Tag der Artenvielfalt in Aidlingen auf dem Venusberg Pflanzen und Tiere haben mit Dürre zu kämpfen

Wacholderheiden sind immer schon magere und trockene Standorte – doch in diesem Jahr bestimmt die Farbe Strohgelb die Szenerie am Venusberg fast allerorten. Foto: /Stefanie Schlecht

Magerwiesen, Trockentälern, Wacholderheiden: Beim „Tag der Artenvielfalt“ wird die Natur am Aidlinger Venusberg, dem größten Naturschutzgebiet des Landkreises Böblingen, ausgiebig erkundet. Einige Arten sind schon verschwunden.

Der Venusberg ist mit 115 Hektar das größte Naturschutzgebiet im Landkreis Böblingen und bedeckt fast acht Prozent der Markungsfläche von Aidlingen. Bei mehreren Wanderungen erkundeten am Wochenende im Rahmen des „Tags der Artenvielfalt“ unter Anleitung zertifizierter Heckengäu-Naturführer Interessierte die Tier- und Pflanzenwelt zwischen Magerwiesen, Trockentälern, Wacholderheiden und Hagebuttenhecken.

 

Einen Kleinflugplatz abgewendet

Auf Du und Du mit Flora und Fauna zeigte sich am Sonntag Ursula Kupke. Kein Wunder, wohnte sie doch in jungen Jahren in Lehenweiler, und ihr Vater, der frühere Landrat Karl Heß, war einer der wesentlichen Initiatoren, dass der Venusberg vor 30 Jahren vom Landschaftsschutz- zum Naturschutzgebiet wurde und Pläne für einen dort geplanten Kleinflugplatz auch nach Bürgerprotesten endgültig in der Schublade verschwanden.

Von Silberdisteln und Orchideen keine Spur

„Der Magerrasen war früher reich an Silberdisteln und Orchideen“, stellte die Führerin ob der teilweise vergeblichen Ausschau am Rand des den Venusberg umrundenden Haldenweges etwas traurig fest. „Die Bilanz ist eine sehr negative“: Die Frage, wie es weitergeht mit der Natur, erfüllt Ursula Kupke mit großer Besorgnis. Jeder Einzelne stehe in der Verantwortung und sollte sich überlegen, was zum Erhalt von Arten und Lebensräumen beigetragen werden könne.

Die aktuelle Dürre ist eklatant. Dessen ungeachtet bestimme die Trockenheit schon immer den Charakter des Gebietes, dessen obere Muschelkalkschicht das Wasser nicht halten und speichern kann. Der Weg war, wenn auch nicht mehr in den Massen wie einst, trotzdem begleitet von Blühpflanzen in reichlicher Zahl. Karthäusernelke, Nelkenwurz, Odermennig, Johanniskraut, Weißdorn oder Klappertopf und viele andere „Schätze am Wegesrand“ konnte Ursula Kupke in natura dann doch vorführen. Und auch gleich von deren Wirkung als Tee oder in anderer Zubereitungsform berichten.

Ebenso entdeckte die Gruppe beim aufmerksamen Hinsehen Zittergras – „eine Rarität hier“, kleine Heuschrecken und viele andere Insekten. Sowie schließlich auch die eher unauffällig lila blühende Braunelle, Blume des Jahres 2023. Nicht mehr dagegen anzutreffen sind schützenswerte Arten wie Türkenbund oder Golddistel, die seit 1993 zum Leidwesen der Fachfrau aus dem Naturschutzgebiet verschwunden sind. Entwarnung gab Ursula Kupke nur beim Knabenkraut, das sie nach mehr als zehn Jahren Pause an einigen Stellen wieder gefunden habe.

Die Hitze begleitet auch die Wanderer und dünnt die Teilnehmerschar aus

„Der Tag der Artenvielfalt ist eigentlich am Sonntag“, erklärte Ursula Kupke ihrer wegen der Hitze auf ein halbes Dutzend geschrumpften Begleiterschar. Trotzdem fanden in Aidlingen auf und um den Venusberg auch am Samstag drei weitere ebenfalls interessiert angenommene Wanderungen mit anderen Heckengäu-Naturführern statt. Bereits am Vormittag stand ein vogelkundlicher Spaziergang auf dem Programm, am Nachmittag gab es interessante Geschichten auch zu den menschlichen Bewohnern, und vor Sonnenuntergang genoss eine weitere Gruppe die beschauliche Abendstimmung auf der Wacholderheide.

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