Mitarbeiter des Büros Kreativhaltig präsentieren ihre Vorschläge für die Straße Am Wallgraben in Vaihingen und Möhringen, die sich zu einem Gewerbeboulevard mit Aufenthaltsatmosphäre entwickeln soll.

Der Synergiepark in Vaihingen und Möhringen präsentiert sich nicht als optischer Leckerbissen. Wie man mit relativ wenig Aufwand Pep in die Beton-Tristesse bringen kann, präsentierten jüngst junge Kreative des Stuttgarter Büros Kreativhaltig bei der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV). Mit Ideen für ein Konzept aus einem Guss konzentrierten sie sich auf die Straße Am Wallgraben, die sich zu einem Gewerbeboulevard mit Aufenthaltsatmosphäre entwickeln soll, von dem sie gegenwärtig noch weit entfernt ist.

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Aufenthaltsqualität, sagte der WIV-Vorsitzende Günter Sabow, sei heute für Gewerbegebiete ein entscheidender Faktor, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollten: „In Anbetracht dessen, was die Konkurrenz in Zürich, Frankfurt, München, in der Metropolregion Rhein-Neckar und mit dem Geld der Schwarz-Stiftung in Heilbronn leistet, besteht die Gefahr, dass Stuttgart auf einen hinteren Rang abrutscht.“ Man müsse im Synergiepark und den anderen Stuttgarter Gewerbegebieten „endlich Dynamik aufnehmen“. Man diskutiere mit der Stadt bereits seit 2012, wie der Wallgraben zu einem Gewerbeboulevard werden könne, getan habe sich bisher wenig.

Die Ideen der „jungen Truppe“

Nach verschiedenen fehlgeschlagenen Anläufen präsentierten nun Timon Schilling und Falk Krohmer von der „jungen Truppe“ ihre Ideen. „Sie haben das freiwillig und zugunsten der Anrainer und der Stadt auf den Tisch gebracht“, sagte Günter Sabow. Für ihre Ideensammlung verlange das Büro Kreativhaltig kein Honorar. Vielleicht komme man nun, auch mit dem Engagement der Anrainer, einen entscheidenden Schritt weiter.

„Wir haben uns das Gebiet angeschaut, von der Avia-Tankstelle im Norden bis zur Stadtbahn-Haltestelle von Lapp-Kabel im Süden“, sagte Falk Krohmer. In der Mitte der Straße bilde die Stadtbahnlinie eine „zentrale Achse“, außerdem gebe es drei querende Achsen an den Kreisverkehren. An einigen Orten gebe es Potenziale. An der Avia-Tankstelle, beziehungsweise auf dem Platz vor dem Asia-Bistro, an dem Vorplatz vor dem Gastro-Fresch, vor der Firma Unex, vor dem Sparkassenverlag, an dem Platz vor Office V und im Süden an der Haltestelle Lapp-Kabel gebe es Gestaltungsmöglichkeiten.

Straßenzug wirkt derzeit sehr zerrüttet

Die Plätze, sagte Timon Schilling, sollten Treffpunkte werden, auf denen man gerne verweile: „Dazu gehören Sitzmöglichkeiten und Schutz vor Sonne und Regen, es böten sich pavillonähnlich Gebilde an, außerdem Begrünung. Auf dem großen Daimler-Platz sei auch eine Café-Ecke denkbar. „Die finale Gestaltung hängt aber davon ab, wie das Gesamtkonzept des Boulevards aussieht“, sagte Schilling. Der Straßenzug sei unglaublich breit und mit Stadtbahn, Autoverkehr, Kreisverkehren, Fahrrädern, Fußgängerüberwegen sei dort „unheimlich viel los“. Durch die unterschiedliche Architektur der Gebäude wirke der Straßenzug aber „sehr zerrüttet“.

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Für eine lebendige Gestaltung biete sich an, mit Farbkonzepten zu spielen, zum Beispiel den Bürgersteig mit Color-Asphalt oder Pflaster in unterschiedlichen Farbnuancen einzufärben und einzelne Elemente der Straße farbig zu markieren. „Das funktioniert in den Einzelbereichen ganz gut, aber es verläuft sich, und man hat nicht den Eindruck, den Boulevard bis ganz nach hinten zu erleben.“ Um deshalb außerdem die räumliche Tiefe zu erzeugen, könne man, wenn dies die Stuttgarter Straßenbahnen erlaubten, die Träger der Oberspannleitungen der Stadtbahn in die Gestaltung einbeziehen: „Sie strukturieren den Boulevard sehr schön, wirken wie Torbögen und können die breite Straße etwas zusammenbringen.“

Mitwirkung der Anrainer erforderlich

Um diesen Effekt erheblich zu verstärken, könne man in die Doppel-T-Träger Elemente aus farbigem Acryl-Glas mit einer inneren LED-Leitung einfügen, damit das Ganze auch nachts wirke: „Das schafft erlebbare Tiefe, und man kann auch noch mit der Helligkeit der Acryl-Module spielen.“ Die spannende Aufgabe sei es, das Farb-Konzept mit den Plätzen zu verbinden. Dafür müsse man aber eine einheitliche Sprache finden. Auf den Plätzen könne man noch mit farbigen Hinweisen spielen. Teurer wäre es, noch etwas größer an die Sache heranzugehen und dabei auch an Konstruktionen, Gebilde oder Überspannungen zu denken. Farbige Gebilde könnten dazu beitragen, den Boulevard weiter zu strukturieren. „Wir müssen jetzt die Anrainer zusammenbringen, deren Mitwirkung wir brauchen, damit sie sich das alles für die nächsten, konkreteren Schritte durch den Kopf gehen lassen, und uns dann mit dem Verein Werkquartier zusammensetzen, der das selbe Ziel verfolgt, damit nicht die WIV, der Werkquartierverein und die Stadt nebeneinander arbeiten, anstatt zusammen“, sagte Günter Sabow.