Syrien-Besuch Eine ausgestreckte Hand – mit gebotener Vorsicht

Annalena Baerbock bei einem Treffen mit der neuen Führung in Damaskus. Foto: dpa/Jörg Blank

Außenministerin Baerbock ist nach Syrien gereist, um mit den neuen Machthabern zu sprechen. Das ist ein richtiges Zeichen, aller Risiken zum Trotz, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Berlin: Tobias Heimbach (toh)

Nicht einmal einen Monat ist es her, dass Diktator Baschar al-Assad Syrien verlassen musste. Innerhalb von Wochen zerbrach ein Jahrzehnte währendes Regime. Noch ist völlig offen, was danach kommt. Die neuen Machthaber sind Islamisten – und doch gibt es gibt Anzeichen, dass in dem Land vieles besser werden könnte als in den vergangenen Jahren.

 

Am Freitag ist Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) nach Damaskus gereist, um die neuen Machthaber zu treffen. Ein richtiger Schritt – trotz aller Risiken.

Europa hat ein Interesse daran, dass sich das Land gut entwickelt. Schließlich stammt der größte Teil der Flüchtlinge aus den vergangenen Jahren aus Syrien. Viele haben die Hoffnung, in ihr Heimatland zurückkehren zu können.

Positiv ist ebenfalls, dass Baerbock gemeinsam mit ihrem französischen Amtskollegen und im Auftrag der EU reiste. Das ist ein starkes Signal der Europäer.

Die neuen Herrscher in Damaskus haben bisher trotz ihres islamistischen Hintergrunds positive Signale gesendet: Man wolle eine friedliche Zukunft für alle Volksgruppen im Land. Und immerhin sind nach Assads Fall bislang kleine flächendeckenden Racheaktionen bekanntgeworden. Ob das so bleibt, muss man abwarten – und die Machthaber an ihren Taten messen, wie es das Auswärtige Amt selbst formulierte.

Doch solange es eine Chance auf eine positive Entwicklung gibt, ist es richtig, der neuen Regierung die ausgestreckte Hand zu reichen. Dazu gehören diplomatische Gesten und Symbole wie der Besuch von Baerbock. Dazu gehört aber auch handfeste Hilfe. So hat Deutschland 60 Millionen Euro bereitgestellt für die Millionen Syrer, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.

Syrien hat sich allein von der Diktatur befreit. Damit der Frieden in dem Land eine Chance hat, sollte Europa seinen Beitrag leisten.

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