Was den Zustrom von Menschen anlangt, ist die jetzige Flüchtlingswelle in der Landeshauptstadt bereits größer als die von 2015 und 2016. So hat die Stadt in nur zehn Tagen rund 2100 Schutzsuchende aus der Ukraine aufgenommen. „Täglich kommen 200 bis 250 dazu“, sagte Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) am Montag im Sozialausschuss des Rats. Deshalb sei eine Verteilung der Menschen in die Region und aufs Land besonders wichtig. Es gehe dabei nicht nur um die Unterbringung der Menschen, sondern um die Schaffung von Betreuungsangeboten.
Weitere 800 Plätze in dieser Woche
Stadträtin Jasmin Meergans von der SPD mahnte bei Kreisen, Städten und Gemeinden mehr „Solidarität und Aufnahmebereitschaft“ gegenüber Stuttgart an. Alexandra Sußmann dankte den Kreisen Böblingen und Schwäbisch Hall, die am Wochenende 150 beziehungsweise 50 Geflüchtete aus Stuttgart übernommen hätten. Aus ihrer Sicht wäre es aber besser, wenn die Verteilung „über das Land gesteuert werden würde“.
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Stuttgart habe derzeit insgesamt rund 2400 Plätze für Geflüchtete in Hotels und Hallen, in dieser Woche kämen „wahrscheinlich noch 800 dazu“, so Sußmann. Die Sozialbürgermeisterin betonte, dass die derzeitige Lage nur zu bewältigen sei dank des großen Einsatzes der Verwaltungsmitarbeiter, der stark engagierten Ehrenamtlichen am Hauptbahnhof und in Unterkünften sowie durch die Helfer des Bevölkerungsschutzes wie DRK, Malteser, DLRG und THW.
Bisher geringe Corona-Positivrate
Weil das Personal in den Hotels, wo Geflüchtete untergebracht sind, mit den Anliegen der Menschen überfordert sind, sollen diese von Teams der Malteser unterstützt werden. Um in den drei Hallen, eine in Münster, zwei bei der Porsche-Arena, die für die Unterbringung genutzt werden, mehr Privatsphäre zu schaffen, sollen dort „durch Messebauer Trennwände aufgestellt werden“, erklärte Branddirektor Georg Belge.
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Anders als in der vorigen Flüchtlingswelle, als sehr viele jüngere Menschen kamen, sind unter den Ankommenden jetzt auch Ältere und sogar Hochbetagte mit einem gewissen Betreuungsbedarf, erklärte Sozialamtsleiterin Franziska Vogel. Relativ gering ist die Betroffenheit durch Corona-Infektionen. Bei rund 2400 Tests in Unterkünften lag die Positivrate nur bei zwei Prozent.