Synergiepark Stuttgart Ist die Stadt zu spät dran?
Die Aufwertung des Synergieparks in Stuttgart ist Fluch und Segen zugleich. Es gibt den Wunsch nach mehr Unterstützung für kleine Betriebe sowie Kritik an versiegelten Flächen.
Die Aufwertung des Synergieparks in Stuttgart ist Fluch und Segen zugleich. Es gibt den Wunsch nach mehr Unterstützung für kleine Betriebe sowie Kritik an versiegelten Flächen.
Möhringen/Vaihingen - Zu spät dran, falsche Priorisierung, keine Hilfe für die Kleinen – der Bezirksbeirat Möhringen hat die Stadtverwaltung für die Entwicklung des Synergieparks heftig kritisiert. Das Gewerbegebiet, das sich Vaihingen und Möhringen teilen, wird aktuell gemäß der Entwicklungskonzeption Wirtschaftsflächen für Stuttgart (EWS) transformiert – ebenso wie jene in Feuerbach und Weilimdorf. Über die nächsten Schritte der Stadt gaben Vertreter des Gewerbegebietsmanagements nun in den Bezirksbeiräten in Möhringen und Vaihingen Auskunft.
Markus Hertner von der Wirtschaftsförderung betonte in Möhringen, wie sich seine Abteilung für kleine Betriebe einsetze. Man sehe sich in der Verantwortung, dass die ansässigen Handwerksbetriebe trotz der Aufwertung des Synergieparks in Stuttgart bleiben können. „Wir wollen bei den Vermietern Verständnis dafür schaffen, dass es langfristig Sinn macht, nicht den solventesten, sondern den solidesten Mieter zu berücksichtigen“, sagte Hertner. Wo dies nicht möglich sei, versuche die Abteilung kleinen Betrieben zu helfen, standortnah umzuziehen.
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Auf Nachfrage von Wolfgang Pfeiffer (Freie Wähler), bei welchem Betrieb dies in den vergangenen drei Jahren gelungen sei, konnte Hertner kein Beispiel nennen. „Die Stadt tut nichts für diese Betriebe“, schimpfte Pfeiffer und forderte: „Wichtig ist, dass von Ihrer Seite ein Angebot kommt, wohin die Unternehmen gehen können.“ Hertner verwies darauf, dass der Wirtschaftsförderung die Hände gebunden seien. Es gebe nicht ausreichend Flächen, um Alternativen anzubieten. Das sei ein Thema, das nicht die Verwaltung lösen könne, sondern hänge mit den gesamtstädtischen Zielsetzungen zusammen. Dafür sei die Politik verantwortlich.
Hermann-Lambert Oediger, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, ergänzte, dass das Amt für Stadtplanung und Wohnen die klare Strategie verfolge, am südlichen Rand des Synergieparks wenig zu investieren. Die Hoffnung ist, dass dadurch im Bereich der Handwerkstraße die Mieten für kleine Betriebe bezahlbar bleiben. „Eine weitere Lösung kann sein, Gewerbehöfe aufzubauen, um flächensparsam im Stockwerksbau tätig zu werden, um eine bessere Bezahlbarkeit hinzubekommen“, führte Oediger in Möhringen aus.
Als zentrales Handlungsfeld im Synergiepark erachtet die Verwaltung die Mobilität. Mit der Verdopplung der Beschäftigtenzahlen konnte der Ausbau der Infrastruktur für Autofahrer nicht mithalten. Es wird auch noch eine Weile dauern: Nach der Fertigstellung der östlichen Industriestraße zum Ende des Jahres soll ab Juni 2022 der westliche Teil umgestaltet werden. Die Schockenriedstraße und die Ruppmannstraße folgen 2023/24 und 2024/25.
Fred Wagner (CDU) geht das zu langsam: „Beim Thema ÖPNV und Mobilität sind wir zu spät dran. Hier braut sich etwas zusammen!“ Wichtiger als die Aufenthaltsqualität sei es, dass die Menschen schnell zu ihren Arbeitsplätzen kämen. Busverbindungen ließen sich schneller installieren als Schienen verlegen.
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Stadtplaner Oediger dementierte, dass die Verwaltung hier den Bedarf unterschätzt habe. Zum einen dauere es einfach, bis Planverfahren entwickelt und bewilligt werden, zum anderen hätten Unternehmen das Recht, sofort zu bauen, wenn sie die Voraussetzungen des Bebauungsplans erfüllen – und müssten nicht warten, bis beispielsweise die Nord-Süd-Straße ausgebaut sei. Den Bau des Radschnellwegs zwischen Vaihingen und Leinfelden verteidigte Oediger mit den Ergebnissen einer Mitarbeiterbefragung im Synergiepark: Rund ein Drittel habe den Wunsch geäußert, regelmäßig per Rad ins Büro zu kommen.
Lea-Sophie Gräter, Mitarbeiterin im Sachgebiet Stadtentwicklungsplanung, erläuterte im Vaihinger Bezirksbeirat, ein weiterer Fokus des Gewerbegebietsmanagements liege auf der Aufwertung des öffentlichen Raumes und sprach von einer „grünen Achse“ im Bereich des Wallgrabens. Um das Gebiet zu verschönern, hat das Stadtbauamt 25 000 Euro im nächsten Doppelhaushalt angemeldet. Für die EnBW-Fläche mit den beiden Gaskesseln soll ein Plan entwickelt werden, wie daraus eine grüne Quartiersmitte werden könnte. Weitere 10 000 Euro sind für Baumpflanzungen gewünscht. Die Stadt möchte auf eigene Kosten auf den Grundstücken von Unternehmen Bäume pflanzen. So soll zumindest ein Teil der Allee wiederkehren, die der Stadtbahnlinie U 12 weichen musste. „Die Mitwirkungsbereitschaft der Unternehmen vor Ort ist aber eher zurückhaltend“, sagte Gräter in Vaihingen.
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Das Thema Begrünung liegt auch den Bezirksbeiräten am Herzen. Gerhard Wick vom Linksbündnis um SÖS und Die Linke und Ulrich Bayer von der CDU monierten, dass am neuen Daimler-Standort Office V nur wenige Grünflächen entstanden seien. „Ich bin erschrocken über die Versiegelung“, sagte Wick. Das Ergebnis unterscheide sich stark von den Entwürfen, die Daimler vor wenigen Jahren im Bezirksbeirat präsentiert habe. Daimler habe sich mit der Ausgestaltung aber an die Vorgaben des Bebauungsplans gehalten, hieß es seitens der Verwaltung – man bedauere zwar, dass so wenig Grün entstanden sei und auch die Erdgeschosse keiner öffentlich zugänglichen Nutzung zugeführt wurden, wie ebenfalls in ersten Entwürfen vorgesehen, letztlich sei dies aber die Entscheidung des Konzerns.
Einige Möhringer Beiräte begrüßten die Pläne zur Begrünung generell, mahnten aber an, dass andere Themen Vorrang genießen sollten. Trotz aller Kritikpunkte nahmen die Bezirksbeiräte in Möhringen und Vaihingen die Vorlage zum Gewerbegebietsmanagement mehrheitlich positiv zur Kenntnis.