Synodaler Weg Katholische Kirche im Kriechgang
Mit dem Synodalen Weg macht die Kirche einen Schritt in die Moderne – aber nur einen kleinen, kommentiert Michael Trauthig. Was aus manchen Reformbeschlüssen wird, ist ungewiss.
Mit dem Synodalen Weg macht die Kirche einen Schritt in die Moderne – aber nur einen kleinen, kommentiert Michael Trauthig. Was aus manchen Reformbeschlüssen wird, ist ungewiss.
Dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz tapfer den Synodalen Weg verteidigt, ist verständlich. Schließlich ist Georg Bätzing mitverantwortlich für das Reformprojekt und wäre es auch für sein Scheitern gewesen. Doch von einem „großen Meilenstein“ und „wegweisenden Ergebnissen“ zu sprechen, ist übertrieben. Zu mühsam hat sich die Synodalversammlung nach mehr als drei Jahren ins vorläufige Ziel ihres Weges geschleppt. Zu sehr ist die anfängliche Hoffnung auf grundstürzenden Wandel unter den rund 230 Delegierten sichtlicher Ernüchterung gewichen. Die beste Botschaft, die von Frankfurt noch ausgehen kann, lautet daher: Und die katholische Kirche bewegt sich doch, wenn auch sehr langsam und bei vielen Themen zu spät.
Immerhin haben sich die meisten Bischöfe und Laien zusammengerauft. Immerhin wurde offen und auf Augenhöhe diskutiert. Und immerhin haben sich die Mehrheitsverhältnisse geklärt. Auch inhaltlich wurden kleine Schritte in Richtung 21. Jahrhundert gemacht. Einige Beschlüsse zeigen nun, dass nicht nur das Kirchenvolk, sondern endlich auch die meisten deutschen Bischöfe in der gesellschaftlichen Wirklichkeit angekommen sind. So sollen etwa die Voten, Segensfeiern für homosexuelle Paare offiziell zu erlauben und geschlechtliche Vielfalt anzuerkennen, die Benachteiligung von queeren Menschen ein klein wenig verringern. Und das Eintreten für eine stärkere Beteiligung von Frauen an sakramentalen Ämtern signalisiert wenigstens, dass Gleichberechtigung in der Kirche nicht nur ein Wort bleiben soll.
Doch so schön diese und andere Botschaften des Synodalen Weges auch sind: Sie stehen vorerst nur auf dem Papier. Denn echte Entscheidungsbefugnis hatte die Versammlung nicht. Ob empfohlene Vorhaben nun auch umgesetzt werden, hängt in vielen Fällen vom jeweiligen Ortsbischof ab. So wird es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit dem relativ fortschrittlichen Gebhard Fürst an der Spitze eher Veränderung geben als im Erzbistum Köln mit dem stockkonservativen Kardinal Rainer Maria Woelki.
Zudem wird wohl der Vatikan Neuerungen begrenzen. Harsche Warnungen aus Rom dämpften schließlich schon jetzt den Elan einiger Bischöfe. Auch deshalb fanden manche Texte in Frankfurt nur dank weicher Kompromissformeln noch die nötige Mehrheit, wurde ein anderes heikles Thema vertagt. Ob Frauen zu Priestern geweiht werden, der Zölibat gelockert oder die Sexuallehre geändert wird, entscheidet sich nämlich auf Ebene der Weltkirche und nicht am Main.
Franziskus war aber bisher nicht der große Reformator, für den ihn viele wegen seines bescheidenen Auftretens zunächst gehalten haben. Warum nicht? Weil er in Wirklichkeit doch ein Traditionalist ist? Weil er Zurückhaltung üben musste, als sein Vorgänger Benedikt noch lebte? Oder weil die Netzwerke der Konservativen im Vatikan gut funktionieren? Das mag alles eine Rolle spielen. Wichtiger ist aber wohl, dass Franziskus die Einheit der Weltkirche erhalten will. Aus diesem Grund sieht es für jene deutschen Reformanliegen schlecht aus, die etwa in Afrika auf Ablehnung stoßen.
Was von den Frankfurter Ideen an der Basis ankommt, bleibt folglich ungewiss. In jedem Fall dauert es. In drei Jahren sollen die Delegierten auf einer neuen großen Versammlung eine erste Bilanz ziehen. Der Kirche läuft derweil die Zeit davon, weil der Glauben schwindet und die Vertrauenskrise angesichts ständig neuer Erkenntnisse im Missbrauchsskandal kein Ende nimmt. So kehren die Menschen weiter in Scharen der Kirche den Rücken. Die vielen Vertröstungen des Synodalen Weges helfen da nicht.