Nachdem die Evakuierungen ins Stocken geraten sind, explodiert in der Nähe von Bussen offenbar eine Autobombe. Sie tötet etliche Menschen.

Beirut - Während der Evakuierungen in Nordsyrien sind bei einem Anschlag Dutzende Menschen getötet worden. Ein syrischer Fernsehsender sprach nach dem Angriff am Samstag von 39 Toten, die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte von mindestens 43. Nach Angaben eines oppositionellen Rettungsdienstes sind es sogar mindestens 100 Menschen, die ums Leben gekommen sind.

Die Explosion ereignete sich am Samstag an einem Evakuierungspunkt südlich der Stadt Aleppo, wo Dutzende Busse seit mehr als 30 Stunden parkten, während vereinbarte Evakuierungsmaßnahmen ins Stocken geraten waren. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Detonation sei von einer Autobombe ausgelöst worden. Der Sender Al-Ichbarija zeigte Bilder von mehreren Leichen, die auf dem Boden verteilt lagen. Im Hintergrund waren dichte Rauchschwaden zu sehen.

Ein führender Vertreter der Opposition sagte, dass 20 Rebellen getötet worden seien, die die Busse bewacht hätten. Außerdem seien Dutzende Passagiere ums Leben gekommen, sagte er.

Weiterfahrt verweigert

Die zwischen der syrischen Regierung und den Rebellen vereinbarten Evakuierungen mehrerer belagerter Orte waren nach Angaben von Aktivisten und Einwohnern am Samstag ins Stocken geraten. Männer, Frauen und Kinder hätten die Nacht in Bussen an einem Kontrollpunkt in der überwiegend von Rebellen kontrollierten Provinz Idlib verbringen müssen, berichteten die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle und evakuierte Einwohner.

Der Leiter der Bebachtungsstelle, Rami Abdurrahman, sagte, Regierung und Rebellen stritten über die Ausreise von Kämpfern aus den belagerten Städten. Ein Einwohner aus der Umgebung Madajas, Ahmed Afandar, berichtete, Dutzenden Bussen sei die Weiterfahrt nach Idlib verweigert worden.

Evakuierung von rund 10 000 Bewohnern

Am Freitag war mit der Evakuierung von rund 10 000 Bewohnern aus vier belagerten Städten begonnen worden. Dabei handelt es sich um zwei von Rebellen belagerte Orte im Norden Syriens und zwei von Regierungstruppen belagerte bei Damaskus.

Kritiker haben das Abkommen als erzwungene Vertreibung kritisiert. Die Vereinten Nationen überwachen die Evakuierungen nicht, der Syrische Rote Halbmond schon.

Bewohner von Sabadani und dem benachbarten Madaja sagten, die Bedingungen in den beiden Städten seien zu hart zu ertragen geworden. Die Städte werden seit Sommer 2015 von regierungsnahen Kräften belagert. Bewohner mussten Nagetiere jagen und Gras kochen, um in den Wintermonaten nicht zu verhungern. Fotos von mageren Kindern, die zu wenig zum Essen haben, schockierten die Welt.

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