Tag des Schlaganfalls „70 Prozent aller Schlaganfälle könnten verhindert werden“ – Arzt gibt Tipps

Eike-Carsten Rahne ist ein Experte für Schlaganfall: Der Neurologe leitet die Satellitenstation der Kliniken Schmieder, angesiedelt im Klinikum Stuttgart. Dort werden in der Frührehabilitation Schlaganfall-Patienten versorgt. Foto: Kliniken Schmieder

Der 10. Mai ist der Tag des Schlaganfalls. Ein Schlaganfall könne jeden treffen, sagt der Neurologe Eike-Carsten Rahne. Er hat aber auch gute Nachrichten parat.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Er kommt oft aus heiterem Himmel und ist lebensbedrohlich: In Deutschland haben jedes Jahr circa 270 000 Menschen einen Schlaganfall. „Es kann jeden treffen“, sagt Eike-Carsten Rahne. Der Neurologe leitet die Satellitenstation der auch in Gerlingen ansässigen Kliniken Schmieder. Diese besondere Station für Frührehabilitation im Klinikum Stuttgart will schwerstkranke Schlaganfallpatienten noch besser versorgen. Rahnes Patienten, die auch andere schwere neurologische Erkrankungen haben, sind zwischen 18 und 97 Jahre alt.

 

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Eike-Carsten Rahne berichtet von Studien, wonach 70 Prozent aller Schlaganfälle verhindert werden könnten. „Es gibt viele beeinflussbare Risiken“, sagt er. Entscheidend sei der Lebensstil – der aus Rahnes Sicht „moderat und vernünftig“ sein sollte.

„Stress ist ein Risikofaktor für viele Krankheiten“, sagt der Neurologe

Rauchen erhöht das Schlaganfallrisiko enorm. Denn Nikotin treibt den Blutdruck hoch. Arterienverkalkung kann eine Folge sein. Zudem wird das Blut zähflüssiger und bildet wahrscheinlicher Klümpchen. Ein Schlaganfall entsteht, wenn aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn Gefäße verstopfen. Dann wird das Areal dahinter nicht mehr versorgt. Auch gibt es sogenannte blutige Schlaganfälle, etwa durch Hirnblutungen. Ähnlich gefäßschädigend wie Zigaretten wirkt Alkohol.

Bei der Ernährung gilt: viel Obst und Gemüse, wenig Salz und Zucker. Mit der mediterranen Küche lasse sich das Risiko für Diabetes senken, eine weitere Ursache für einen Schlaganfall, sagt Eike-Carsten Rahne. Er selbst verzichtet seit Jahren auf Zucker im Kaffee. „Meist eine Sache der Gewöhnung“, kommentiert er die Einschränkung des Zuckerkonsums. Rahne betont zudem die Bedeutung von Sport beziehungsweise Bewegung für die Gesundheit im Allgemeinen. „Ich laufe von Station zu Station statt den Aufzug zu nehmen.“ Und auch weniger als sechs Stunden sowie schlechter Schlaf könne die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Ebenso Stress, „ein Risikofaktor für viele Krankheiten“. Wobei das Stressempfinden subjektiv sei.

Mit einem speziellen Test lässt sich ein Schlaganfall erkennen

Hausärzte checken Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und andere relevante Werte. Im fortgeschrittenen Alter empfiehlt sich laut Rahne ein Langzeit-EKG. Denn auch die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko massiv.

Ein Schlaganfall ist lebensbedrohlich. Dann gilt es, den Notruf 112 zu wählen. Foto: Daniel Vogl/dpa

Ein Schlaganfall lässt sich mit dem sogenannten FAST-Test erkennen: F (Face) steht für Gesicht: Es ist dann asymmetrisch, weil ein Mundwinkel hängt. Das sieht man, wenn die Person lächelt. A steht für Arm: Ein Arm baumelt schlaff, denn er hat aufgrund einer Lähmung seine Funktion verloren. S (Speech) betrifft die Sprache: Der Patient kann einen Satz nicht wiederholen oder klingt verwaschen oder lallend. T (Time) wiederum steht für den Faktor Zeit, denn Hilfe muss schnell erfolgen.

Bei einem Schlaganfall gehen Millionen Nervenzellen kaputt

Bei einem Schlaganfall ist „Zeit Hirn“, sagt Eike-Carsten Rahne: Je früher die Behandlung beginnt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, bleibende Schäden zu verringern. Bis zu viereinhalb Stunden nach einem Schlaganfall ist laut Rahne noch etwas zu retten. „Die Prognose verschlechtert sich von Minute zu Minute.“ Jenes Zeitfenster orientiere sich an der Lebensdauer einer schlecht versorgten Nervenzelle. Bei einem Schlaganfall gehen im Schnitt fast zwei Millionen Nervenzellen kaputt – pro Minute.

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall gilt: den Notruf 112 wählen. Oder sofort selbst den Betroffenen in eine Klinik mit einer Stroke Unit fahren. In der Umgebung haben solche Spezialeinheiten für Schlaganfallpatienten das Katharinenhospital, das Marienhospital und das Robert-Bosch-Krankenhaus sowie die Häuser in Ludwigsburg, Sindelfingen und Calw.

Auch Schwindel und Sehstörungen können auf einen Schlaganfall hindeuten

Wie gut sich ein Patient erholt, hängt laut Rahne von mehreren Faktoren ab. Ort und Größe des Infarkts spielen ebenso eine Rolle wie das Alter und damit verbunden der Gesundheitszustand und die Ressourcen des Patienten. Je kräftiger beispielsweise die Muskeln sind, desto besser kommt jemand mit einer (vorübergehenden) Lähmung klar.

Symptome für einen Schlaganfall können übrigens auch Schwindel und starke Kopfschmerzen sein, Sehstörungen und Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen. „Bei allen neu auftretenden neurologischen Symptomen sollte man hellhörig sein“, meint Eike-Carsten Rahne. Er rät, im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt zu gehen.

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