InterviewTafeln im Kreis Ludwigsburg „Wir können uns nicht wappnen“

Von Michael Bosch 

Auch manche Tafel in der Region Stuttgart trifft das Coronavirus. Sie klagen darüber, dass sie immer weniger Lebensmittel von Supermärkten bekommen. Wie sieht es im Kreis Ludwigsburg aus?

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Kreis Ludwigsburg - In anderen Landkreisen klagen Tafelläden über leere Regale, weil Supermärkte kaum noch Waren abgeben. Der Grund: Hamsterkäufer, die sich für den Notfall rüsten wollen, kaufen auch Lebensmittel kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums. Wie die Situation im Kreis Ludwigsburg aussieht, weiß Anne Schneider-Müller, die Leiterin der Ludwigstafel.

Frau Schneider-Müller, wie gut gefüllt sind die Regale in den Tafelläden im Kreis Ludwigsburg?

Eigentlich noch recht gut. Wir stellen im Allgemeinen noch nicht fest, dass sich am Angebot in unseren Läden seit dem Ausbruch des Coronavirus groß etwas geändert hat. Wir bekommen ohnehin ja hauptsächlich Lebensmittel, die leicht verderblich sind, und die die Supermärkte zwangsläufig abgeben müssen. Produkte, die noch lange haltbar sind, erhalten wir in der Regel sowieso nicht. Saisonale Einbrüche beim Obst und Gemüse bemerken wir, wie jedes Jahr, im Winter.

Wie sieht es mit Großspenden aus, über die Sie Lebensmittel wie Nudeln erhalten?

Auch daran hat sich noch nichts geändert und wir hoffen, dass dies auch so bleibt.

Lesen Sie hier: Sindelfingen – Regale im Tafelladen leer wegen Corona

Hamstern die Leute, die in die Tafelläden kommen, auch?

Ja, teilweise kommt es vor, dass die Menschen mehr mitnehmen möchten. Wir geben die Menge der Lebensmittel aber nach wie vor nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen ab. Aber Sie müssen auch bedenken, die Leute, die zu uns kommen, haben ja immer noch wenig zur Verfügung. Die können nicht einfach – wie Sie oder ich – mal kurz 50 Euro mehr für Lebensmittel ausgeben.

Wie bereiten sich die Tafeln darauf vor, dass eventuell noch weniger Lebensmittel von den Märkten abgegeben werden?

Dafür können wir uns gar nicht wappnen. Wir sind nun mal auf die Spenden angewiesen – und wenn es weniger wird, wird es eben weniger. Wir sind aber momentan noch frohen Mutes und gehen einigermaßen gelassen damit um.

Sie horten also keine Lebensmittel?

Nein, das können wir gar nicht. Wir haben zwar einen gewissen Vorrat an Nudeln, Reis und Konserven, die zusätzlich abgegeben werden, wenn das tägliche Spenderangebot zu gering ist. Damit können wir noch eine Weile auskommen.

Hat der Ausbruch des Coronavirus‘ denn Auswirkungen auf die Arbeit der Tafel?

Wir handhaben das so, wie vom Robert-Koch-Institut empfohlen. Den Mitarbeitern wurde gesagt, sie sollen einfach daheimbleiben, wenn sie sich nicht gut fühlen – besonders die älteren. Und wir achten verstärkt auf die Hygiene. Nicht nur im Laden, sondern auch bei unseren Fahrern, die zum Beispiel öfters mal das Lenkrad desinfizieren sollen.




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