Tag der Zahnschmerzen Au Backe Zahnweh!

Von /dpa 

Jeder kennt sie, jeder hasst sie, jeder will, dass sie schnell wieder weggehen. Zahnschmerzen. Jene meist starken und kontinuierlichen Beschwerden, die von den sensiblen Hartgebilden in der Mundhöhle ausgehen.

Karies, Pulpitis, apikale Ostitis, Gangrän, atypische Zahnschmerzen: Schon beim Hören dieser zahnärztlichen Fachbegriffe meint man ein diffuses Zahnweh zu spüren. Foto: dpa 10 Bilder
Karies, Pulpitis, apikale Ostitis, Gangrän, atypische Zahnschmerzen: Schon beim Hören dieser zahnärztlichen Fachbegriffe meint man ein diffuses Zahnweh zu spüren. Foto: dpa

Stuttgart - Es zieht und zwickt, pocht und sticht. Anfangs nur ganz leicht, dann immer stärker. Wenn die Pein zu groß wird und weder Hausmittel noch Schmerztabletten helfen, muss man zum Zahnarzt. Er wird hoffentlich den schmerzenden Beißerchen alsbald Linderung verschaffen. Am 9. Februar, dem weltweiten Tag der Zahnschmerzen, wird all jener gedacht, die den schweren Gang zum Dentisten nicht mehr aufschieben können.

Tag der Zahnschmerzen

Wie so viele kuriose Aktionstage ist der „National Toothache Day“ in den USA ins Leben gerufen worden. Auch wenn der Verdacht nahe liegt: Der Tag der Zahnschmerzen ist keine Erfindung von Zahnärzten, Zahntechnikern und ihren Lobbygruppen.

Wahrscheinlich handelt es sich um einen geschickten Werbegag der Grußkartenindustrie, die sich über viele malade Menschen freut, weil die zahlreichen Besserungswünsche das Geschäft mit Genesungswunschkarten ankurbeln.

Heilige Apollina, bitte für uns!

Der 9. Februar ist nicht zufällig gewählt. Im Heiligenkalender der katholischen Kirche – dem sogenannten Martyrologium Romanum – wird an diesem Datum der Leiden der heiligen Apollonia von Alexandria gedacht. Auch bekannt als Patronin der Zahnärzte, Schutzheilige bei Zahnkrankheiten und eine der 14 Nothelfer.

Wenn fromme Christen unter Zahnschmerzen leiden, erhoffen sie sich von den Bittgebeten an Apollonia Linderung von ihrer Pein und Stärke im Ertragen der Schmerzen. „Heilige Apollonia, ein armer Sünder steh ich da. Mich schmerzen meine Zähne. Lass Dich doch bald versöhnen. Und schenk mir Ruh in mein Gebein, dass ich vergess der Zahnweh Pein.“

Kiefer gebrochen, Zähne ausgeschlagen

Die jungfräuliche Apollonia musste höllische Qualen erleiden, als römische Schergen ihr im Rahmen der Christenverfolgung unter Kaiser Decius (249-251) die Kinnlade zertrümmerten und alle Zähne ausschlugen. Anschließend wurde die zahnlose Märtyrerin bei lebendigem Leib verbrannt. Die Kirchenväter Augustinus und Ambrosius berichten, dass die fromme Frau den von ihr aufgeschichteten Scheiterhaufen selbst entzündete und sich freiwillig in die Flammen begab.

Apollonia wird in der sakralen Kunst als Jungfrau mit den Attributen ihres Martyriums dargestellt: Märtyrerpalme, Krone, Zange und Zähne. Papst Johannes XXI. (1276-1277) riet den Gläubigen, bei Zahnschmerzen zur zahnlosen Jungfrau zu beten.

Von Zahnbrecher zum Dentisten

Die heute in Deutschland tätigen Dentisten dürfen nur mit Approbation ihren Beruf ausüben. Das war nicht immer so. Im Mittelalter priesen Quacksalber und Kurpfuscher marktschreierisch ihre angeblichen ärztlichen Kunstfertigkeiten an. Diese „Zahnbrecher“ und „Zahnreißer“ prahlten mit ihrer Geschicklichkeit und Kunst, die sie allerdings – zum Schaden ihrer bemitleidenswerten Patienten – selten wirklich beherrschten.

Der erste „Dentist“ ging nachweislich vor 14 000 Jahren seinem stomatologischen Gewerbe nach. Das belegt ein kariöser Backenzahns, der 1988 in der Felshöhle von Riparo Villabruna bei Sovramonte in Norditalien gefunden wurde. Er gehörte einem Mann, dem ein vorzeitlicher Heilkundiger sein faules Beißerchen gezogen hatte.

„Der Backenzahn aus Villabruna beweist, dass es bereits vor mindestens 14.000 Jahren, in der jüngeren Altsteinzeit, erste Eingriffe an kariösem Zahngewebe gab“, erklärt der Anthropologe Ottmar Kullmer, Experte für Evolution und Funktionsmorphologie von Urmenschen-Zähnen im Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main.

Zahnwurm

Bis in die Neuzeit hielt sich der Glaube, dass der Zahnwurm (englisch: Tooth worm) für Karies verantwortlich sei. Scribonius Largus, Leibarzt von Kaiser Claudius empfahl Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. zur Behandlung Räucherungen und Spülungen, Einlagen und Kaumittel.

Hildegard von Bingen (1098-1179), die große heilkundige Nonne vom Rhein, erkannte, dass nicht ein Krabbeltier, sondern mangelnde Hygiene die Ursache für Zahnschmerzen war.