SWR-Sinfonieorchester Liegt die Rettung in einer Stiftung?

2016 sollen die Konzerte enden: das SWR-Sinfonieorchester Freiburg in Aktion Foto: SWR
2016 sollen die Konzerte enden: das SWR-Sinfonieorchester Freiburg in Aktion Foto: SWR

Mit einer Demonstration auf dem Marktplatz wollen Freiburger Bürger für den Erhalt ihres eigenes SWR-Sinfonieorchesters kämpfen. Ein neues Zukunftsmodell liegt vor.

Leben: Götz Thieme (göt)
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Freiburg - Wenn das Freiburger Barockorchester im Konzerthaus der südbadischen Stadt seine meist proppenvollen Abonnementskonzerte gibt, baut der Hörfunk des Südwestrundfunks Mikrofone auf. Die Truppe ziert das SWR-Programm, weswegen die Konzerte regelmäßig mitgeschnitten werden. Gelegentlich sind die Barockmusiker auch live auf Sendung bei SWR 2 – wie neulich. Alles lief gut aus Sicht der Rundfunkanstalt, bis die FBO-Konzertmeisterin Petra Mülljans die Zugabe ankündigte. Man werde nun den letzten Satz aus Haydns Abschied-Sinfonie spielen, „ein Protest des Komponisten gegen schlechte Behandlung von Musikern und fürstliche Willkür“. In Haydns Komposition verlässt ein Musiker nach dem anderen das Podium, am Ende bleiben zwei klägliche Violinen zurück.

Zu schlucken begann der zuständige Redakteur der Übertragung, als Müllejans deutlich hörbar für die Radiohörer hinzufügte: „Wir meinen, dass das heute noch aktuell ist. Wir spielen dieses Stück aus Solidarität mit unseren Freunden und Kollegen des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, damit Sie sehen und hören können, wie es sich anfühlt, wenn ein Orchester abgebaut wird.“ Deutlicher ging es nicht, der Saal raste im Einvernehmen. Beim SWR, den die Barockrocker zuvor nicht eingeweiht hatten, war man entsetzt.

Vor beinahe einem Jahr kam das Aus für zwei unabhängige Sinfonieorchester im Südwestrundfunk. Der Rundfunkrat beschloss im September die Fusion des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart (RSO) und des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg (SO) zu Beginn der Saison 2016/17. Der SWR forciert nun die or­ganisatorische Vorbereitung. Anfang Dezember wurde Stuttgart als künftiger Pro­benstandort festgelegt, im Januar 2013 präsentierte die Senderspitze Johannes Bultmann als künstlerischen Gesamtleiter der Klangkörper und Festivals des SWR.

Professor Schoch lässt nicht locker

Klingt wie in Beton gegossen, besonders in der Landeshauptstadt: In Stuttgart finden sich wenige, die an eine Rettung der Doppelkonstruktion glauben. Doch Proteste gegen den Beschluss halten besonders im Südbadischen an und haben in den vergangenen Wochen neue Dynamik gewonnen. Die Musiker des SO berufen sich auf das Angebot des Senders, dass ein Erhalt beider Orchester möglich sei, wenn ein alternatives Konzept vorliegt, das die SWR-Auflagen erfülle (jährlich 5 Millionen Euro Einsparungen) sowie rechtlich und künstlerisch nachhaltig sei.

Ihre Hoffnung setzen sie auf ein von dem Freiburger Verfassungs- und Verwaltungsrechtler Friedrich Schoch erneut ins Spiel gebrachtes Stiftungsmodell. Der rührige Professor hat als (einfaches) Mitglied des Fördervereins des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg von sich reden gemacht, als er im Juni 2012 darauf hinwies, dass die offiziellen Berechnungen zur künftigen Ertragsentwicklung der Rundfunkgebühren viel günstiger seien, als der SWR-Intendant Peter Boudgoust es dargestellt habe. Schoch forderte darum ein Moratorium des Fusionsbeschlusses – vergeblich.

Nun plädiert der Freiburger Professor für ein Stiftungsmodell. Danach soll das RSO Stuttgart in der Trägerschaft des SWR verbleiben, das SO in Freiburg aber unter neuem Namen, der die Eigenständigkeit dokumentiert, als Stiftung des öffentlichen Rechts agieren. Träger der Stiftung wären das Land Baden-Württemberg, die Stadt Freiburg sowie weitere Gemeinden und Landkreise, außerdem der SWR. Beispielhaft nennt Schoch Orchester-Stiftungen wie jene der Berliner Philharmoniker und der Bamberger Symphoniker. Er verweist außerdem auf Berlin, wo – allerdings in Form einer GmbH – zwei Rundfunkanstalten, das Land Berlin und die Bundesrepublik unter einem Dach zwei Sinfonieorchester und zwei Chöre tragen.




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