SWR-Intendant „Schmerzhafte Einschnitte im Programm“
Weniger Spaß, weniger Advent: Der SWR-Intendant Kai Gniffke schildert die Konsequenzen des neuen Staatsvertrags für sein Haus.
Weniger Spaß, weniger Advent: Der SWR-Intendant Kai Gniffke schildert die Konsequenzen des neuen Staatsvertrags für sein Haus.
Vermeidung von Doppelstrukturen, Pool-Modelle, eingestellte Sendungen – der Intendant des Südwestrundfunks sieht die Reform und die Sparmaßnahmen als nötig, wenngleich auch als ausgereizt an.
Herr Gniffke, welche Konsequenzen wird der neue SWR-Staatsvertrag haben, welcher Art sind die angestrebten Einspareffekte?
Der novellierte Staatsvertrag gibt uns die Möglichkeit, im SWR im Wege der arbeitsteiligen Kooperation vertiefter zusammenzuarbeiten. So können zum Beispiel bisher strukturell bedingte Doppel- und Mehrfacharbeiten noch besser vermieden werden. Nach dem Motto „Einer für Alle“ sollen künftig Themenfelder an einer Stelle für den ganzen SWR gebündelt werden.
Wird es auch Reformen inhaltlicher Art geben, zum Beispiel beim dritten Programm?
Wir haben in den vergangenen Jahren bereits große Reformen am SWR Fernsehen vorgenommen, um Ressourcen zu schonen und Kräfte für das nonlineare Programm freizusetzen. So haben wir beispielsweise die Kultur- und Sportsendungen zusammengelegt, auch die Landesschauen kooperieren miteinander. Innerhalb der ARD haben wir verschiedene Formen der vertieften Kooperation und arbeitsteiligen Zusammenarbeit im Programm etabliert. Dazu gehören auch sogenannte Pool-Lösungen für die Dritten Programme, also Formate ohne starken Regionalbezug, die eine Landesrundfunkanstalt der ARD herstellt und alle anderen nutzen können, etwa bei Verbraucher-, Gesundheits- oder Reisedokus. Neben diesen strukturellen Anpassungen mussten wir auch eine Reihe schmerzhafter Einschnitte vornehmen, darunter die vollständige Einstellung einzelner Sendungen.
Welche Sendungen sind konkret betroffen?
Im Zuge des bereits eingeschlagenen Einspar- und Reformprozesses haben wir im Bereich Fernsehunterhaltung unter anderem die „Mathias Richling Show“, die Sendungen „Advent live“ sowie „Comedy vom Rhein“ aufgegeben, außerdem die Formate „Spätschicht“ und „Ich trage einen großen Namen“. Auch für die Sendung „Eisenbahn-Romantik“ werden ab 2026 keine neuen Folgen mehr produziert. Nicht mehr übertragen werden zudem zukünftig der „Umzug Deutsches Weinlesefest“, „Rhein in Flammen“ sowie das Konstanzer „Seenachtsfest“. Für das Erste werden wir künftig noch drei statt bisher fünf Ausgaben von „Verstehen Sie Spaß?“ pro Jahr beisteuern.
Die Kosten für Personal und Programm steigen ständig, der Rundfunkbeitrag jedoch nicht. Werden diese Maßnahmen ausreichen?
Nein. Die finanzielle Situation ist für uns keineswegs einfach, auch wenn wir das Privileg der Beitragsfinanzierung haben. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, KEF, hat selbst erklärt, dass sie mit ihren Empfehlungen zur Anhebung des Rundfunkbeitrags deutlich unter der Inflation geblieben ist. Daraus resultiert ein fortschreitender Kaufkraftverlust, den wir auffangen müssen. Die letzte Empfehlung der KEF mit einer Anhebung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent entsprach für uns einer jährlichen Steigerung von gerade mal 0,8 Prozent pro Jahr, was von den allgegenwärtigen Kostensteigerungen weit entfernt ist. Diese Anpassung wurde von den Ländern bislang nicht umgesetzt; der Fall liegt bekanntlich in Karlsruhe beim Bundesverfassungsgericht.
Sehen Sie noch Sparpotenziale, die nicht das Programm betreffen?
Nein. Unabhängig von der derzeit ausbleibenden Beitragsanpassung können wir die Kostensteigerungen bereits jetzt nicht mehr auffangen. Wir haben zwar die klare Devise, so programmschonend wie möglich vorzugehen, und versuchen daher, zunächst bei der Infrastruktur anzusetzen. Doch dieser Ansatz ist nach den bereits vorangegangenen, harten Einsparrunden inzwischen weitestgehend ausgereizt. Wir werden also um Einschnitte im Programm nicht herumkommen. In jedem Fall müssen wir uns nach der Decke strecken und weitere Einsparmaßnahmen prüfen, da sich die Situation aufgrund der derzeit ausbleibenden Beitragserhöhung weiter zuspitzt.