Tag der offenen Baustelle Schlange stehen für den Tiefbahnhof

Von Christoph Kutzer 

Die Tage der offenen Baustelle zogen am Samstag zahlreiche Besucher an. Begeisterung für das Projekt war nur teilweise zu spüren. Auch Sonntag hat die Baustelle nochmals für Besucher geöffnet.

Die Besucher warteten geduldig vor der S-21-Baustelle. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg/Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg 12 Bilder
Die Besucher warteten geduldig vor der S-21-Baustelle. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg/Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Stuttgart - Wer sich einen ersten Eindruck davon verschaffen möchte, wie die neue Gleishalle des Projekts Stuttgart 21 aussehen soll, muss einiges an Geduld aufbringen. Zur Freude der Betreiber der Catering-Wägen auf dem Gelände stehen die Neugierigen am Samstag meterweit Schlange, um einen Blick auf die Kelchstützen oder die Stahlgerüste für die kommenden Bahnsteige zu erhaschen.

Bei zehn bis 15 Minuten Wartezeit vor dem Zutritt zum spannendsten Teil der Baustelle, kommen die Rote oder die Portion Pommes sehr gelegen. „Wenn ich schon mal hier bin, dann will ich auch alles sehen“, motiviert sich ein Herr. Andere Besucher der offenen Baustelle winken ab und sehen sich anderweitig um. „So aufregend wird es nun auch wieder nicht sein“, vermutet Dirk (49) und geht seiner Wege.

Kritiker und Befürworter werfen Blick auf Baustelle

Die Motive für dem Besuch des kommenden Tiefbahnhofs sind divers. Kritiker vergewissern sich, dass alles so fragwürdig weiterläuft, wie vermutet. Befürworter des Projekts informieren sich über Baufortschritte. Familien erfreuen sich an Angeboten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen. Dennis (6) sitzt in einem Baufahrzeug und schaufelt Kies. Ein Mitarbeiter steht im unaufdringlich zur Seite.

Der Prozentsatz an Stuttgartern, die die Tage der offenen Baustelle im Sinne eines unterhaltsamen Events für Jung und Alt nutzen, ist hoch. Daneben sind aber auch Kenner auf dem Baugrund unterwegs, die den Experten vor Ort überraschend detaillierte Fragen stellen. Mitarbeiterin Jennifer ist allen Fragen gewachsen. Umfassend informiert sie über die Kelchstützen und deren architektonische Feinheiten. Für den Übergang dieser Bauelemente zur Wand habe es vor S21 keine standardisierten Berechnungsmöglichkeiten gegeben, lässt sie wissen. Inzwischen habe man viel Erfahrung hinzugewonnen. Die Arbeiten gingen zügig voran. „Besonders schön ist das ja nicht“, teilt eine Dame ihrem Ehemann mit und deutet auf den Entwurf, der zeigt, wie die Gleishalle mit Stützen und integrierten Lichtaugen eines Tages aussehen soll. Besonders stößt sie sich an den Gittern, die die Oberlichter fragmentieren.

Interesse ist groß

Das Interesse daran, sich ein eigenes Bild vom Baufortschritt zu machen und sich vor Ort über Themen wie das Grundwassermanagement oder die Zukunft der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie zu informieren, ist groß. Begeisterung für die Baumaßnahmen bewegt nur einen Teil der Besucher. Harald Andre, der vor dem Zugang am Planetarium Projekt-kritische Broschüren verteilt, hat den Eindruck, die Mehrheit der Baustellen-Besichtiger sei keineswegs restlos überzeugt von Stuttgart 21. Spannend finden die meisten die Großbaustelle allerdings schon.

Am Mittag haben die ersten 2.000 Neugierigen die künftige Gleishalle besucht. Trotz Wartezeit. Die Ausführungen zum Gleisbau für die SSB sind ein Publikumsmagnet, vor den Infotafeln zu den Kompensationsmaßnahmen in Sachen Umweltschutz herrscht Gedränge. „Der Juchtenkäfer!“ amüsiert sich ein junger Mann. „Ich hoffe einfach, dass sie hier irgendwann fertig werden“, seufzt ein grau melierter Herr. Jörg (43), der eben ein S21-Malbuch erstanden hat, ist begeisterungsfähiger: „Ich bin beeindruckt.“, bekennt er. „Die Ausmaße. Die Technologie – ich denke, wir sollten stolz darauf sein, dass so ein Projekt in Stuttgart entsteht.“

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