SWR-Sport Auf die Rampensau folgt der Netzwerker

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Harald Dietz ist neuer Sportchef beim SWR. Der 52-Jährige ist so etwas wie das Kontrastprogramm zu seinem Vorgänger Michael Antwerpes. Der im Sender bestens vernetzte Dietz wirkt lieber im Hintergrund.

Sportchef Harald Dietz drängt sich nicht in den Vordergrund Foto: SWR
Sportchef Harald Dietz drängt sich nicht in den Vordergrund Foto: SWR

Stuttgart - Der einzige Luxus, den sich Harald Dietz in seinem Büro leistet, macht ihn auch ein bisschen unsicher: „Wirkt das zu dominant?“, will er von seinem sitzenden Gegenüber wissen. Dietz steht an seinem höhenverstellbaren Schreibtisch, den er auf das Maximum ausgefahren hat. Dominanz – diesen Eindruck will der 52-Jährige auf gar keinen Fall vermitteln. Er sieht sich vielmehr als Teamspieler, der eine Mannschaft führt, aber nicht beherrscht.

Seine Mannschaft, das ist die SWR-Sportredaktion, die er zwischen Januar und Juni kommissarisch und nun auch mit der Zustimmung des Verwaltungrates leitet. Damit ist der Wechsel an der Spitze des Ressorts endgültig vollzogen: auf die Rampensau Michael Antwerpes folgt der Netzwerker Harald Dietz: „Michael Antwerpes ist ein herausragender Moderator, er hat dem SWR-Sport ein Gesicht gegeben“, lobt Dietz den Vorgänger. Er selbst interpretiert die Rolle allerdings anders. „Ich wirke mehr nach innen“, sagt Harald Dietz. So wird der Fernsehzuschauer Dietz nicht zu sehen bekommen – im Gegensatz zu Antwerpes, der für den SWR weiter als Moderator arbeitet. Dietz, das ist der Chef hinter der Kamera.

Wobei er nicht nur das Fernsehen im Blick hat. „Mein Ziel ist es, aus den Bereichen Fernsehen, Hörfunk und Online eine Redaktion zu machen“, sagt Dietz, „das Spartendenken ist journalistischer Anachronismus. Wir müssen das Thema in den Mittelpunkt rücken und schauen, auf welchen Kanälen wir es ausspielen.“

„Sport ist das einzige gesellschaftliche Phänomen“

Unter der Leitung von Harald Dietz soll das SWR-Sportprogramm hintergründiger werden, mehr Tiefgang bekommen. Das überrascht nicht – bei einem, der an der Sendereihe „Sport unter der Lupe“ mitgearbeitet und sich dort zu Hause gefühlt hat. Diese im Jahr 2000 eingestellte Ikone des Sportfernsehens soll unter Dietz zumindest ansatzweise wiederbelebt werden – mit einer Sportdokumen­tation am späten Sonntagabend im Anschluss an „Sport im Dritten“. Den Anfang macht am 1. September ein TV-Stück über den IOC-Präsidentschaftskandidaten Thomas Bach. Und am 7. September läuft in der ARD der SWR-Beitrag mit dem Titel „Ist Olympia noch zeitgemäß?“.

Dietz sieht den Sport nicht nur auf seinen angestammten Plätzen. Er will mit ihm rein in andere Sendungen, in die Nachrichten, in die „Landesschau“. „Der Sport ist das einzige gesellschaftliche Phänomen, das sich durch alle Schichten und Altersklassen zieht. Dies muss sich bei uns auch widerspiegeln“, sagt Dietz. Entsprechend hat sich auch das SWR-Programm erweitert. Der Sendung „Sport im Dritten“ wird von Sonntag an die neue „Sportschau am Sonntag“ (21.45 Uhr bis 22. 05 Uhr) vorgeschaltet, die abwechselnd von Reinhold Beckmann, Gerhard Delling und Matthias Opdenhövel moderiert wird. Auf diese Weise wird fortan in allen dritten Programmen von den Sonntagsspielen der Fußball-Bundesliga berichtet.

Fußballanteil im ARD-Sport macht nur 22 Prozent

Immer nur Fußball, Fußball, Fußball – dieser Kritik begegnet Harald Dietz so: „Durch die neue Bundesliga-Berichterstattung am Sonntag bekommen Nicht-Fußballthemen bei ,Sport im Dritten‘ jetzt einen größeren Raum.“ In diesem Zusammenhang verweist Dietz auch darauf, dass der Fußballanteil im ARD-Sport nur 22 Prozent ausmachen würde. Außerdem könne die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht ganz ausgeblendet werden. An dieser Hürde kann beispielsweise der Bundesliga-Handball scheitern, für den 750 Euro pro Übertragungsminute fällig werden.

In der Rechtefrage kennt sich der studierte Jurist Harald Dietz aus. Er sitzt für die ARD weiterhin in den entsprechenden Gremien. Und so ist der gebürtige Hesse bestens vernetzt, kennt als ehemaliger Pressesprecher die Strukturen und die Mitarbeiter im riesigen Fernsehapparat ganz genau. „Und ich bin mir auch nicht zu schade für die Basisarbeit, Maz schneiden und so“, sagt Harald Dietz, der seinen höhenverstellbaren Schreibtisch schon lange abgesenkt hat.

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