Synergiepark Vaihingen/Möhringen Gewerbegebiet soll klimaneutral werden

Mobilität ist nur ein Aspekt der Klimaneutralität in Gewerbegebieten. Auch Energiequellen und Wärmesysteme stehen bei den Unternehmen im Synergiepark im Fokus. Foto: Archiv/Thomas Krämer

Unternehmen im Synergiepark Vaihingen/Möhringen entwickeln Konzepte, wie sie künftig CO2 sparen können. Diese sollen dann auch eine Blaupause für andere Gewerbegebiete in Stuttgart sein.

Vaihingen/Möhringen - Für den Weg, wie die Unternehmen im Synergiepark in Vaihingen und Möhringen klimaneutral werden wollen, gibt es keine Denkverbote. Dies sagt Günter Sabow, der Vorsitzende der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV). Die WIV und die Stadt Stuttgart im Verbund mit der örtlichen Uni und Firmen wollen mit dem Projekt „Klimaschutz – Impulse für den Synergiepark Stuttgart“ (Kiss) diesen in wenigen Jahren klimaneutral machen. Das soll dann eine Blaupause für andere Gewerbegebiete in der Landeshauptstadt sein.

 

Das Interesse der Firmen an Klimaneutralität ist groß

„Bei unserer jüngsten Gebietskonferenz über den Synergiepark haben wir 50 Teilnehmer aller Branchen mit einem riesengroßen Interesse am Thema Klimaneutralität gehabt“, sagt Sabow. Die Mitwirkung der Firmen für die Klimaneutralität in Stuttgart sei enorm wichtig. In den vergangenen Jahren hätten sich die Firmen, von denen die großen zwischen 300 bis mehr als 1000 Mitarbeitende zählten, zu Konzentrationspunkten des Kraftfahrzeugverkehrs entwickelt. „Damit haben wir das Verkehrsproblem auf dem Tisch, das für die Klimaneutralität nicht gerade förderlich ist. Viele Firmen sind schon lange da, und ihre Gebäudekomplexe sind aus heutiger Sicht in einem Zustand, der den Anforderungen an eine gute Energiebilanz nicht mehr entspricht“, sagt Sabow.

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Diese Minuspunkte ließen sich aber in einen Pluspunkt verwandeln: „Weil die Firmen Interesse für Klimaschutz zeigen, gibt es für Kiss Partner, um effiziente Möglichkeiten auf den Weg zu bringen und CO2 zu vermeiden.“ Die Firmen, sagt Sabow, seien durch die Gewerbesteuer die Mitfinanzierer der städtischen Maßnahmen. Die Stadt bekomme ihre Einnahmen nicht durch Lottogewinne, sondern zu einem guten Teil durch die Firmen. Diese müssten deshalb wirtschaftlich stabil und wettbewerbsfähig bleiben. Deshalb solle man bei den Maßnahmen nicht über das Ziel hinausschießen. Der Stadt mangele es bisweilen an Sensibilität im Umgangston mit den Firmen.

Abstimmung mit den Unternehmen sei erforderlich

Die Klimaschutzberater, sagt der WIV-Vorsitzende, müssten sich mit den Unternehmen im Synergiepark abstimmen, welche Maßnahmen für die Firmen infrage kämen: „Es kann nicht sein, dass alle drei Wochen jemand anderes irgendetwas für den Klimaschutz erreichen will. Das nervt und am Schluss ist das Ergebnis so, dass die Lust und das Interesse vergeht, mitzuwirken.“ Deshalb sollten sich die Berater, die jetzt unterwegs seien, austauschen und „in Reih’ und Glied“ vorgehen. „Wir haben es bei dem Projekt nicht leicht. Wir müssen für die Schiene in der Mobilität 20 Firmen mit mindestens 300 bis 500 Mitarbeitern verpflichten und mit Maßnahmen bis Projektende 2024 so bearbeiten, dass wir CO2-Reduktionen nachweisen können, sonst bekommen wir kein Geld aus dem Fördertopf.“

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Die zweite große Schiene im Bereich der Energie sei von den Zeitvorgaben her etwas toleranter ausgelegt, denn sie sei sehr komplex und teuer. Dennoch sehe das Projekt vor, dass sich mindestens 15 Firmen mit insgesamt mehr als 3000 Mitarbeitern verpflichten, sich mit Klimaschutz durch Fotovoltaik oder anderen Wärmesystemen auseinanderzusetzen, damit auch dort CO2 gespart wird, sagt Sabow.

Weg von Öl und Gas hin zu anderen Energiequellen

Angesichts der gegenwärtig unsicheren Versorgung mit Öl und Gas denke man auch in diesem Bereich über Brennstoffzellen nach. „Ich bin ein starker Verfechter des Wasserstoffs als Grundenergiequelle. Wenn ich Argumente höre, das sei viel zu teuer, dann kontere ich damit, dass wir in der Stunde Null sind. Wenn ich addiere, was in den vergangenen Jahren alles in die Elektromobilität geflossen ist, dann war das auch ein Riesenberg Geld.“ Man müsse von den traditionellen Energieformen, zu denen Gas gehöre, wegkommen und neue Quellen und neue Lieferanten suchen. Es sei erfreulich, dass Porsche und einige Lastwagenhersteller in Richtung Brennstoffzelle gingen. Auch der Flughafen Stuttgart befasse sich seit Kurzem mit dem Thema synthetisches Kerosin.

Batterien, die leicht brennen und schwer zu entsorgen sind, seien nicht „der letzte Schrei“. Für die Energieversorgung dächten die bei Kiss beteiligten Experten nach den ersten Gesprächen an Quartierlösungen mit kleinen Kraftwerken, die vier bis acht Firmen beliefern könnten. Bisher verpuffe die Abwärme: „Keiner hat daran gedacht, dass er sie möglicherweise seinem Nachbarn schicken kann“, sagt Sabow.

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Neben alldem spiele auch die Verwendung neuer Baumaterialien eine Rolle. Die Firma des weltweit berühmten Stuttgarter Architekten Werner Sobek sei Mitglied im WIV. Sie weise darauf hin, welches Material bei Neubauten hinsichtlich der Klimaneutralität am besten in Betracht kommen könne. In einigen Wochen sei mit den ersten Ergebnissen zu rechnen, welche Firmen sich mit welchen Vorhaben am Kiss-Projekt beteiligen wollen.

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