Szene Ludwigsburg Veilchenpoesie und Ermutigung

Christian Lindner ist nur einer der  Mutmacher, die jetzt im Kreis unterwegs waren. Foto: dapd
Christian Lindner ist nur einer der Mutmacher, die jetzt im Kreis unterwegs waren. Foto: dapd

Christian Lindner (FDP) und der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) waren jetzt zu Gast im Kreis Ludwigsburg. Der eine strahlte, der andere mahnte.

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Kreis Ludwigsburg - Ein Goldenes Buch ist so etwas wie das öffentliche Poesiealbum einer Stadt. Aber trotzdem schreibt niemand Sprüche hinein wie „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein“. Nein, wer sich hier verewigen darf, der ist ja über den Stand der Zurückhaltung schon ein wenig hinausgekommen. Und so war es auch nicht zu erwarten, dass sich der 33-jährige Liberale Christian Lindner mit Veilchen-Poesie im Goldenen Buch der Stadt Gerlingen verewigen würde.

Er schrieb dennoch etwas dem Anlass Angemessenes. „Mit herzlichem Dank für den freundlichem Empfang anlässlich der Ehrung der ,42-Jahr’-Jubilare.“ Das ist das Männerquartett (Jahrgang 1942) Wolfgang Weng, Paul Stuhlmüller, Gerhard Lederer und Peter Zydel. Zu deren 70. Geburtstag hatte Weng den FDP-Hoffnungsträger aus Nordrhein-Westfalen ins Strohgäu eingeladen. Da war Lindner noch FDP-Generalsekretär. Aber die Beliebtheitswerte gingen schon damals nach unten. Und so war Lindners Spruch zurückhaltend höflich. Aber die Haltung, mit der er die Worte schrieb, war eine ganz andere. Lindner kam, ergriff den Stift und schrieb. In großen, schwungvollen Bögen. Ohne abzusetzen, zu stocken oder gar kurz nachdenken zu müssen. Und dann strahlte er, als habe das Politikbarometer seiner Partei nicht vier, sondern 18 Prozent prognostiziert. Er strahlte in die Kameras. Er strahlte ins Publikum, als er es mitnahm auf seine Reise durch die Politik.

Dabei spielte der Mutmacher dann doch einmal kurz Veilchen. „Stehen Sie zur Verfügung, damit wir etwas ändern können?“, kam die Frage aus dem Kreis der Gäste. Lindner ließ die Frage unbeantwortet und betonte sein Vertrauen in die Liberalen, die in Berlin die Geschäfte führen.

In Ludwigsburg war am Donnerstag aber noch ein ganz anderer als Mutmacher unterwegs: Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel. Der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts, Frank Baasner, hatte zunächst anlässlich des 50. Geburtstags des Elysée-Vertrags einen Überblick über die Beziehungen der beiden Länder zueinander geben. Seine Beobachtung: in der Krise der EU scheint die Begegnung auf Augenhöhe nicht mehr selbstverständlich zu sein. Sein Tenor: die Strukturen zum Miteinander sind da, „um genutzt zu werden“. Da drängte es auch Teufel noch einmal zu einer längeren Ausführung ans Rednerpult. „Es bedarf der Friedensstifter in jeder Generation“, sagt der überzeugte Europäer. Er klang dabei sehr besorgt.




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