Das Profilbild des Museums auf Google Maps hat der Syrer Hasan Bryiez gemacht. Foto: Google Maps
2017 schießt der Syrer Hasan Bryiez ein Foto vom Mercedes-Benz Museum. Heute ist es das Profilbild auf Google Maps und wurde schon 45 Millionen Mal angeklickt. Aber wie kam es da hin?
Vor dem Mercedes-Benz Museum in Bad Cannstatt stellt Hasan Bryiez ein Stativ und eine Kamera auf. Eine Stunde lang steht er da, auf der Suche nach dem perfekten Foto. Die Sonne geht unter, die sogenannte blaue Stunde taucht das Museum in ein geheimnisvolles Licht. Bryiez drückt ab.
Das war 2017. Heute ist das Foto das Profilbild des Museums auf Google Maps. Das Foto, das als erstes angezeigt wird, sobald man auf das Museum klickt. „Das Bild hat mittlerweile 45 Millionen Aufrufe“, sagt der Syrer. Er bekomme monatlich Update-Mails von Google.
Dieses Foto findet heute jeder, der auf Google Maps nach dem Mercedes-Benz Museum sucht. Foto: Hasan Bryiez
Wie ist ausgerechnet sein Bild dorthin gekommen? „Das war eine rein zufällige Geschichte“, sagt Hasan Bryiez. Er habe das Foto damals auf Google hochgeladen. „Einfach so“, sagt er. Einen Hintergedanken habe er nicht gehabt. Hat das Museum das Bild gefunden und es als Profilbild auserkoren? Nein, laut einer Sprecherin habe das Museum keinen Einfluss auf die Fotos, die bei Google Maps angezeigt werden. Möglicherweise wurde es häufig angesehen und wurde dann wohl über einen Algorithmus das angezeigte Bild. Eine entsprechende Presseanfrage bei dem Unternehmen bleibt unbeantwortet.
Für Hasan Bryiez ist das aber nebensächlich. „Ich bin sehr stolz darauf“, sagt der 36-Jährige. Als begeisterter Fotograf und Mercedes-Liebhaber freue er sich über die Anerkennung für sein Bild. Deshalb hat er an Mercedes-Benz geschrieben und das Museum auf das Foto aufmerksam gemacht.
Hasan Bryiez. Foto: Dieter Schlicht
Dort gratuliert man Bryiez zu dem gelungenen Motiv und freut sich mit ihm, dass dieses Bild nach so vielen Jahren immer noch so prominent zu sehen ist. Die Aufmerksamkeit, die das Bild auf Google Maps generiert, tut Bryiez gut. „Ich freue mich über die Anerkennung“, sagt er. Inzwischen habe er als Fotograf ein Nebengewerbe angemeldet und verdiene damit Geld. Hauptberuflich arbeite er bei einem Bamberger Wohnungsunternehmen, dort sei er für den Fuhrpark zuständig. „Ich bin ein großer Auto-Fan“, meint Bryiez.
Das Foto vom Automuseum ist nicht das einzige, das er auf Google hochgeladen hat. Auch das Schloss Neuschwanstein hat er abgelichtet, das Haus der Kulturen der Welt in Berlin – und den Stuttgarter Schlossplatz. „Die Bilder haben auch viele Aufrufe, das sind aber keine Profilbilder“, sagt er.
Auf der Flucht musste er seine Kamera zurücklassen
Fotografie ist schon lange eine Leidenschaft des Syrers. Mit 16 oder 17 Jahren hat er damit angefangen. Damals lebte er in Damaskus. Er fotografierte, wenn sein Studium der arabischen Literatur und sein Vollzeitjob in der Personalbuchhaltung es erlaubte. Studium und Vollzeitjob – „das macht man bei uns so“, sagt er. Zumindest bis zum letzten Jahr seines Studiums. Dann begann der Krieg in Syrien. Er musste fliehen.
Erst nach Jordanien, wo er zweieinhalb Jahre lebte. Dann weiter nach Deutschland. „Meine Kamera musste ich zurücklassen“, erzählt er. Nur einen Rucksack mit dem Nötigsten durfte mit. 21 Tage lang war er unterwegs, überquerte das Mittelmeer, kämpfte sich zu Fuß bis nach Deutschland durch. „Eine schreckliche Reise“, sagt er heute. Erst einige Monate später brachte ihm jemand die Kamera aus Jordanien mit. „Als sie kam, war ich richtig glücklich“, sagt Hasan Bryiez.