SWR testet neue Formate Jonglieren mit den Mundarten

Von Ulla Hanselmann 

Bei neuen Produktionen des Südwestrundfunks kommen der Gewichtheber Matthias Steiner und die Dialekte des Landes ganz groß raus.

Der Gewichtheber Matthias Steiner bei seiner Kraftprobe „Planwagen-Parken“ Foto: SWR
Der Gewichtheber Matthias Steiner bei seiner Kraftprobe „Planwagen-Parken“ Foto: SWR

Stuttgart - Der Südwestrundfunk (SWR) war den Dialekten im Südwesten schon immer wohlgesinnt. Jetzt kommen die Mundarten im SWR-Fernsehen ganz groß raus. „Dialekt ist in“, postuliert der Moderator Holger Wienpahl, „Dialekt ist Kult“, pflichtet ihm der SWR-Redakteur Thomas Martin bei, und so stehen die hiesigen regionalen Färbungen der deutschen Sprache im Mittelpunkt von zwei neuen Produktionen, die der Sender am Montag vorgestellt hat.

Die Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“, will dabei an den Erfolg des gleichnamigen Mundart-Spielfilms, der derzeit in den Kinos läuft, anknüpfen. Der Zwölfteiler erzählt die Vorgeschichte zur Kinoproduktion und nährt sich vor allem vom Streit zweier Familien – der Häberles aus Oberrieslingen und der Rossbauers aus Unterrieslingen. Der Ursprung der Fehde ist ein dunkles Familiengeheimnis; diesem will ein norddeutscher Pfarrer auf die Spur kommen. Dass er zur Begrüßung vom Weinbauer Gottfried Häberle (Christian Pätzold) erstmal in aller schwäbischen Herzlichkeit mit einer nicht enden wollenden Kette von derbsten Verfluchungen und Beleidigungen bedacht wird, hält ihn nicht von seinem Vorhaben ab. Neben Pätzold ist auch Karoline Eichhorn wie schon im Film mit von der Partie, allerdings muss die Serie, die Anfang 2013 ausgestrahlt werden soll, ohne Natalia Wörner auskommen.

Prominente müssen Südwest-Einbürgerungstest bestehen

Der SWR-Mundart-Experte Dominik Kuhn, bekannt durch seine schwäbischen Synchronisationen, bestätigt den neuen „Kult“ um die Mundart. Schwäbisch im Film oder im Fernsehen komme an, vorausgesetzt es handle sich nicht um ein gekünsteltes „Deko-Schwäbisch“, sagt Kuhn. Er spielt im Film wie in der Serie selbst eine kleine Rolle und ist auch an dem zweiten Teil der Dialekt-Offensive des SWR beteiligt: Das Format „Verstehen Sie was?“ (17. Dezember, 22.30 Uhr) will mit der dialektalen Vielfalt im Südwesten jonglieren. „Ein prominenter Gast muss eine Art Südwest-Einbürgerungstest bestehen“, erklärt der Moderator Holger Wienpahl das Konzept. Bei der Pilotsendung muss die aus Köln stammende Entertainerin Hella von Sinnen sich diversen sprachlichen und landeskundlichen Prüfungen unterziehen, etwa die Balkonszene in William Shakespeares „Romeo und Julia“ als Julia auf Schwäbisch meistern. Dominik Kuhn erklärt dem Studiopublikum die Welt auf Schwäbisch“, Christian Habekost macht das Sprachwirrwarr perfekt, indem er als Pfälzer einen anderen Sprachraum bereist.

Keinen Schwaben, sondern einen gebürtigen Österreicher schickt der SWR mit dem Gewichtheber und Olympiasieger Matthias Steiner in den Kampf um die Publikumsgunst. In der Sendung „Steiner gegen alle“ (29. Oktober, 22.30 Uhr) tritt der dreißigjährige Schwergewichtler gegen ein ganzes Dorf an und muss in fünf Disziplinen nicht nur Kraft, sondern auch Köpfchen und Geschicklichkeit beweisen; seine Frau Inge unterstützt ihn dabei. Mit den Bewohnern des pfälzischen Freinsheim misst er sich im Rangieren eines 1300 Kilogramm schweren Planwagens oder im „Schubkarren-Duell“. Kommt das neuartige Doku-Spielformat, das der SWR als eine „flottere, modernere“ und mobilere Version von „Spiel ohne Grenzen“ versteht, gut an, können sich weitere Dörfer bewerben und dabei ihre ureigenen Spielideen einbringen.

Operation am offenen Herzen

Als TV-Premiere kündigt der SWR auch die Dokumentation „Skalpell bitte“ an (28. November, 20.15 Uhr): Erstmals sollen Zuschauer live eine Operation am offenen Herzen miterleben können. Mit vier Kameras wurde eine vierstündige Bypass-OP in der Tübinger Uniklinik aufgezeichnet, die Reportage umfasst neunzig Minuten. Die Moderatorin und Medizinerin Susanne Holst erklärt das Geschehen und befragt Experten. Voyeurismus wolle man damit nicht bedienen, heißt es, vielmehr gehe es darum, die erstaunlich unblutige Handarbeit der Chirurgen vorzuführen und Vertrauen zu schaffen.