SWR-Symphonieorchester Erstes Konzert unter 2-G-plus-Bedingungen
Das SWR-Symphonieorchester hat in Stuttgart unter Juraj Valcuhas Leitung Musik von Messiaen, Prokofjev und Nielsen gespielt. Solist war der ukrainische Geiger Valeriy Sokolov.
Das SWR-Symphonieorchester hat in Stuttgart unter Juraj Valcuhas Leitung Musik von Messiaen, Prokofjev und Nielsen gespielt. Solist war der ukrainische Geiger Valeriy Sokolov.
Stuttgart - Geimpft oder genesen, zusätzlich getestet; der halbe Beethovensaal muss leer bleiben, und zusätzlich macht der Südwestrundfunk beim ersten Konzert seines Symphonieorchesters unter den neuen Coronaverordnungen noch eine FFP2-Maske zur Pflicht. Es spricht für das Publikum, dass trotz alldem am Donnerstagabend dennoch etwa die Hälfte des Saals besetzt ist. Zwei weitere Trotzdem: Der Dirigent, der Slowake Juraj Valcuha, und der Solist, der ukrainische Geiger Valeriy Sokolov, dürften nur wenigen ein Begriff sein. Und das Programm enthielt ausschließlich Musik des 20. Jahrhunderts.
Ein Hoch also auf das neugierige Publikum! Es erlebte nach Olivier Messiaens schillernder „Hymne“ Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert von 1935 in einer Darbietung mit angezogener Handbremse: hochvirtuos, sehr genau, mit wundervollen Momenten bei der spieluhrgleichen Pizzicato-Begleitung im zweiten Satz und in sehr genau austarierter dynamischer Balance, aber gleichzeitig auch mit einem Schuss Distanz – und mit einem Finale, das den Tanz eher andeutete als ausspielte.
Dann aber folgte die wohl bedeutendste Sinfonie, die Vierte (Untertitel: „Das Unauslöschliche“), des Dänen Carl Nielsen von 1916. Der Koloss, dessen vier Sätze übergangslos ineinander übergehen, lebt von Kontrasten: zwischen Tutti-Fortissimo und virtuosen kammermusikalischen Momenten, weitgreifenden melodischen Gedanken (eine Streicherpassage könnte aus Gustav Mahlers Fünfter herausgeschnitten sein) und einem rhythmischen Vorwärtsdrang, dessen blechbläsergezeugte Klangwogen von Anton Bruckner stammen könnten.
Wenn am Ende die beiden Pauker im rechten und linken Orchesterhintergrund die Klänge gleichsam durch ein Schlagwerkwerkportal hinaus begleiten, ist man überwältigt von einer Musik, von der man zwar nie recht weiß, in welche Richtung sie gehen wird, bei der aber die Orchestermusiker unter Juraj Valcuhas Leitung ihre individuelle Klasse ebenso beweisen wie ihre Fähigkeit zu feinster Verschmelzung.
Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Nielsens hochdifferenzierte Klangballungen eine Domäne perfekter US-amerikanischer Klangkörper; nun kann das SWR-Symphonieorchester spielend mithalten. Ein Hoch auch auf dieses Ensemble!