Synode in Ditzingen Protestanten rücken zusammen

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Der Kirchenbezirk sucht Möglichkeiten der Kooperation mit den Dekanaten Vaihingen und Mühlacker. Eine Fusion auf Landkreisebene ist aber noch in weiter Ferne.

. . . und die Stadtkirche steht mitten in Vaihingen.Die Konstanzer Kirche in Ditzingen ist Mittelpunkt des Bezirks . . . Foto: factum/Bach
. . . und die Stadtkirche steht mitten in Vaihingen.Die Konstanzer Kirche in Ditzingen ist Mittelpunkt des Bezirks . . . Foto: factum/Bach

Ditzingen - D ie Kirchtürme kann man schlecht zusammenrücken. Leichter ist es, miteinander zu überlegen, wie man auf der Ebene der evangelischen Kirchenbezirke und -gemeinden einander ergänzen kann. In diesem Sinn reden die Verantwortlichen der beiden Kirchenbezirke Ditzingen, der dem Strohgäu entspricht, und Vaihingen an der Enz bereits miteinander. Nun will man aus lockeren Gesprächen einen moderierten Prozess über etwa ein Jahr machen – und bezieht mit dem Dekanat Mühlacker im Enzkreis einen dritten Partner ein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass daraus enge Kooperationen werden. Daraus aber eine Fusion der fünf evangelischen Kirchenbezirke im Landkreis Ludwigsburg anzustreben ist in weiter Ferne.

Die evangelische Kirche im Landkreis Ludwigsburg hat gut 200 000 Mitglieder. Sie ist in die fünf Dekanate Ludwigsburg (64 600 Mitglieder), Marbach (38 700), Besigheim (44 400), Vaihingen (28 200) und Ditzingen (32 300) gegliedert. Diese bilden den Verband der Kirchenbezirke im Landkreis. Dieser verantwortet vier Arbeitsgebiete für alle: die Diakonie, also die kirchliche Sozialarbeit, die Erwachsenenbildung, die Notfallseelsorge und die Flüchtlingsarbeit. In Ditzingen kann man sich vorstellen, darüber hinaus mit den Nachbarn in Vaihingen bei den Kindergärten oder der Jugendarbeit künftig enger zu kooperieren.

Dekan: Gemeinsam sind wir stark

„Die Menschen werden älter, die Mitgliederzahlen kleiner, die Herausforderungen wachsen“, sagte der Ditzinger Dekan Friedrich Zimmermann dazu in der jüngsten Bezirksynode, der Vertretung aller 13 Gemeinden. „Gemeinsam sind wir stark“, meinte er. Das Ziel der Gespräche mit den beiden Nachbarn soll es sein herauszufinden, „wo die Chancen von Kooperationen liegen“. Die Synodalen gaben das Startsignal für die Gespräche. Der erste Termin ist Mitte Januar. „Nicht jeder muss alles machen“, meinte Beate Ulmer aus Hemmingen, die Vorsitzende der Synode. Nicht jeder Bezirk müsse zum Beispiel einen eigenen Jugend- oder Diakoniepfarrer haben.

„Es geht um Zusammenarbeit“

Es gehe nicht um Kürzungen, sondern um Zusammenarbeit, betonte der Vaihinger Dekan Reiner Zeyher gegenüber dieser Zeitung. Langfristig könne man gute Dienste bei kleiner werdenden Bezirken nur vorhalten, wenn man die Aufgaben bündele. „Die Fusion ist nicht beschlossen“, betonte Zeyher. Der Kirchenbezirk Vaihingen habe traditionell gute Verbindungen nach Mühlacker, was zurückgehe bis auf das frühere Oberamt Vaihingen. Man habe das Schuldekanat und die Verwaltungsstelle gemeinsam und bilde einen Wahlkreis zur Landessynode.

Die Nachbarn hätten angefragt, ob sie sich in die Gespräche mit Ditzingen einbringen dürften. Entsprechende Beschlüsse sollten die Synoden an diesem Freitag in Mühlacker und nächste Woche in Vaihingen fassen. Der stellvertretende Dekan von Mühlacker, Ernst-Dietrich Egerer, meint dazu, man wolle „ergebnisoffen“ miteinander reden – und benutzt das Wort „Verlobungsgespräche“.

In Stuttgart findet Kooperation schon statt. Dort wurden im Jahr 2008 die früher komplett selbstständigen Kirchenbezirke Stadtmitte, Bad Cannstatt, Zuffenhausen und Degerloch zum Kirchenkreis Stuttgart mit zurzeit 152 600 Mitgliedern fusioniert. Die drei wichtigsten Schwerpunktaufgaben, Diakonie, Hospizarbeit und Erwachsenenbildung, wurden je einem der früheren Außenbezirke zugeteilt. Der Stadtdekan Sören Schwesig vertritt alle vier Bezirke, die nach wie vor eigene Dekane haben. „Die Vorteile überwiegen die Nachteile bei Weitem“, sagt Schwesig – der bis 2013 Schuldekan in Ditzingen war. Man habe in Stuttgart nur noch eine Verwaltung und spreche nach außen, auch gegenüber der Stadt Stuttgart, mit einer Stimme. „Das Miteinander klappt gut“, meint Schwesig. Das Wir-Gefühl unter den 66 Gemeinden könnte allerdings noch besser werden, „es ist eine tägliche Herausforderung“.