SWR 4 Fest in Ludwigsburg Sonnenschein und „Skandal im Sperrbezirk“

Die Spider Murphy Gang ist am Samstag für viele Besucher der Hauptgrund, ins Blühende Barock zu kommen. Foto: Malte Klein
Die Spider Murphy Gang ist am Samstag für viele Besucher der Hauptgrund, ins Blühende Barock zu kommen. Foto: Malte Klein

6000Besucher sind laut SWR am Samstag zum Fest ins Blühende Barock nach Ludwigsburg gekommen. Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der Spider Murphy Gang. Am Sonntag gibt Andrea Berg noch ein Konzert.

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Ludwigsburg - Die Verantwortlichen hatten mit dem Schlimmsten gerechnet und ein 56-seitiges Sicherheitskonzept erarbeitet. Aber das Publikum des zweitägigen SWR4-Festes im Blühenden Barock Ludwigsburg ist ein zivilisiertes. Schlagerstars nicht wirklich zum Anfassen, aber dank Videowänden fast greifbar nah, locken am Wochenende in den Ludwigsburger Schlossgarten.

Warm-up-Party hatten die Organisatoren den Festsamstag überschrieben, und schon die meteorologischen Voraussetzungen haben gepasst. Entgegen sämtlicher Vorhersagen strahlte die Sonne ungetrübt über dem Blühenden Barock. Und das Ticket für das Programm entpuppte sich als wahres Schnäppchen: Günstiger als ein regulärer Eintritt in die Gartenschau erlaubte es den Besuchern nicht nur den Zugang zu sämtlichen Angeboten im oberen Schlossgarten, auch die erst am Freitag begonnene Kürbisausstellung nebst Märchengarten war im Preis mit drin. Ein wahrer Schnäppchentag, der das überwiegend reifere Publikum aber nicht in Massen lockte.

Zwar zählte der SWR über den Tag 6000 Besucher, aber die verteilten sich großflächig im Gelände. „Kommen Sie ruhig, es kostet nichts“, warb ein Mitarbeiter für kostenfreie Fotosouvenirs. Vor dem großformatigen Bildhintergrund eines Tonstudios geschwind einen Kopfhörer aufgesetzt, ein Mikrofon in die Hand, lächeln in die Kamera – und aus dem Drucker kam für ein Pärchen der täuschend echt wirkende Beweis für einen wenige Sekunden währenden Reportereinsatz. Beliebt waren auch Erinnerungsfotos im Schwarzwald mit Darstellern der Fernsehserie „Die Fallers“ – entstanden mit Computertechnik. Ganz echt war dafür der in der Dose angebotene Schwarzwälder Kuchen, der an einem der 70 Stände im Markt der Möglichkeiten angepriesen wurde.

Spider Murphy Gang ist der Publikumsmagnet

Ab und an plumpsten dort Kastanien auf die Besucher als Zeichen des schwindenden Sommers. Was viele andere nicht davon abhielt, sich campingartig einzurichten: auf ausgebreiteten Picknickdecken ließ es sich in den saftig grünen Wiesen bestens aushalten – mit mannigfaltiger Unterhaltung ringsum. Etwa Rezepttipps von der Kochbühne oder von zwei Männern, die in einem zersägten Trabbi sitzend als lebende Musikbox Wunschlieder mit Gitarre performten. Aus einem mobilen Studio war das aktuelle SWR4-Programm zu hören, das sich aber meist von dem unterschied, was auf der Hauptbühne präsentiert wurde. Nichts gegen die dort aufgebotene Coverband W.I.P.S. oder den DJ Dirk Starke, der auf der Bühne Schlagertitel mixte: kurz vor 20 Uhr zeigte sich, weshalb der Großteil der Besucher angereist war. Als der Moderator Michael Branik ankündigte, die Spider Murphy Gang sei startklar, wuselte alles in Richtung Bühne. „Die Band hat Musikgeschichte geschrieben“, sagte er und pries „die beste deutsche Rock’n’Roll Band an“.

Das Publikum stimmte mit aufbrandendem Applaus zu. Sicher, die bayerische Band, die auf der Bühne bald ins Schwabenalter kommt, spielt nicht mehr in der Urbesetzung. Und neue Titel kamen wohl in den vergangenen Jahrzehnen auch nicht mehr dazu. Aber die Leute wollen eben die vertrauten Titel hören. Und Stimmung machen, das kann die Gang. Wenn der Frontmann Günther Sigl, mittlerweile 67, und Gerhard Gmell alias Barny Murphy, über die Bühnenbretter tanzend hüpfen, hält es auch die im Markt der Möglichkeiten als Best Ager umworbenen Besucher nicht. Sie schwingen die Hüften zum Twist, recken die Hände in Höhe, zeigen sich bei allen Titeln textsicher – und stehen jungem Publikum in nichts nach: Smartphones und Tabletcomputer für Erinnerungsbilder sind auch in der Eltern- und Großelterngeneration üblich geworden.

Eine Stunde lang rockten die Bayern zum „Skandal im Sperrbezirk“ und präsentierten eine fast zwölf Minuten lange Version der „Schickeria“. Mit Humor („Wollt ihr mehr Rock’n’Roll? – Wir spielen eh nix anderes“) war der geplante Auftritt nach einer Stunde vorbei, inklusive „Herzklopfen“ als ruhige Zugabe. Aber bei so einem Festival ist das Zeitkorsett ein enges. Das wird auch an diesem Sonntag nicht anders sein, wenn noch Jürgen Drews, Semino Rossi, die Höhner und Andrea Berg die Bühne entern.




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