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SWR Vokalensembles mit Peter Dijkstra „Sehr, sehr schöne Musik“ in Gaisburg

Von Gabriele Metsker 

„Un soir de neige“ ist der Titel des Auftakts der Konzertreihe des SWR Vokalensembles am 3. November in der evangelischen Kirche in Gaisburg.

Peter Dijkstra dirigiert das Konzert des SWR Vokalensembles am 3. November.     Foto: Klaus J. A. Mellenthin
Peter Dijkstra dirigiert das Konzert des SWR Vokalensembles am 3. November. Foto: Klaus J. A. Mellenthin

Bis zur Adventszeit ist es zwar noch ein bisschen hin, wenn das SWR Vokalensemble am 3. November in der evangelischen Kirche in Gaisburg seine Konzertreihe fortsetzt. Dennoch passen die Werke an diesem Abend wunderbar in die Jahreszeit, wenn Ruhe, Besinnlichkeit und auch Spiritualität wieder mehr Raum bekommen.

„Un soir de neige“, so der Titel des Abends und des ersten Stückes von Francis Poulenc, bezieht sich dabei keineswegs, wie man vielleicht vermuten würde, auf das winterliche Wetter.

Insgesamt geht es an diesem Abend um Menschlichkeit und Frieden – also um all das, was an Weihnachten wieder besonders stark in den Vordergrund rückt. Wie viel mehr in den Kompositionen von Francis Poulenc, Ton de Leeuw und Martin Smolka steckt, erzählt Peter Dijkstra, der das Konzert dirigieren wird. Er gehörte früher zu den Studenten von Marcus Creed und hat inzwischen dieselbe Position an der Kölner Musikhochschule inne wie seinerzeit der heutige Leiter des SWR Vokalensemble.

Wie eine formale Klammer umschließen zwei Kompositionen von Francis Polenc die anderen Stücke des Programms. „Un Soir de neige“ und „Figure humaine“ hat Poulenc nach Versen seines Freundes Paul Éluard komponiert. Beide Werke beklagen die Tragik des Zweiten Weltkriegs. „Poulenc hat die Verse von Éluard auf unglaublich eindringliche Weise vertont“, sagt Dijkstra. „Man merkt, dass sie sich gut gekannt haben.“ In „Un Soir de neige“ steht der Schnee für die Besetzer, die sich wie eine Decke über die Welt legen. Das beschreibt symbolisch die Unterdrückung, die dunkle Seite der Menschheit.

Ein Geschenk für Peter Dijkstra

Wie eine zweite Klammer unter dieser ersten Schicht umschließen zwei Werke des niederländischen Komponisten Ton de Leeuw die im Zentrum stehende Komposition, gewissermaßen den Kern: „The Name Emanuel“ des Prager Komponisten Martin Smolka. Dieser hat das Werk 2017 geschrieben – ein Geschenk des Schwedischen Rundfunkchors an Dijkstra, der diesen Chor inzwischen seit mehr als zehn Jahren leitet.

Von Ton de Leeuw erklingen „Silence“ und „Car nos vignes sont en fleurs“. De Leeuw habe die französische Sprache, die der Klänge ebenso wie die der Worte, sehr geliebt, erzählt Dijkstra. „Silence“, ein recht kurzes Stück, handelt vom Schöpfergott und dem, was er geschaffen hat. „Es geht um Atem, Sprache, Gedanken und Licht“, so der Spezialist für Vokalmusik. „Es wird die Kraft des Glaubens hervorgehoben.“ Die Zeilen aus „Car nos vignes sont en fleurs“ stammen aus dem „Hohelied der Liebe“. Ton de Leeuw hat es 1981 ursprünglich für zwölf Solisten komponiert. Dijkstra hat sich jedoch entschieden, manche Abschnitte von Solisten singen zu lassen, andere von mehreren Vokalisten.

Dijkstra liebt die Klangwelt seines Landsmanns: „Er hat bei Olivier Messiaen studiert und verwendet wie dieser Modi, die an alte Klangwelten erinnern. Seine Musik ist immer beweglich und schwebend. Dabei verwendet er Improvisationstechniken und überlässt den Sängern viel Verantwortung. So entstehen manchmal auch Dinge, die nicht vorhersehbar sind.“ Auch im Elektronik-Studio hat de Leeuw experimentiert. „Er wollte eine eigene Klangwelt entdecken“, weiß Dijkstra. „Es ist ein wunderschönes Werk – schön, dass ich es aufführen darf.“

Es geht um das Christuskind

Der Titel „The Name Emanuel“ von Martin Smolka sagt schon sehr viel über das Werk, wie der Dirigent findet. „Es geht um das Christuskind und das, was es ist: ein Kind des Heiligen Geistes.“ Dijkstra schätzt den Komponisten sehr, der, wie er sagt, präzise sei in dem, was er wolle und was er höre. „Er weiß genau, was er schreibt, warum er es schreibt, wie die Wirkung sein wird – und was er von den Vokalisten verlangen kann.“ Und das sei nicht selbstverständlich, fügt er hinzu.

Smolkas Klangwelt ist besonders: „Es gibt einen langsamen, harmonischen Rhythmus, innerhalb dessen er die Vokale und Tonhöhen fortlaufend leicht verändert. Zum Teil nur minimal, mit Viertel- oder Sechsteltönen. Das ergibt besondere Stimmungen und Klangfarben. Auch die so entstehenden Interferenzen und Obertöne sind sehr spannend.“

Für Dijkstra ist diese Meditation über Christus aber vor allem eines: „Sehr, sehr schöne Musik.“ Feiner kann man sich wohl kaum auf die Weihnachtszeit einstimmen.

„Un soir de neige“ – Chorwerke von Poulenc, de Leeuw und Smolka: 3. November, 20 Uhr, Ev. Kirche Stuttgart-Gaisburg, 0 72 21 / 300 100