Tagung in Ludwigsburg Innenminister Gall mit Torte beworfen

Innenminister Reinhold Gall wurde in Ludwigsburg von einem Tortenwerfer angegriffen. Foto: dpa
Innenminister Reinhold Gall wurde in Ludwigsburg von einem Tortenwerfer angegriffen. Foto: dpa

Baden-Württembergs Innenminister ist auf einer Tagung in Ludwigsburg mit einer Torte beworfen worden. Reinhold Gall ist anschließend im Krankenhaus untersucht worden, konnte aber bereits am Nachmittag an seinen Schreibtisch zurückkehren.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Ludwigsburg - Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) ist am Freitagvormittag bei einer Tagung an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg mit einer Sahnetorte beworfen worden. Der 19-Jährige Täter wurde von den anwesenden Sicherheitsbeamten sofort überwältigt und ließ sich widerstandslos abführen. Ebenso so schnell brachten die Beamten den sichtlich überraschten Minister außerhalb des im Erdgeschoss gelegenen Hörsaals in Sicherheit.

Galls Gehörgang musste gereinigt werden

Gall, der von mehreren Personenschützern begleitet wurde, ließ sich kurz nach dem Vorfall, ohne das Eintreffen der Polizei abzuwarten, in ein Krankenhaus zu einer medizinischen Untersuchung bringen. Er wurde bei dem Vorfall von der Torte an Ohr und Oberkörper getroffen. Nach Auskunft des Ludwigsburger Polizeisprechers Peter Widenhorn wurde Galls Gehörgang durch den Tortenwurf geschädigt und musste in der Klinik gereinigt werden. Nach dem kurzen Klinikaufenthalt nahm er seine Arbeit im Ministerium wieder auf. Die Beeinträchtigung des Gehörs ist laut einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Heilbronn bereits im Verlauf des Freitags wieder abgeklungen.

Der Täter stammt aus dem hohenlohischen Raum und ist nach Angaben des Landeskriminalamtes, das die Ermittlungen übernommen hat, bisher polizeilich nicht aufgefallen. Der mit Jeans und dunklem Sweatshirt bekleidete junge Mann saß nach seiner Tat von den Sicherheitsbeamten bewacht ruhig im Foyer der Hochschule und wartete auf seine Verhaftung durch Polizeibeamte des Polizeipräsidium Ludwigsburg-Böblingen. Er kam zunächst in Gewahrsam. Über seine Motive ist bislang nichts bekannt. Bei seiner Aktion blieb er stumm. Ermittelt wird gegen ihn wegen Körperverletzung

Aus etwa fünf Meter Entfernung auf den Minister geworfen

Die Podiumsdiskussion, zu deren Teilnehmern Gall gehörte, wurde nach dem Anschlag unterbrochen und nach etwa 20 Minuten ohne Gall weitergeführt. In der Mittagspause waren Beamte des Landeskriminalamtes vor Ort, um Zeugen der Tat zu vernehmen. Der Täter hatte die Tagung, die sich mit dem Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von Buchenwald bis zu den NSU-Morden“ beschäftigte, betreten, als sie schon begonnen hatte. Nur zufällig hatte der junge Mann, der einen Rucksack bei sich trug, einen Platz in der ersten Reihe bekommen. Konrad Seigfried, Ludwigsburgs Erster Bürgermeister, hatte vorzeitig gehen müssen und diesen Platz freigemacht. Gall hatte gerade seine ersten Sätze zum Thema Erinnerungskultur gesprochen, als ein Teilnehmer der Veranstaltung die Frage „Wie wäre es mit einem NSU-Untersuchungsausschuss?“ von hinten ins Plenum rief. In diesem Moment, so erinnert sich Ingrid Hönlinger, habe der Angreifer an seinem Rucksack genestelt. Die ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete saß zufällig neben dem Mann. Der 19-Jährige nutzte die Ablenkung durch den Zwischenruf von hinten offenbar, um die Sahnetorte aus seinem Rucksack zu holen, auszupacken und aus etwa fünf Meter Entfernung auf den Minister zu werden. Getroffen wurde von der Sahne-Himbeeren-Masse auch der neben Gall sitzende Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge. Er bestritt den Rest der Podiumsdiskussion ohne Jackett.

Beate Aschenbrenner-Wellmann, die Professorin am einladenden Institut für Antidiskriminierungs- und Diversityfragen, zeigte sich unmittelbar nach dem Tortenwurf erschüttert. Man sei hier zum Austausch zusammengekommen. Dass der mit dem für den Verfassungsschutz zuständigen Minister nicht zustande kommen konnte, bedauerten alle Diskussionsteilnehmer. Die Rechtsextremismusexpertin Heike Kleffner zollte Gall Respekt, dass er in dem Wissen, sich einer kritischen Auseinandersetzung zu stellen, gekommen sei. Die Prorektorin Karin Sanders verurteilte den Zwischenfall aufs Schärfste und zeigte sich erleichtert, dass Gall nichts Ernsthaftes zugestoßen sei.

Ein Video des Vorfalls in Ludwigsburg sehen Sie hier.




Unsere Empfehlung für Sie