Szenebar Eisbär in Esslingen Neue Pächter aus den eigenen Reihen

Svenja Küttenbaum und Jan Ihmels mussten nicht lange überlegen, ob sie den Eisbären übernehmen wollen. Foto: Feicht

Esslingens einziger Heavy-Metal-Bar steht ein Umbruch bevor. Der aktuelle Pächter hört im Juli auf. Wir haben mit den Nachfolgern Jan Ihmels und Svenja Küttenbaum gesprochen.

Nach elf Jahren ist für Thorsten Lengle im Eisbär im Juli Schluss. Der 41-Jährige Pächter der Musikbar möchte sich mehr auf Familie und Freizeit konzentrieren. Kein Wunder, ist das Esslinger Heavy-Metal-Lokal doch ein Vollzeitjob neben dem Vollzeitjob. Bestellungen aufgeben, putzen, Abrechnungen machen, Schichtpläne erstellen, Events und Konzerte organisieren – alles Arbeiten, die zusätzlich zum Barbetrieb erledigt werden müssen. „Allein von der Bar leben, kann man nicht“, sagt einer, der bald neuen Pächter Jan Ihmels. Warum tut man sich das also an?

 

Das kann die baldige neue Co-Chefin Svenja Küttenbaum leicht beantworten. Denn für die Mitarbeiter und Stammgäste ist der Laden in der Esslinger Altstadt ein Lebensmittelpunkt: „Ich kenne quasi alle meine Freunde aus dem Eisbären“, sagt Küttenbaum. Die gelernte Kfz-Mechatronikerin hat sich hier während ihrer Ausbildung anfangs ein Zubrot verdient. So ist die 26-Jährige ein fester Bestandteil der „großen Familie“ geworden, wie sie es nennt. Denn unter den augenscheinlich harten Heavy-Metal-Fans mit langen Haaren und Lederjacken – wenn man dieses oft zutreffende Klischee heranziehen möchte – ist der Umgang herzlich.

Eisbär-Gäste packen mit an

Laut Küttenbaum kommen die Gäste häufig auch in ihrer Freizeit, um beispielsweise beim Renovieren zu helfen oder springen auch mal ein, wenn es im laufenden Betrieb etwas zu tun gibt. So war es auch bei Jan Ihmels. Der 37-Jährige ist seit 2007 Stammgast. Nach und nach wurde der Eisbär ein Lebensmittelpunkt für ihn. „Anfangs habe ich gelegentlich mal geholfen Gläser zu spülen“, erzählt er.

Später hat sich der Fachinformatiker auch um die Lichttechnik bei Konzerten gekümmert oder als DJ Musik aufgelegt. Im vergangenen Jahr sei dann Thorsten Lengle auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, die Bar zu übernehmen, erzählt Ihmels. Für ihn sei es eine leichte Entscheidung gewesen: „Ohne den Laden wäre mein komplettes Leben ein anderes. Es sind viele Freundschaften hier entstanden. Es ist die Liebe zur Musik, die Liebe zum Eisbären und der Eisbär-Community.“ Kurze Zeit später sei die Entscheidung gefallen, Svenja Küttenbaum als zweite Pächterin mit ins Boot zu holen.

Urlaub genommen, um im Eisbär zu arbeiten

Mit seinem Beruf als Informatiker sei die Arbeit in der Bar gut zu vereinbaren. „Ich arbeite 100 Prozent im Homeoffice, und die eher körperliche Arbeit hier unterscheidet sich genug von der Arbeit am Computer, sodass es Spaß macht“, sagt Ihmels. Während er früher eher hinter den Kulissen mitangepackt hat, will er zukünftig auch hinter dem Zapfhahn stehen. Svenja Küttenbaum arbeitet schon in der Gastronomie, seit sie 16 Jahre alt war. Zudem ist sie in der Assistenz einer Esslinger Werkstatt beschäftigt. Aber die Arbeit im Eisbären sei eine Herzenssache. Während des vergangenen Weihnachtsmarkts habe sie extra Urlaub genommen, um hier abreiten zu können.

Während der Esslinger Musiknacht ist der Eisbär die erste Adresse für Metal-Fans. Foto: Roberto Bulgrin

Bei der Entscheidung, die Bar zu übernehmen, ist es den beiden vor allem ein Anliegen, dass es mit dem Eisbären weitergeht. Schon seit den 80er-Jahren – damals noch unter anderem Namen – würden diese Räume die lokale Rock- und Metal-Szene zusammenbringen: „Wir wollen, dass nachfolgende Generationen dieselbe Gemeinschaft erleben dürfen, wie wir“, sagt Ihmels. Zumal es kaum Szenebars in dieser Form in der Region gebe. „In Stuttgart gibt es noch den Schwarzen Keiler und hier in Esslingen noch das Astra, aber die spielen ja eher Rock.“

Der Eisbär bleibt der Eisbär

Daher überrascht es kaum, dass es nur wenige Änderungen im Programm geben wird. Die schon etablierten Motto-Abende werden weiterhin stattfinden, etwa der Black-Friday am ersten Freitag des Monats, an dem die harten Metal-Platten aufgelegt werden, oder die Zeitreise, bei der eine Jahreszahl gewürfelt wird und anschließend jeweils fünf Heavy-Metal-Songs aus diesem Jahr gespielt werden.

Bald auf Instagram

„Es sind noch einige Dinge in der Schwebe. Wir wollen schauen, dass wir wieder etwas regelmäßiger Konzerte veranstalten“, sagt Svenja Küttenbaum. Ein großes Ziel sei allerdings, präsenter in sozialen Medien wie Instagram zu sein, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. Auch die Internetseite soll wiederbelebt werden. „Wegen Corona gibt es mehrere Jahrgänge, die kaum wissen, dass wir existieren“, sagt Ihmels. Auch Studenten seien eine neue Zielgruppe, die mit speziellen Studentenabenden – vielleicht ergänzt durch ein Brettspielangebot – in die Bar gelockt werden sollen.

Natürlich spüren sie auch im Eisbären den Personalmangel, der in der Gastronomie herrscht. Derzeit würden sie noch von fünf Mitarbeitern unterstützt, aber mehr Personal sei nötig. Wer Lust habe, auch Teil der „Eisbärfamilie“ zu werden, könne sich ganz unverbindlich an der Theke melden.

Ab Mittwoch darf gerockt werden

Öffnungszeiten
Der Eisbär hat von Mittwoch bis Samstag ab 19 Uhr geöffnet, unter der Woche bis ungefähr 1 Uhr, freitags und samstags bis 3 Uhr nachts.

Engagement
Die Musikbar unterstützt auch das Esslinger Benefiz-Festival „Rock for one World“. Dieses Engagement soll auch unter den neuen Pächtern fortgesetzt und perspektivisches ausgeweitet werden.

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