Der Sieg ebnet Bachmann derweil noch nicht den Weg zu Olympia, an den Qualifikationsturnieren will der 29-Jährige, der in Freiberg aufwuchs und aktuell in Münchingen lebt, allerdings trotz des Erfolgs nicht teilnehmen. „Dieses Jahr lasse ich langsam auslaufen mit zwei oder drei Wettkämpfen“, sagt der Taekwondoka. „Nächstes Jahr höre ich wahrscheinlich ganz auf, das Pensum der letzten Jahre war zu groß.“ Karriereende statt Olympia also. Grund ist vor allem die Verletzungshistorie. Eine Hüftoperation, Brüche der Finger und Hände, Wassereinlagerungen in den Beinen und Füßen sowie weitere Blessuren stehen auf der langen Liste seines Leidens. „Die vielen Verletzungen haben den Weg schwieriger gemacht“, erklärt Bachmann. „Ich habe entschieden, dass ich diesen harten Weg nicht mehr gehen will.“
Bachmann war 2021 in Tokio bei Olympia
Der Sportsoldat bei der Bundeswehr wird damit am Ende seiner Laufbahn auf eine Olympia-Teilnahme zurückblicken, 2021 in Tokio. Seinen größten Triumph feierte der Schwabe bereits vier Jahre zuvor, als er sich in Südkorea, der Heimat des Taekwondo, zum Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 87 Kilogramm kämpfte. „Ich konnte es damals leider nicht wirklich realisieren, weil es so unerwartet kam“, erzählt Bachmann. „Eine Medaille habe ich mir zugetraut, aber an Gold habe ich nie gedacht.“ Weiteres Edelmetall bei nationalen sowie internationalen Leistungsvergleichen und Weltranglistenturnieren lassen ihn ins Schwärmen geraten. „Ich habe viele Medaillen gewonnen, das macht mich stolz“, sagt er. „Im Verein bin ich ein Vorbild.“
Eben dort, beim TKD Center Stuttgart in Zuffenhausen, leitet Bachmann bereits Trainingsstunden und möchte das nach seinem Karriereende weiterführen, vor allem mit den Kleinsten. Seine Tochter Ova wird er nicht zwingen, seiner Leidenschaft nachzugehen, war es für ihn ein weiter Weg bis zu den Erfolgen. Sein Vater und sein Bruder übten die asiatische Kampfkunst aus, deshalb war auch Alexander Bachmann immer wieder beim Training dabei und versuchte, besser zu werden. „Mein späterer Erfolg hat sich nicht abgezeichnet. In der Jugend habe ich viele Turniere verloren und war nicht immer motiviert, meine Freunde haben Fußball gespielt“, berichtet er. Doch der spätere Weltmeister blieb dran, was sich ausgezahlt hat.
Das ist Taekwondo
Generell ist diese Haltung eine Grundtugend der Taekwondo-Lehre. „Ich gebe nicht so leicht auf“, sagt der Familienmensch, und fügt an: „Man entwickelt durch das Training Selbstdisziplin und stärkt sein Selbstbewusstsein.“ Beim Taekwondo erlernen die Schüler 24 verschiedene Formen, ihren Körper zu bewegen. Das Wort setzt sich aus den Silben „Tae“ für die Beinarbeit, „Kwon“ für die Hand- sowie Armtechnik und „Do“ für den Weg zusammen. Letzteres symbolisiert den Prozess des Erlernens. „Taekwondo ist eine sehr elegante und strategische Kampfsportart, kein stumpfes Rumgehaue“, sagt Bachmann, der selbst lieber Konflikten aus dem Weg geht, als seine Selbstverteidigungskünste unter Beweis zu stellen.
Wenn ab dem 26. Juli in Frankreich die olympischen Spiele beginnen, wird er nicht dabei sein, aber die Wettkämpfe vor dem heimischen Fernsehen verfolgen. „Das wird an meinem Ego kratzen, aber meine Gesundheit steht im Vordergrund“, sagt der 29-Jährige. „Ich stehe hinter meiner Entscheidung. Wenn man morgens aufwacht, und alles weh tut, muss man ein Ende finden.“
Weitere Erfolge des TKD Center Stuttgart bei den deutschen Meisterschaften
Nicht nur Alexander Bachmann brachte Edelmetall aus Ochsenhausen mit nach Zuffenhausen, wo das TKD Center Stuttgart beheimatet ist. Drei Jugendliche sowie zehn Senioren waren in Oberschwaben vertreten. Dabei wurd Anastacia Margarynt in der Kategorie bis 49 Kilogramm deutsche Vizemeisterin. Im Halbfinale schaltete sie ihre Vereinskollegin Anastazija Pancic aus, welche sich später die Bronzemedaille sicherte. Im Jugendbereich ergatterte sich Nina Damnjanovic bei ihrem ersten Auftritt überhaupt den dritten Rang. Insgesamt holten die Stuttgarter also je eine goldene sowie silberne Medaille, zudem zweimal Bronze.