Tag der offen Tür in der Moschee Zwischen Beten und Fußball schauen

Von Ute Jenschur 

Beim Tag der offenen Tür bei der Türkisch-Islamischen Gemeinde wird deutlich: Die Kommunikation mit anderen Glaubensgemeinschaften soll ausgebaut werden.

Fünfmal am Tag wird in der Moschee zum Gebet gerufen. Foto: factum/Bach
Fünfmal am Tag wird in der Moschee zum Gebet gerufen. Foto: factum/Bach

Leonberg - Unter dem Motto „Für ein Miteinander statt Nebeneinander“ hat die Leonberger Türkisch-Islamische Gemeinde ihren Tag der offenen Tür gefeiert. Ziel des Festes ist es, sich den Nachbarn und der Bevölkerung vorzustellen, die vereinseigene Moschee zu zeigen und so vielleicht auch Ängste oder Vorbehalte abzubauen. Dank der bekannten türkischen Gastfreundschaft ist für leckeres Essen an diesem Tag gesorgt. Es gibt frische türkische Lahmacun, dünne Hefeteigfladen mit würzigem Rinderhack bestrichen. Außerdem mit Käse oder Spinat gefüllte Teigblätter, Döner und süßes türkisches Gebäck, dazu Tee und alkoholfreie Getränke.

60 Prozent stammen aus der Türkei

180 Mitglieder umfasst die Gemeinde. Im Mittelpunkt steht das Gebet. Doch auch die Jugendarbeit ist dem Vereinsvorsitzenden Mehmet Köksal wichtig. Es gibt Koranunterricht für Kinder, aber auch eine Jugendfußballmannschaft, die jungen Leute können hier Darts spielen oder auch gemeinsam Fußball schauen. Rund 60 Prozent der Gläubigen stammen aus der Türkei, aber auch viele Syrier, Pakistaner oder Bosnier sind darunter. „Uns sind auch Nicht-Mitglieder herzlich willkommen“, sagt Köksal.

Von außen ist die Moschee als solche nicht zu erkennen. Im Vorbeifahren ist an der Breslauer, Ecke Berliner Straße nur ein Bürogebäude zu sehen. In einem großen Raum im Erdgeschoss ist die Moschee untergebracht. Alles ist mit Teppichen ausgelegt, die Schuhe bleiben vor der Tür. Fünfmal am Tag beten hier Männer und Frauen, allerdings in getrennten Räumen. Das Gebet am Freitag ist das wichtigste der gesamten Woche und soll nach Möglichkeit gemeinschaftlich in der Freitagsmoschee verrichtet werden. „Natürlich kann jeder auch zu Hause beten“, erklärt Köksal. „Aber gemeinsam in der Moschee zu beten, ist 27-mal wertvoller als allein zu Hause“.

Mehmet Köksal ist seit Mai als neuer Vorstandsvorsitzender im Amt. Der Wirtschaftsingenieur ist seit 1990 in Deutschland, und ehrenamtlich in der Gemeinde aktiv. Durch den Vorstandswechsel wurde der Tag der offenen Tür dieses Mal von Mai auf die Zeit nach den Schulferien verlegt. Es ist also Zufall, dass das Fest fast zeitgleich mit dem bundesweiten Tag der Moschee am 3. Oktober stattfindet.

Der Religionsgelehrte der Leonberger Gemeinde kommt immer für fünf Jahre aus der Türkei nach Deutschland. Seit einem Jahr arbeitet hier Hasan Gür. Er war zuvor bereits fünf Jahre in Münster. Er hat ein Islam-Studium absolviert und eine umfangreiche Prüfung speziell für diese Tätigkeit. Der Religionsgelehrte wird vom türkischen Staat finanziert, ansonsten sieht Mehmet Köksal seine Gemeinde als politisch unabhängig an.

Toleranz und Solidarität

Die Leonberger Türkisch-Islamische Gemeinde gehört zum Dachverband DITIB, dem über 900 Gemeinden angehören. DITIB ist nach eigenen Angaben die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in Deutschland, ist überparteilich und bekennt sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Sie legt Wert auf Toleranz und Solidarität der Menschen untereinander und gegenüber anderen Glaubensangehörigen. Dazu steht auch Mehmet Köksal. „Das Ziel des neuen Gemeindevorstands ist es, die Kommunikation mit christlichen Glaubensgemeinschaften in Leonberg zu fördern und zu verstärken. Erste Kontakte und gegenseitige Besuche gibt es schon“. Auch Solidarität ist ihm wichtig, zum Beispiel mit den Flüchtlingen in Leonberg, die der Verein durch Sach- und Geldspenden unterstützt.