Tag der Industrie Merz und der BDI: Die Messlatte sehr hoch gelegt

Bundeskanzler Merz will die Wirtschaft in Schwung bringen – und so schnell wie möglich liefern. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Kanzler Friedrich Merz und der Chef des Bundesverbandes der Industrie, Peter Leibinger, versichern sich zum Start eine enge Kooperation. Jetzt müssen Taten folgen, meint unser Autor.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Wer noch einen Beleg benötigt hat, dass sich Friedrich Merz vor allem als Außenkanzler versteht, der müsste nach seinem Auftritt beim Tag der Industrie überzeugt sein. Es sind vor allem die vielfältigen globalen Brandherde, die ihn wahrscheinlich dauerhaft in Anspruch nehmen werden – er sucht diese Herausforderung geradezu.

 

Außenpolitik und Wirtschaft hängen eng zusammen

Allerdings lassen sich politische und ökonomische Fragen in der eng vernetzten Welt nicht voneinander trennen. Nahost, Ukraine, Trump – alles hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft. Auch dafür hat der Austausch beim Tag der Industrie einen guten Anschauungsunterricht geboten. Insofern hat Merz die passende Rede gehalten. Nur wer die Bewältigung der außenpolitischen Krisen entschlossen angeht und in Europa mit den wichtigsten Partnern voran strebt, kann auch der deutschen Wirtschaft zu neuer Stärke verhelfen. Allein der Machtwechsel in Berlin hat dort schon eine gewisse Zuversicht entfachen können; diese gilt es zügig auszubauen.

Peter Leibinger, der Präsident des Bundesverbandes der Industrie, steht seinerseits für eine beachtliche Zäsur – vor allem für mehr Selbstkritik der Unternehmer an den eigenen Fehlern. Nicht nur „Politikbashing betreiben“ und Forderungen an die anderen stellen, sondern sich selbst fordern, lautet seine Devise. Schonungslos ehrlich gegen sich selbst sein. Machen statt in der Opferrolle verharren. Wann hat sich der Spitzenvertreter eines wichtigen Wirtschaftsverbandes jemals so aufrichtig geäußert?

Ende der Distanzierung zwischen BDI und Kanzleramt

Nach einer lähmenden Phase der Distanzierung zwischen den jeweiligen Vorgängern hat der BDI-Chef dem Kanzler eine enge Kooperation angeboten. So hat das neue Tandem Leibinger-Merz mit ihrem elanvollen Antritt die Messlatte gleich sehr hoch gelegt. Wenn sie nicht schon in einem Jahr etliche elementare Fortschritte vorweisen können, die nicht nur Industrieunternehmen, sondern dem ganzen Land zugute kommen, wird die Verbitterung darüber umso größer sein.

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