Taifun Usagi in China Das „Kaninchen“ bringt Tod und Chaos

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Der Taifun Usagi ist mit Windgeschwindigkeiten von 175 Kilometer pro Stunde über die Südküste Chinas hinweggepeitscht. Mindestens 25 Personen starben, die Schäden gehen in die Milliarden.

Bloß weg hier: ein Mann flüchtet vor einer Riesenwelle in Shantou. Foto:  
Bloß weg hier: ein Mann flüchtet vor einer Riesenwelle in Shantou. Foto:  

Peking - Sein Name klingt harmlos, seine Wirkung aber ist verheerend. Mit 175 Kilometern in der Stunde ist der als „Kaninchen“ (auf Japanisch Usagi) bezeichnete Wirbelsturm von Sonntag auf Montag auf die Südküste von China gepeitscht, er streifte den Finanzstandort Hongkong und das Spielcasino-Paradies Macao. Mindestens 25 Menschen kamen unter umgestürzten Bäumen und zersplitterten Glasscherben um, Hunderttausende flüchteten. Es soll der stärkste Sturm in der Region seit mehr als 30 Jahren gewesen sein, sagen Meteorologen. Sie gaben ihm den Beinamen „Supertaifun“, die Menschen sprachen vom „Killersturm“. Sie kennen sich aus mit starken Winden hier. Usagi – der Name kommt vom Chinesischen „da feng“, großer Wind – ist der 19. Taifun in diesem Jahr, keiner war bislang so zerstörerisch. Das chinesische Fernsehen lieferte auf mehreren Kanälen Bilder der Verwüstung: Eine Frau schleppt sich durch die Fluten, eine andere versucht verzweifelt, ihren Regenschirm aufzurichten, immer und immer wieder. Die Straßen sind überschwemmt, Bäume liegen auf den Wegen, sie sind entwurzelt, Busse sind zerquetscht.

Der stärkste Sturm, den die Menschen in Erinnerung haben

Am stärksten betroffen ist Shanwei in Guangdong, ein Ort mit drei Millionen Einwohnern, eine chinesische Provinzstadt, die vom Boom an der Küste im Süden profitiert. Hier werden Kartoffeln und Reis angebaut, die Leute leben auch vom Fischfang. Doch am Montag blieben die Fischer zu Hause, knapp 48 000 Boote hatte die Regierung zurückgerufen. In 14 Städten, darunter Millionen-Metropolen wie Guangzhou und Shenzhen, waren auch die Schulen geschlossen. Bis zu sieben Metern hoch peitschten die Wellen gegen das Festland, bis sich das stürmische „Kaninchen“ beruhigt hatte und die Bewohner zum Aufräumen zwang. Mehr als 3,5 Millionen Personen, so sagte es ein Sprecher vom Nationalen Katastrophenschutzamt, seien vom Taifun betroffen. Etwa 220 000 von ihnen wurden in Sicherheit gebracht. 20 000 Gestrandete waren am Montag weiterhin in Notunterkünften. Etwa 7000 Häuser seien zerstört. Chinas Ministerium für Zivile Angelegenheiten sprach von einem Schaden in Höhe von 3,2 Milliarden Yuan (390 Millionen Euro). „Vor lauter Wind konnte ich mich kaum auf den Beinen halten“, erzählt ein Anwohner aufgeregt im Fernsehen. „Wir saßen im Dunkeln und hatten Angst“, sagt ein anderer. Mit ihren Fahrrädern tragen die Männer Teile von umgestürzten Laternen von der Straße weg. Eine Frau stützt sich mit blutüberströmten Beinen an ein umgeworfenes Auto.

Etwa 50 Zugverbindungen sind noch bis heute eingestellt. Fast 400 Flüge waren gestrichen, allein 250 fielen in Hongkong aus, auch mehr als 60 Fährverbindungen zwischen Hongkong und Macao. „Es war der stärkste Taifun, den ich je erlebt habe“, sagen die Menschen immer wieder.