Tagesklinik in Heumaden Die Gesundmacher

Von Simone Bürkle 

Dr. Heide Schröder-Kranz hat beim Frühstücksgespräch die Tagesklinik an der Bernsteinstraße vorgestellt. Hauptsächlich Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten werden dort behandelt.

Kunsttherapie gehört zum Angebot der Tagesklinik. Dabei geht es auch darum, Nähe und Vertrauen aufzubauen. Foto: z
Kunsttherapie gehört zum Angebot der Tagesklinik. Dabei geht es auch darum, Nähe und Vertrauen aufzubauen. Foto: z

Heumaden - Es ist ein berührendes Bild. Und es sagt viel darüber aus, wie sich der elfjährige Junge gefühlt haben muss, als er es gemalt hat. Er sollte sich und seine Familie als Tiere zeichnen. Das hat er getan: Seine Eltern und sein kleiner Bruder stehen als Elefanten einträchtig an einem Teich und trinken. Sich selbst hingegen hat der Junge als Affe dargestellt, der außerhalb des Idylls einsam auf einem Baum hockt. Die Elefanten kehren ihm den Rücken zu und würdigen ihn keines Blicks.

Ganz still ist es im Raum, als Heide Schröder-Kranz die Kinderzeichnung mit einem Projektor an die Wand wirft. Die leitende Oberärztin der Tagesklinik Bernsteinstraße ist an diesem Vormittag zu Gast beim Frühstücksgespräch der evangelischen Kirchengemeinde Heumaden-Süd. Sie erklärt den Gästen, welche Kinder es sind, die die Einrichtung besuchen und was die Tagesklinik anbietet.

Kinder reisen morgens an und abends wieder ab

Der Junge beispielsweise, der das Bild gemalt hat, hatte begonnen, nicht mehr zu schlafen, Essen zu horten und seine Notdurft in Zimmerecken zu verrichten. Deshalb war er in die Tagesklinik gekommen. „Es stellte sich dann heraus, dass der Junge aus einer früheren Beziehung seiner Mutter stammte. In der neuen Familie war er zum Sündenbock und Buhmann geworden. Vor allem deshalb, weil er seinem leiblichen Vater so ähnlich sah“, erzählt Schröder-Kranz.

Fast immer sind es Kinder und Jugendliche mit solchen Vorbelastungen und Verhaltensauffälligkeiten, die die psychiatrische Einrichtung an der Bernsteinstraße besuchen. Meist für ein paar Wochen, „andere betreuen wir über Jahre“, sagt die Ärztin. Dazu kommen verschiedene Formen von Behinderungen, seien es körperliche oder geistige sowie weitere Symptome wie Traurigkeit oder große Krisen. Zwischen fünf und 18, manchmal bis zu 21 Jahre alt sind die Besucher. Obwohl die Klinik mit ihrem speziellen Profil bundesweit einmalig ist, kommen die Patienten aus dem Umland. Der Anfahrtsweg soll nicht länger als eine Stunde sein. Schließlich reisen die Kinder am Morgen an und kehren am Nachmittag nach Hause zurück.

Geregelter Alltag für Viele keine Selbstverständlichkeit

In der Einrichtung, die es seit 2007 gibt, kümmert sich ein Team aus Psychiatern und Psychologen, Krankenpflegern, Erziehern, Kunsttherapeuten und Pädagogen um die Patienten. Personell ist die Klinik gut aufgestellt. Jede der beiden Gruppen zu je zehn Kindern und Jugendlichen wird von mehr als einem halben Dutzend Fachleuten betreut. „Das ist wichtig, die Kinder brauchen diese Unterstützung“, sagt Schröder-Kranz. Zum Beispiel auch deshalb, um einen geregelten Alltag zu erleben. Denn für manche Kinder ist es keine Selbstverständlichkeit, gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen.

Dafür, wie die Heumadener bisher auf die Kinder und Jugendlichen der Tagesklinik reagiert haben, hat die Ärztin viel Lob übrig: „Wir fühlen uns hier sehr wohl, sind froh über den Standort mitten im Stadtteil.“ Bei Ausflügen wie etwa zu benachbarten Läden oder zur Jugendfarm, die zum Therapieprogramm gehören, würden die Kinder und ihre Betreuer stets auf viel Wohlwollen stoßen. Das helfe den jungen Patienten, wieder gesund zu werden.

„Es geht darum, dass es den Kindern dauerhaft besser geht“

Das Ziel sei, die Patienten stabil zu entlassen. „Es geht darum, dass es den Kindern dauerhaft besser geht“, sagt die Ärztin. So wie bei dem Jungen, der sich selbst als Affe gezeichnet hat. Seine Geschichte hat ein gutes Ende genommen. Heute lebt er in einem Internat. Er isst und schläft normal, seine Lehrer loben seine Leistungen, und er ist beliebt. Die Tagesklinik war seine große Chance, aus seinen Verstrickungen zu entkommen. Er hat sie genutzt – so wie viele andere Kinder, die schon an der Bernsteinstraße behandelt wurden.

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