SWR-Umzug nach Stuttgart-Degerloch Zumindest zeitweise nah am Fernsehturm

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400 Mitarbeiter des Südwestrundfunks sind aus dem Funkhaus im Stuttgarter Osten in die Nähe des Albplatzes in Stuttgart-Degerloch gezogen. Dort dürfen sie maximal 20 Monate bleiben. Bis dahin muss das Funkhaus umfassend saniert werden. Das ist gar nicht so einfach.

Vom Fernsehturm aus werden nach wie vor Radiosendungen ausgestrahlt, Fernsehen seit 2006 nicht mehr. Foto: SWR Media Services GmbH/ Achim Mende
Vom Fernsehturm aus werden nach wie vor Radiosendungen ausgestrahlt, Fernsehen seit 2006 nicht mehr. Foto: SWR Media Services GmbH/ Achim Mende

Degerloch/S-Ost - Die Lage ist gut: Der sogenannte Commerce Park Stuttgart (Compas) liegt nicht einmal drei Minuten vom Albplatz in Degerloch entfernt, direkt an der B 27, beziehungsweise der Löffelstraße. In dem Gebäude ist unter anderem eine Unternehmensberatung, eine Agentur und ein Fitnessstudio untergebracht– und seit September auch der Südwestfunk (SWR). Zwar sind nicht alle 1800 Mitarbeiter, die in Stuttgart für den SWR arbeiten, vom Funkhaus im Stuttgarter Osten nach Degerloch gezogen, aber immerhin 400. „Das sind zum Großteil diejenigen, die bis zuletzt im Gebäudeteil A des Funkhauses gearbeitet haben“, sagt der Verwaltungsdirektor des SWR, Jan Büttner.

Der SWR hat ein Problem, das viele Institutionen und Firmen kennen: Das Funkhaus wurde in den 70er Jahren gebaut – und die damals geplanten langen Flure, von denen rechts und links Zweier- oder Dreierbüros abzweigen, sind nicht mehr das, was man heute unter modernem Arbeiten versteht. Stattdessen sind sogenannte offene Strukturen gefragt, also größere Büros, die durch Glas oder Schallschutzwände so angelegt sind, dass sich trotz der größeren Anzahl an Menschen im Raum jeder konzentrieren können soll – und man zugleich einfacher kommunizieren kann. Außerdem müssen Radiosendungen nicht mehr in dick isolierten Räumen aufgezeichnet werden, wie das früher der Fall war. Stattdessen werden beim SWR viele Sendungen mitten aus der Redaktion heraus produziert. „Die alten Raumstrukturen sind nicht für ein multimediales Unternehmen geeignet“, sagt Büttner.

6390 Quadratmeter für 400 Mitarbeiter

Weil sich die Arbeitsanforderungen so verändert haben, laufen im Funkhaus bereits seit dem Jahr 2012 Umbau- und Sanierungsarbeiten. Das Funkhaus verfügt über drei Gebäudeteile (A, B und C) sowie einen Neubau. „In den Gebäuden C und B wurden bereits in den vergangenen Jahren Räume umgebaut und unter anderem Wasserrohre, Klimaanlagen, Elektroleitungen oder Kabelleitungen erneuert“, sagt Büttner. „Das alles wurde gemacht, während der normale Betrieb weiterging. Doch durch die andauernden Bauarbeiten gingen die Kollegen danach am Stock.“ Deshalb habe man sich entschieden, dass zumindest die Mitarbeiter aus dem A-Gebäude während der Bauarbeiten bei ihnen umziehen.

„Es war nicht leicht, ein Gebäude zu finden, in dem 400 Mitarbeiter Platz finden“, sagt Büttner. Zunächst habe man nach Büroflächen in der Nähe des Funkhauses gesucht, doch dort wurde man nicht fündig – dafür in Degerloch. Insgesamt 6390 Quadratmeter hat der SWR in dem Compas-Gebäude bezogen. Die Radio- und Fernsehsendungen werden weiterhin im Funkhaus produziert; umgezogen sind unter anderem die Kommunikationsabteilung, die IT und die Revision.

Einzelbüros gibt es künftig kaum noch

In dem Compas-Gebäude werden die Mitarbeiter auf das vorbereitet, was sie in knapp anderthalb Jahren auch im Funkhaus erwarten wird: Kleine Büros gibt es kaum, auch der Verwaltungsdirektor Jan Büttner hat kein Einzelbüro mehr. „Das ist für viele eine Umstellung. Und es zeigt sich: Man muss gewisse Spielregeln beherrschen. Lautes Telefonieren ist verpönt, und Privatgespräche am Arbeitsplatz gibt es nur noch selten. Zugleich bekommt man auf einmal mit, an welchen Themen die anderen arbeiten – was oft hilfreich ist.“

Problematisch bei den Bauarbeiten im Funkhaus ist unterdessen der Denkmalschutz: „Das Funkhaus ist ein Kulturdenkmal, eigentlich dürfen wir keine Schraube versetzen“, sagt Büttner. Das Gebäude wurde von dem Architekten Rolf Gutbrod entworfen, der zum Beispiel auch für die Stuttgarter Liederhalle verantwortlich ist. Gutbrod war ein Waldorfschüler, seinen Gebäuden merkt man das an: Sie sind oft asymmetrisch, rechteckige Räume gibt es wenige. Das sieht schön aus, ist aber nicht immer praktisch. „Wir können nicht in einem Museum ein modernes Rundfunkunternehmen betreiben“, sagt Büttner.

In einem Geschoss bleibt alles, wie es war

Nach mehreren Gesprächen mit dem Denkmalschutzamt habe man sich auf eine Renovierung einigen können. Als Zugeständnis bleibt eine Etage genau so, wie es vom Architekten geplant war; also der Grundriss und die Raumstruktur. Das sogenannte Museumsgeschoss wird voraussichtlich im 13. Stock sein; möglicherweise werden dort die Mitarbeiter aus dem Controlling sitzen, die absolute Ruhe und Konzentration für ihre Arbeit brauchen – und für die kleine Büros deshalb sowieso sinnvoll sind.

Unabhängig davon wie schnell die Bauarbeiten am Funkhaus vorangehen: Spätestens im Laufe des ersten Quartals 2020 muss der SWR wieder weg aus Degerloch und zurück ins Funkhaus ziehen. Dann nämlich soll das Compas-Gebäude ebenfalls renoviert werden.

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