SV Leonberg/Eltingen Handball Der neue Trainer ist gefunden – und der Sportliche Leiter tritt vorzeitig ab

, aktualisiert am 17.11.2025 - 12:34 Uhr
Der Nachfolger für Interimstrainer Rafet Oral (linkes Bild) beim SV Leonberg/Eltingen ist gefunden, der Einstiegszeitpunkt aber noch offen. Der Sportliche Leiter Werner Neuffer (rechtes Bild, links) verabschiedet sich derweil mit sofortiger Wirkung von Handball-Chef Matthias Groß. Foto: Andreas Gorr

Die Handballer des SV Leonberg/Eltingen kassieren eine peinliche 30:34-Heimpleite gegen Schlusslicht TSV Altensteig. Ihr neuer Trainer steht nun fest, der Sportliche Leiter hört auf.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Kurz könnte man die Oberliga-Saison der Handballer des SV Leonberg/Eltingen so zusammenfassen: Es ist gut, wenn es auswärts gegen ein Team aus dem oberen Tabellendrittel wie TSV Schmiden oder TV Weilstetten geht, es ist von Nachteil, wenn im Leonberger Sportzentrum ein Kellerkind wie TuS Schutterwald auftaucht.

 

Quod erat demonstrandum, wer kennt diese Worte nicht aus dem Mathe-Unterricht? Was zu beweisen war: Am Samstag war Schlusslicht TSV Altensteig zu Gast unterm Engelberg, die Mannschaft um Spielführer Christoph Hönig unterlag nach weitgehend schwacher Darbietung mit 30:34 (13:17). „Wenn eine Mannschaft nur 80 Prozent ihres Leistungsvermögens abliefert“, sagte Interimstrainer Rafet Oral fatalistisch, „gewinnt sie in dieser Liga kein Spiel.“

Ladislav Goga wird neuer Trainer des SV Leonberg/Eltingen – aber wann?

Abteilungschef Matthias Groß und Vize Stefan Schuster konnten im Anschluss immerhin eine positive Botschaft bezüglich einer wichtigen Personalie verbreiten. Ladislav Goga wird die Handballer des Sportvereins im Sommer als Cheftrainer übernehmen. „Wir haben den Vertrag vergangenen Donnerstag fix gemacht“, sagte Groß. Goga ist kein Unbekannter im Leonberger Handball-Universum, der 47-Jährige war einst unter Trainer Frank Ziehfreund Spieler unterm Engelberg. Aktuell trainiert Ladislav Goga die A-Junioren von Jano Filder (Jugend-Akademie Neuhausen/Ostfildern), die in der Regionalliga antreten. Auch die zweite Männer-Mannschaft der HSG Ostfildern hört auf sein Kommando.

Die Angreifer des TSV Altensteig fanden immer wieder eine Lücke, SV-Torhüter Max Schneider war meist machtlos. Foto: Andreas Gorr

Allerdings würden es die SV-Bosse gerne sehen, wenn Goga bereits im Januar mit seiner Arbeit in Leonberg beginnen könnte, Interimscoach Rafet Oral ist bekanntlich über jeden Tag früher froh, an dem er sich wieder von seinem Posten zurückziehen könnte. „Wir reden mit den Verantwortlichen in Ostfildern, ob sie Ladislav schon früher aus seinem Vertrag entlassen würden“, sagte Groß.  Unabhängig davon wird sich Rafet Oral um die Vorbereitung aufs nächste Spiel (es geht auswärts zum Viertletztenb SG H2Ku Herrenberg) kümmern – es gibt dabei einiges aufzuarbeiten.

Denn die SV-Handballer fanden am Samstag nie wirklich in die Partie gegen den TSV Altensteig und den richtigen Zugriff gegen die physisch starke Offensive der Gäste. Es galten jedoch leicht mildernde Umstände – der torsichere Rechtsaußen Felix Wiederhöft fehlte wegen einer Schulterverletzung, Niklas Bolkart war wegen Fiebers unpässlich und Rückraumakteur Yannik Oral hatte wegen Krankheit die gesamte Woche nicht trainieren können. „Das ist eine Erklärung, aber ich lasse das nicht als Ausrede gelten“, betonte Rafet Oral.

Erstes Tor des SV Leonberg/Eltingen gegen den TSV Altensteig nach 6:44 Minuten

Fakt ist: Schon die ersten zehn Minuten ließen erahnen, wo die Reise für die Hausherren hinführen würde – vielleicht nicht gleich in die Handball-Hölle, so doch ins Fegefeuer. Der TSV Altensteig führte bereits 4:0, als Roman Salathe nach peinlich langen 6:44 Minuten(!) den ersten Treffer für Leonberg erzielte. Danach berappelte sich die Mannschaft um Christoph Hönig, sie kämpfte sich auf 9:10 (21.) sowie auf 12:13 (25.) heran – nur um dann erneut in ein Leistungsloch zu plumpsen und nicht den mental erbaulichen Ausgleich zu erzwingen. „Wir haben uns mit zu vielen technischen Fehlern und Fehlwürfen selbst geschlagen“, fand Spielführer Hönig, „in unserem Spiel war immer irgendwie der Wurm drin.“

Im Altensteiger Sandwich: Der Leonberger Yannik Oral (Mi.) bleibt in der griffsicheren Deckung des TSV hängen Foto: Andreas Gorr

Nach der Pause waren die Optimisten unter den Leonberger Handball-Fans spätestens nach Minute 41 (17:23) so selten wie eine Blaue Mauritius im Album eines Briefmarkensammlers. Rafet Oral ließ mit sieben Feldspielern angreifen, doch auch diese taktische Maßnahme war so vergebens wie einem Pferd das Klavier spielen beizubringen. So durften die TSV-Akteure Gabor Knapp (6 Tore), Tomislav Sudaric (6) und Tim Schweizer (5) munter aufs Leonberger Tor werfen – auch wenn Goalie Joshua Denk einige Bälle entschärfte, die Gastgeber standen weit vor Spielschluss auf verlorenem Posten. „Unsere Abwehr war zu löchrig“, befand Kapitän Hönig, „ich bin etwas sprachlos: Wir schlagen auswärts die vorderen Teams und verlieren zu Hause gegen die hinteren.“

Eine Erklärung für diesen bemerkenswerten Umstand fand am Abend niemand im SV-Lager. Dennoch hatten die Verantwortlichen ja noch etwas zu verkünden. Bevor der neue Trainer bekannt gegeben wurde, erklärte Werner Neuffer seinen sofortigen Rücktritt als Sportlicher Leiter. Er war zehn Jahre im Amt, eigentlich wollte er erst am 30. Juni 2026 abdanken. „Es wäre unlogisch, wenn ich ein Team für die neue Saison mit aufbaue“, sagte Neuffer, „wenn ich dann nicht mehr dabei bin. Daher lege ich das Amt jetzt nieder, bleibe aber als Fan erhalten.“ Der überraschende Abschied von Trainer Zoran Stavreski Mitte Oktober habe ihn auch zu dieser Entscheidung veranlasst.

SV Leonberg/Eltingen: Schneider, Daub; Oral (8/3), Salathe (7/3), Schreiner (6), Laib (3), Fatnassi (2), Hönig (1), Hönninger (1), Klatte (1), Kutzner (1), Kost, Strkalj, Wanner.

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