SWR Symphonieorchester und Kirill Gerstein Der Supervirtuose kann’s

Der Pianist Kirill Gerstein Foto: Marco Borggreve

Das SWR Symphonieorchester und der Pianist Kirill Gerstein haben im Beethovensaal mit Busonis Klavierkonzert das Publikum zu Ovationen hingerissen.

Man sollte den Konzertdramaturgen des SWR Symphonieorchesters ein Kompliment machen: Was sie in dieser Saison an selten aufgeführten wie spektakulären Werken programmiert haben, ist aller Ehren wert, ja, gab es in dieser Dichte in Stuttgart wohl noch nie. Und vielleicht lindert es sogar die bei dem ein oder anderen noch spürbaren Nachwehen der Orchesterfusion, wenn als Resultat besetzungstechnisch (noch) aus dem Vollen geschöpft werden kann.

 

Irrwitzige technische Anforderungen

Im vorletzten Abokonzert war es Richard Strauss’ Alpensinfonie, die davon profitierte, im letzten John Adams’ „Harmonielehre“, jetzt stand mit Ferruccio Busonis Klavierkonzert C-Dur ein weiteres Monstrum des Repertoires auf dem Programm. Nun taucht Busoni mit seinen eigenen Werken selten auf Konzertprogrammen auf. „Bach-Busoni“ lautet das Bindestrich-Konstrukt, das seine Adaptionen bachscher Klaviermusik für moderne Konzertflügel bezeichnet, die viele Pianisten, auch berühmte, gerne spielen.

Deutlich geringer dürfte die Liebe zu Busonis Klavierkonzert sein, was wohl in erster Linie an dessen Umfang und seinen irrwitzigen technischen Anforderungen liegt. Da müssen schon Supervirtuosen wie Kirill Gerstein her, der das Konzert schon 2019 mit dem Boston Symphony Orchestra live eingespielt und auch nun im Beethovensaal der Liederhalle seine pianistische Sonderklasse bewiesen hat.

Eine 75-minütige Tour de Force

Gefühlt musste er in den 75 Minuten, die das Stück dauert, mehr Töne spielen als in sämtlichen Mozartkonzerten zusammen; die Präzision und Kraft, mit denen er diese Tour de Force bewältigte, riss am Ende das Publikum zu Ovationen hin. Ob die Aufführung rein künstlerisch ein Ereignis war, darf dagegen bezweifelt werden. Das lag weniger an dem blendend disponierten Orchester, das John Storgård zuvor schon souverän durch die siebte Sinfonie seines finnischen Landsmanns Jean Sibelius geleitet hatte. Aber die kaum durch einen verbindlichen Formwillen gebändigte Überfülle – allein der dritte Satz dauert über 20 Minuten – und das aufgesetzte Pathos mit dem Männerchoreinsatz im letzten Satz wirken in Verbindung mit dem teilweise beliebig wirkenden thematischen Material ermüdend, der rasant hingelegten Tarantella zum Trotz.

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