Synergiepark in Stuttgart-Vaihingen Damit Tausende Beschäftigte umsteigen

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Mit besseren Busverbindungen, Geh- und Radwegen wollen die Verkehrsexperten der Stadt die Menschen dazu bringen, ihr Auto in Stuttgart-Vaihingen stehen zu lassen. Ein bisschen Druck ist auch dabei, denn 130 Parkplätze fallen weg.

Mehr Radfahrer und weniger Autofahrer –  darauf hoffen die Verkehrsexperten der Stadt auch im Fall des Industriegebiets Vaihingen-Möhringen. Foto: Patricia Sigerist
Mehr Radfahrer und weniger Autofahrer – darauf hoffen die Verkehrsexperten der Stadt auch im Fall des Industriegebiets Vaihingen-Möhringen. Foto: Patricia Sigerist

Vaihingen/Möhringen - Der Aufschlag ist gemacht. An den vergangenen beiden Wochenenden hat das Tiefbauamt einen Teil der Nord-Süd-Straße neu asphaltieren lassen. Die Arbeiten gehören zum Projekt Vollanschluss der Nord-Süd-Straße an die Breitwiesenstraße. Auch neue Ampeln sind bereits in Betrieb. In der vergangenen Woche führte das wiederholt zu Staus. Grund dafür waren mehrere unvorhergesehen Ereignisse (wir berichteten). Die Arbeiten für den Vollanschluss sollen noch bis August dauern. Derweil gehen die Planungen schon weiter.

Warum muss im Synergiepark etwas geschehen?

Die Zahlen sprechen für sich: Bis 2030 soll sich die Zahl der Beschäftigten im Synergiepark auf dann 40 000 verdoppeln. Die Stadtverwaltung kann dem nicht tatenlos zuschauen. Eine Anpassung der Verkehrsinfrastruktur und eine besser Vernetzung seien notwendig. So steht es in einer aktuellen Beschlussvorlage für den Gemeinderat. „Wir brauchen eine Verlagerung weg vom Auto hin zu Bus, Bahn und Fahrrad“, sagte der städtische Verkehrsplaner Andreas Hemmerich als er die Pläne für die Umgestaltung der östlichen Industriestraße in der vergangenen Woche im Möhringer Bezirksbeirat vorstellte. Um das zu erreichen, werden Parkplätze reduziert, Buslinien verändert sowie Rad- und Gehwege ausgebaut.

Was ändert sich künftig bei der Buslinie 80?

Die Buslinie 80 fährt ab dem Fahrplanwechsel im Dezember häufiger. Vorgesehen ist, dass die Linie am Bahnhof wendet und die Industriestraße zwischen Bahnhof und Wallgraben in beide Richtungen befährt. Am Kreisverkehr biegt sie rechts auf den Wallgraben ab und fährt dann über die Schulze-Delitzsch-Straße, Handwerkstraße und Industriestraße wieder zum Bahnhof. An der Industriestraße werden bei dem derzeit entstehenden Bürogebäude Office V sowie auf Höhe der Breitwiesenstraße neue Haltestellen eingerichtet. Die derzeit am schwächsten genutzte Haltestelle an der Heßbrühlstraße entfällt. Das Ziel ist es, das Office V optimal an den Bahnhof anzubinden. Zudem sollen die Verknüpfung mit der Stadtbahnlinie U 12 und die Erschließung der Breitwiesenstraße verbessert werden.

Welche Verbesserungen gibt es für Fußgänger und Radfahrer?

Radfahrer und Fußgänger sollen künftig besser und sicherer im Synergiepark unterwegs sein können. Zwischen Industriestraße 23 und Handwerkstraße sind durchgängige Radfahrstreifen geplant. Im weiteren Verlauf, zwischen der Handwerkstraße und der Nord-Süd-Straße sind Schutzstreifen für Radfahrer und breitere Gehwege vorgesehen. Darüber hinaus werden vier zusätzliche Mittelinseln für Fußgänger gebaut, damit diese die Fahrbahnen sicherer überqueren können.

Was bedeuten die Pläne für die Zahl der Parkplätze?

Wegen der geplanten Umbaumaßnahmen fallen an der Industriestraße zwischen der Nord-Süd-Straße und dem Wallgraben 66 Parkplätze und beim Office V noch einmal 64 Parkplätze weg. Das Ziel sei es, die Verkehrssicherheit weiter zu verbessern, heißt es in der Vorlage. Dabei geht es vor allem um die großen Grundstückszufahrten, die künftig gut einzusehen seien sollen. Auch die neuen Bushaltestellen kosten Parkplätze, ebenso wie der Ausbau der Geh- und Radwege. Im öffentlichen Raum wird es keinen Ersatz für die wegfallenden Parkplätze geben. Die Folge könnte sein, dass in umliegenden Wohnstraßen ein Parkraummanagement eingeführt werden muss.

Was kostet es und wie sieht der Zeitplan aus?

Einige kleiner Maßnahmen werden noch in diesem Jahr umgesetzt und aus Pauschalmitteln des Tiefbauamts gezahlt. Für den überwiegenden Teil sind jedoch Haushaltsmittel erforderlich. Diese will das Tiefbauamt für den Doppeletat 2020/2021 anmelden. Im Bereich Office V trägt die Firma Daimler die durch ihren Neubau verursachten Kosten selbst. Mit dem Umbau der Industriestraße ist es freilich noch nicht getan. Das Konzept soll Stück für Stück auf den gesamten Synergiepark ausgeweitet werden. Das bedeutet auch, dass noch mehr Parkplätze wegfallen. Langfristig ist aber auch ein weiterer Ausbau der Nord-Süd-Straße und die Schaffung von mehr Park-and-ride-Parkplätzen vorgesehen.

Was sagen die Lokalpolitiker vor Ort zu dem Konzept?

Der Vaihinger Bezirksbeirat hat die Vorlage zur Umgestaltung der östlichen Industriestraße mit 12 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme angenommen. Die Möhringer Bezirksbeiräte waren deutlich skeptischer. Sie kritisierten mehrheitlich die ersatzlose Streichung der Parkplätze und den umfangreichen Ausbau von Radwegen in einem Industriegebiet. Am Ende stimmten acht der Lokalpolitiker für die Vorlage und sieben dagegen. Der Ausschuss für Umwelt- und Technik beschließt endgültig in seiner heutigen Sitzung. Beginn im Stuttgarter Rathaus, Marktplatz 1, ist um 8.30 Uhr.

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