowie im Mixed war Nestele schon mal Bezirks-Champion geworden.
Von Oktober an sitzt Carsten Nestele wieder hinter einem Schreibtisch und vor einem Bildschirm – er übernimmt bei der Stadt Böblingen eine Aufgabe in der Verwaltung in den Bereichen Rechnungswesen und Organisation. Damit entfallen auch die täglichen Fahrten zwischen Böblingen und Leonberg, die auch einiges an Zeit schluckten. Zeit, die nun in die Familie investiert wird. Sportmanagement steht nicht mehr auf der beruflichen To-do-Liste. „Das habe ich lange genug gemacht, nun beginnt eine neue Zeitrechnung“, sagt der 42-Jährige.