InterviewHandballer Patrick Zieker vom TVB Stuttgart „Wir sollten die Tabellenführung nicht zu hoch hängen“

Von ump 

Der TVB Stuttgart ist Überraschungsspitzenreiter der Handball-Bundesliga. Doch der 26-jährige Linksaußen Patrick Zieker will das Thema nicht zu hoch hängen. Es gibt andere Probleme.

Freud und Leid bei Patrick Zieker Foto: Pressefoto Baumann
Freud und Leid bei Patrick Zieker Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Der TVB Stuttgart ist nach dem 30:24-Sieg gegen den SC DHfK Leipzig mit 9:3 Punkten erstmals Tabellenführer der Handball-Bundesliga – zumindest bis Samstagabend. Patrick Zieker ist der Linksaußen im Team. Der 26-Jährige hat eine turbulente Woche hinter sich – und steht Rede und Antwort.

Herr Zieker, was überwiegt denn diese Woche: Die überraschende Tabellenführung mit dem TVB Stuttgart oder die Enttäuschung über die Ausbootung im Nationalkader?

Ganz klar die Freude über den nächsten Heimsieg gegen Leipzig, den wir uns auch verdient haben, wir waren die bessere Mannschaft. Es war ein super Spiel von uns, das ist gar nicht so einfach nach so einem Highlight wie am vergangenen Sonntag in Magdeburg (30:29-Sieg, Anm. d. Red.). Das ändert aber nichts daran, dass ich ein Stück weit enttäuscht war über die Nichtnominierung im Nationalteam.

Glauben Sie denn, dass Sie sich durch die Erfolge mit dem TVB vielleicht wieder in den Fokus des Bundestrainers Alfred Gislason spielen können?

Ich glaube, der Bundestrainer schaut sich alle Mannschaften an – egal, ob sie auf dem ersten oder letzten Platz stehen. Das spielt keine Rolle. Wichtig ist in unserer Sportart sowieso, als Mannschaft zu glänzen. Aber natürlich gibt es auch persönliche Ziele – da zählt die Nationalmannschaft dazu. Deshalb versuche ich einfach, im Verein meine Leistung zu bringen, der Mannschaft so zu helfen, dass wir erfolgreich sind. Vielleicht bekomme ich dann auch wieder einen Anruf vom Bundestrainer.

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Waren Sie denn schon mal Bundesliga-Tabellenführer in der langen Zeit zuvor mit dem TBV Lemgo?

Vielleicht war ich es in Lemgo mal nach dem ersten Spieltag, als wir gewonnen haben. Natürlich ist das jetzt schön, aber ich bin kein Freund davon, das so hoch zu hängen.

Dennoch sei die Frage erlaubt: Was macht die Mannschaft des TVB so stark? Sie haben ja jetzt auch schon gegen Lemgo, Magdeburg und Leipzig gespielt, die nicht gerade zu den Abstiegskandidaten zählen?

Momentan zeichnet uns sicher die Deckung aus, mit einem überragenden Torhütergespann dahinter, die sich beide einbringen. Und wir treten als Mannschaft sehr gut auf, haben einen Teamgeist, den wir mit in jedes Spiel nehmen. Und es spielt sich natürlich immer einfacher, wenn man schon Erfolgserlebnisse hatte. So was gibt auch Selbstvertrauen. Und wenn man mit Geduld im Angriff die richtigen Entscheidungen trifft, dann tut man sich auch leichter, Spiele zu gewinnen.

Das Ziel beim TVB heißt ja auch in dieser Saison Klassenverbleib. Geht vielleicht nicht doch etwas mehr?

Wir sind noch viel zu früh in der Saison, die sowieso sehr schwierig und lang wird durch die Corona-Geschichte. Deshalb bleibt das erste Ziel der Klassenverbleib. Umso besser, je früher wir den sicher haben. Jetzt schon weiter zu denken, da bin ich kein Freund davon.

Am Donnerstagabend gegen den SC DHfK Leipzig gab es nochmals 500 Zuschauer, die Spiele im November werden ohne Fans ablaufen. Ist das dann doch ein Unterschied?

Wir haben in der Vorbereitung Spiele ohne Zuschauer gehabt und gemerkt, das ist etwas anderes. Da reichen schon 500 in der Halle, über die wir uns freuen. Wir haben gehofft, dass es anders läuft. Von daher ist es sicher ein Rückschlag und eine kleine Enttäuschung, den ganzen November ohne Zuschauer spielen zu müssen.

Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Bleiben Sie beim TVB Stuttgart?

Das wird die Zeit zeigen, wenn wir die Gespräche führen. Im Moment ist alles gut.

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