Tag und Nacht des offenen Denkmals in Esslingen Denkmale sollen nicht verstauben

Ein Programmpunkt ist der Pliensauturm in Esslingen: In der Nacht des offenen Denkmals werden zwischen 18 und 23.15 Uhr Führungen angeboten. Foto: Roberto Bulgrin

Kulturdenkmale dürfen nicht unter einem Schutzschild verstauben. Zur Nacht und zum Tag des offenen Denkmals werden sie in Esslingen mit Leben gefüllt. Am Samstag, 10. September, ab 18 Uhr und am Sonntag, 11. September, gibt es Kulturspuren.

Miss Marple geht in Rente. Hercule Poirot hört auf. Sherlock Holmes hängt Pfeife und Lupe an den Nagel. Die bekannten Meisterschnüffler bekommen nämlich Konkurrenz. Denn Besucherinnen und Besucher der Nacht und des Tags des offenen Denkmals werden zu Kulturdetektiven. Sie können am Samstagabend, 10. September, und am Sonntag, 11. September, in Esslingen auf die Pirsch gehen und sich unter einem breiten Angebot das für sie Passende heraussuchen. Die Veranstaltungen stehen unter der Überschrift „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“. Das Programm ist in diesem Jahr noch um eine Spur exquisiter: Esslingen wird 2022 zur baden-württembergischen Eröffnungsstadt des landesweiten Tages des offenen Denkmals.

 

Er habe einige Programmflyer auf seinem Schreibtisch liegen, offenbarte Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Aktionen. Ob er auch reingeschaut hat, verriet der Rathauschef nicht. Dabei würde sich das nach Ansicht der Organisatoren lohnen. Denn ein bunter Veranstaltungsblumenstrauß aus Musik, Führungen, Vorträgen, Illuminationen, Konzerten und anderen Angeboten wurde kreiert. In diesem Jahr wurde der Tag des offenen Denkmals um eine Nacht erweitert: Denn Esslingen ist nach Meersburg im letzten Jahr baden-württembergische Eröffnungsstadt 2022.

Das macht Sinn, führte Professor Claus Wolf als Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege aus. Mit 50 Jahren Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg und 50 Jahren Landesamt für Denkmalpflege stünde ein zweifaches Jubiläum ins Haus. Denkmalpflege habe es schon zuvor gegeben. Aber da war der Themenkreis noch regional-politisch aufgesplittet. Es gab ein badisches, zwei württembergische und ein hohenzollerisches Denkmalamt – doch vor 50 Jahren wurden die Behörden zusammengefasst. Seit 19 Jahren ist der Sitz des Landesamts für Denkmalpflege in den Räumlichkeiten des ehemaligen Schelztorgymnasiums in der Berliner Straße in Esslingen. Von den landesweit insgesamt 420 Mitarbeitenden in der Denkmalpflege sind laut Claus Wolf etwa 220 in der Neckarstadt beschäftigt. „Esslingen wurde relativ zufällig als Standort ausgewählt, weil das Gebäude zur Verfügung stand“, so der Professor. Von Esslingen aus werde die landesweite Denkmalpflege koordiniert: „Wir sind diejenigen, die bestimmen, was ein Denkmal ist.“ Sein Haus würde auch Empfehlungen dazu abgeben, wie mit dem Denkmal am besten umgegangen werden sollte. Was aber gemacht werde, das würden die bei Städten oder Landkreisen angesiedelten Denkmalschutzbehörden sagen.

Eine graue Materie, die aber zur Nacht und zum Tag des offenen Denkmals kunterbunt präsentiert wird. Nach der Eröffnung des landesweiten Denkmaltags am Samstag um 17 Uhr in der Stadtkirche St. Dionys geht in Esslingen als baden-württembergischer Eröffnungsstadt die Nacht des offenen Denkmals über die Bühne. Das Landesamt für Denkmalpflege wird ab 20.30 Uhr fünfmal spektakulär beleuchtet. Dazu wird eine rauschende Outdoor-Geburtstagsparty gefeiert. Doch ganz Esslingen soll in dieser Nacht zu einem Veranstaltungsleuchtturm werden, ergänzt Andreas Panter als städtischer Denkmalpfleger. Tag- und Nachtschwärmer kommen auf ihre Kosten, verspricht der promovierte Architekt. Denn am Sonntag, 11. September, geht es mit dem Tag des offenen Denkmals weiter. Doch es würde sich lohnen, die Nacht- und den Tag des offenen Denkmals zu besuchen. Einige Programmpunkte würden sich zwar wiederholen, doch die Hälfte des Angebots am Sonntag, 11. September, habe mit den nächtlichen Aktivitäten nichts zu tun. Und 35 Veranstaltungspunkte seien noch bei keinem der bisherigen Denkmaltage gezeigt worden und wären damit echte Premieren.

Digital war gestern. Nach den coronabedingten Einschränkungen der vergangenen beiden Jahre, so erklärt Claus Wolf, würden die Nacht und der Tag des offenen Denkmals analog über die Bühne gehen. Der Charakter der Veranstaltung sei für eine Hybridform nicht geeignet. Zu den Kosten wollten die Organisatoren keine Angaben machen. Der Ablauf werde auch von ehrenamtlichem Engagement getragen, so dass eine Kostensumme nicht genannt werden könne, führte Nicole Razavi (CDU), die baden-württembergische Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, aus: „Diese Summe können wir nicht beziffern.“ Im Mittelpunkt stünden die Denkmale. Sie seien nicht nur Museumsstücke, sondern müssten auch mit Leben gefüllt werden: „Diese Wurzeln geben uns Kraft in Zeiten mancher Veränderung.“

Der Tag des offenen Denkmals

Ursprünge
 Der Tag des offenen Denkmals wurde laut Claus Wolf 1985 zum ersten Mal in Frankreich auf die Beine gestellt. Der Gedanke wurde von der EU aufgegriffen – und 1993 zog Deutschland nach. In Baden-Württemberg wurde seinen Worten zu Folge 1994 erstmals ein Tag des offenen Denkmals begangen.

Angebote
 Das Gesamtprogramm kann unter https://programm.tag-des-offenen-denkmals.de/programm – nach Orten sortiert – aufgerufen werden. In Wendlingen wird am Sonntag um 16 Uhr die Ausstellung „Upgrade Ressources Industriedenkmal“ in der Werkstätte der Spinnweberei Heinrich Otto und Söhne eröffnet. 

Veranstaltung
  Das Esslinger Programm für Samstag, 10. September, von 18 bis 24 Uhr und Sonntag, 11. September, kann unter www.esslingen.de/denkmaltag nachgelesen werden. Teilweise sind Anmeldungen unter dieser Adresse nötig. Alle Angebote sind für die Teilnehmenden kostenfrei. 

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