Zum internationalen Tag der Pflege haben sich Dutzende Pflegekräfte aus der Region Stuttgart für eine Kundgebung auf dem Schlossplatz zusammengefunden.

Die Stimmung auf dem Schlossplatz ist aufgeheizt – nicht nur wegen der Sonne, die an diesem frühen Donnerstagnachmittag mit voller Wucht auf das Pflaster knallt. Der Unmut der Pflegekräfte, die sich zum internationalen Tag der Pflege für eine Kundgebung hier versammelt haben, ist deutlich spürbar: Sie betätigen Hupen, rufen in Megafone, bekunden ihre Zustimmung, wenn Johanna Tiarks vom Bündnis „Walk of Care“, das gemeinsam mit der Württembergischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz zu der Kundgebung aufgerufen hat, die fehlende Wertschätzung für ihren Beruf beklagt. „Man hat uns während der Pandemie sehr viel beklatscht“, sagt sie. Dennoch gebe es immer noch zu wenig Personal, und auch die Gehälter von Pflegekräften seien weiterhin unangemessen. „Daran zeigt sich: Soweit reicht die Begeisterung für den Beruf der Pflege eben nicht.“

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Das Bündnis spricht sich für eine bessere Personalausstattung und Bezahlung aus, für ein Umdenken in der Finanzierung des Gesundheitssystems und eine Ausweitung der politischen Mitsprache der Gesundheitsberufe. Die Aufwertung des Pflegeberufs beinhalte dabei auch, dass Pflegekräfte nicht nur als die Assistenten von Ärzten gesehen würden, sondern als „Experten für das Leben mit Krankheit“. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir als Heilberuf anerkannt werden möchten“, sagt Susanne Scheck, Vorstandsvorsitzende der Württembergischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz. „Dass wir mit den Ärzten und den Apothekern und Psychologen auf Augenhöhe sind und nicht immer andere für uns sprechen, sondern wir auch in sämtlichen Gremien arbeiten, beteiligt werden und Mitbestimmungsrecht haben.“

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe: Mindestens 40.000 Pflegestellen sind unbesetzt

Schon seit Jahren ist der Pflegenotstand in Deutschland ein Problem. Laut dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe sind in der Bundesrepublik mindestens 40 000 Pflegestellen unbesetzt; weitere 500 000 Pflegekräfte werden bis 2035 das Rentenalter erreichen. Für die verbleibenden Pfleger bedeutet das zusätzliche Arbeitslast – und dadurch wiederum vermehrten Ausfall: ein Teufelskreis. Deshalb wollen die Organisatoren die Aufmerksamkeit, die die Pandemie für ihren Beruf geschaffen hat, jetzt nutzen. „Das hat die Pflege schon noch mal mehr in den Mittelpunkt gerückt“, sagt Susanne Scheck. „Aber die Gefahr dabei ist, dass man denkt: Damit ist es jetzt getan.“